Ketten – so und so…

Ketten – so und so…

Es ist bestimmt schon zehn Jahre her. Da war plötzlich der Titel für eine künstlerische Arbeit in meinem Kopf und setzte sich fest: „Die Ketten meiner Oma“. Das war, als ich einen Korb mit einigen verschiedenen Ketten meiner Oma bei der Auflösung der Wohnung an mich nahm. Im Frühjahr 2014 postete ich mit diesem Titel ein Foto auf Instagram. Aber dann geschah nichts… Ich suchte immer mal wieder nach einer Idee der künstlerischen Umsetzung, nach einer Idee, mit der ich diese Ketten verarbeiteten könnte. Doch mir fiel über die Jahre nichts Stimmiges ein. Das war mitunter frustrierend. Aber ich hatte auch die Zuversicht in mir, dass die Zeit kommen wird… 

 

Die Ketten meiner Oma, Serie, Detail, 2018, (c) Doreen Trittel

Die Ketten meiner Oma, Detail, (c) D.Trittel

 

Nicht unnütz oder wertlos bin ich ins Dasein gestellt,
sondern als Glied einer langen Kette, Brücke zwischen Menschen und Generationen.
(aus einem Nachruf)

 

Einige Entwicklungsschritte musste ich nehmen und bewältigen, bis es am Anfang diesen Jahres soweit war: Die Idee für eine Serie! Plötzlich war sie da. In meinem Kopf hatte ich ein konkretes Bild… Mit diesem Projekt bin ich, die längste Zeit, wenn ich es richtig im Blick habe, schwanger gegangen. Es bestätigt sich: Alles hat, alles braucht seine Zeit. In den letzten Monaten habe ich mit den Ketten meiner Oma gearbeitet und mich trotz der Bilder im Kopf vom Tun leiten lassen.

 

Die Ketten meiner Oma, Serie, Detail, 2018, (c) Doreen Trittel

Die Ketten meiner Oma, Detail, (c) D.Trittel

 

Alles hängt normalerweise zusammen, wie die Glieder einer Kette,
und alles ist zum Besten bestellt.
(Voltaire, 1694 – 1778)

 

Die Ketten aus dem Familiennachlass verstehe ich nicht nur als schmückendes Element. Sie symbolisieren die unbewusste und oft schwer erkennbare Verbundenheit über die Generationen hinweg. Vieles ist verdeckt und nicht sichtbar. Trotzdem ist es da und hat mit uns zu tun, was auch immer das ist. Unsere Aufgabe heute ist es, den vererbten Gefühlen Raum zu geben und zu erkennen, dass die Ketten nicht zu unserer Generation gehören, dass es Zeit ist, diese abzustreifen, in dem wir sie erkennen und verstehen. Dies ermöglicht einen persönlichen und gesellschaftlichen Wandel. Davon bin ich überzeugt.

Mitunter ist es auch notwendig, die Ketten zu sprengen. In meiner Auseinandersetzung habe ich den Kontext für die Ketten aus meiner Familie verändert. Sie sind jetzt ein fester und Titelgebender Bestandteil meiner neuesten Arbeit. Die Ketten haben mir geholfen, etwas auszudrücken, was sich schwer in Worte fassen lässt.

 

Die Ketten meiner Oma, Serie, Detail, 2018, (c) Doreen Trittel

Die Ketten meiner Oma, Detail, (c) D.Trittel

 

Es ist eine Kette, die von Gott ausgeht, und alle Wesen vom Weltall bis
auf jeden Staub in Verbindung hält; alles ist verknüpft; hin und wieder finden wir
einige Glieder der Kette, aber das meiste ist in Dunkel gehüllt.

(Johannes von Müller, 1752-1809)

 

Auch wenn ich nicht an einen Gott glaube, so fühle ich mich dennoch mit einer Kraft verbunden, die alles verbindet.

Wunderbar verbunden fühle ich mich auch mit den Bloggerinnen, die das Thema „Ketten bzw. Ketten sprengen“ auch in eigenen Blogbeiträgen behandeln. Im Austausch miteinander kamen online und offline verschiedene Ketten auf. Plötzlich lösten sich buchstäblich welche auf, Perlen kullerten über den Boden… Unterschiedliche Sichtweisen, Interpretationen und Geschichten kamen zu Tage… Astrid Grövert regt dazu an, unsere Stimme zuhören: Sprenge die Ketten! Vertrau deiner Stimme …

Aus unserer Runde kommen noch weitere Beiträge hinzu. Diese werde ich hier dann gern nachtragen – auch Deinen Beitrag, wenn Du möchtest und mir einen Link wissen lässt. Du kannst das Thema gern aufgreifen und auch einen Blogbeitrag dazu schreiben. Wir freuen uns, wenn Du uns Deine Assoziation, Deine Erfahrung zum Thema „Ketten/ Ketten sprengen“ mit uns teilst. 

 

"Die Ketten meiner Oma", Serie, Detail, 2018, (c) Doreen Trittel

“Die Ketten meiner Oma”, Serie, Detail, 2018, (c) Doreen Trittel

 

Das große Gesetz ist Liebe.
Sie ist die wirkende Kraft,
Mittel zur Umwandlung,
Kette der Einswerdung.

(Karl von Eckartshausen, 1752 – 1803)

 

In diesem Sinne sende ich Dir liebe Grüße, Doreen

 

Auf der Suche nach dem roten Faden in meiner Famliengeschichte, 2018, (c) Doreen Trittel

Auf der Suche nach dem roten Faden in meiner Familiengeschichte, (c) Doreen Trittel

 

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Die Geburtsstunde naht

Die Geburtsstunde naht

In dieser Woche ist es soweit: Susanne Haun und ich werden unsere Idee einer gemeinsamen Installation auf die Welt bringen, zum Leben erwecken. Wir sind sehr gespannt und ich bin auch etwas nervös, muss ich zugeben.

Im vergangenen Sommer keimte unsere Idee auf. Seit dem wuchs sie fleißig. Wir haben einzelne Elemente entwickelt, in unseren Erinnerungen und privaten Archiven gestöbert und so manches Interessante, Spannende und auch Amüsante zu Tage befördert. Die Grundlage für unsere Idee war unser persönlicher Austausch darüber, wie wir in Berlin verwurzelt sind und beide jeweils auf der anderen Seite der Berliner Mauer aufgewachsen sind – Susanne Haun in West-Berlin und ich in Ost-Berlin. Obwohl wir in zwei unterschiedlichen politischen System groß geworden sind, haben wir schnell viele Gemeinsamkeiten ausmachen können. An dieser Stelle gingen wir dann ins Detail… Und in dieser Woche kommt alles zusammen. Nächste Woche kannst Du es zum KunstSalon am Dienstag bei Susanne Haun im Atelier nicht nur sehen sondern auch erleben: Künstlerischer Umgang mit Erinnerungen am 20. März 2018.

Veränderung 1, Collage, 30 x 40 cm, 2018, (c) Doreen Trittel

Veränderung 1, Collage, 30 x 40 cm, 2018, (c) Doreen Trittel

 

Eine weitere Grundlage für unseren Austausch bildete unser Interesse und unsere Herangehensweisen an die Arbeit mit Collagen. Diese Art des künstlerischen Ausdrucks übt auf uns beide einen besonderen Reiz aus. Darüber werden wir auch am Salonabend sprechen. Die Ausstellung, die unseren Salon begleitet und auch im Anschluss noch bis zum 4. Mai 2018 zu sehen sein wird, beinhaltet demnach nicht nur die Installation, sondern auch Collagen.

Eigens hierfür haben Susanne Haun und ich jeweils zwei neue Collagen unter dem Stichwort “Veränderung” in der Größe 30 x 40 cm angefertigt. Je eine davon findet sich auch auf unserem Flyer wieder. Zur Ausstellung kannst Du sie erstmalig im Original sehen (…und auch erwerben). Im Rahmen des KunstSalons werden wir auch darüber sprechen, ob nur originale Kunstwerke ihre Wirkung entfalten, oder ob dies auch durch Reproduktionen möglich ist.

Veränderung 2, Collage, 30 x 40 cm, 2018, (c) Doreen Trittel

Veränderung 2, Collage, 30 x 40 cm, 2018, (c) Doreen Trittel

 

Die Hintergründe meiner Collagen bilden Ausschnitte zweier alter Landkarten, die noch von meinen Großeltern stammen. Bei der Betrachtung dieser war ich erstaunt darüber, wie alt und damit auch fern mir diese Erinnerungsstücke sind und gleichzeitig sind sie so vertraut. Die Orte, die Flüsse und Seen… Das alles gibt es heute auch noch. Hier hat sich nichts verändert. Und doch ist in den letzten Jahrzehnten so viel geschehen. Ich selbst habe mich stark verändert. Schon allein durch die Jahre und die Erfahrungen… Dies waren so meine Gedanken, als die Ausschnitte der Landkarten vor mir lagen und ich sie nach und nach mit kleinen Details aus Zeitschriften, eigenen Fotografien, verwitterten Plakaten, Geschenkpapieren, einem Teefilter und Negativfilmstreifen sowie zwei Knöpfen bestückte.

Susanne hat ihre Collagen hier in ihrem Blog vorgestellt und dazu etwas geschrieben: Geborgenheit und Freiheit – Collage von Susanne Haun | Forever Young – Collage von Susanne Haun.

Du bist herzlich eingeladen, zum KunstSalon am Dienstag – 20. März 2018 – Dich auf unsere Ausstellung einzulassen, von unseren Überlegungen inspiriert zu werden und mit uns darüber zu diskutieren. Wir sind auf Deine Sicht gespannt, denn Kunst entfaltet ihre Wirkung erst durch den Betrachter, die Betrachterin, durch Dich.

 

Hier kannst Du die Einladung einschließlich Programm und Sonderöffnungszeiten nachlesen und als pdf herunterladen.

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ps: Die Ausstellung kannst Du zum KunstSalon und nach Vereinbarung vom 21. März bis 4. Mai 2018 oder zu folgenden Sonderöffnungszeiten besuchen. Hier habe ich gekennzeichnet, an welchen Tagen ich vor Ort sein werde, ansonsten auch gern nach vorheriger Vereinbarung.

Fr. 23. März 10 – 13 Uhr (Doreen)  |  Do. 5. April 15 – 18 Uhr  |  Mo. 9. April 15 – 18 Uhr (Doreen)  |  Fr. 20. April 10 – 13 Uhr (Doreen)  |  Do 26. April 15 – 18 Uhr  |  Do 3. Mai, 15 – 18 Uhr  |  Fr. 4. Mai 10 – 13 Uhr (Doreen)

Wir freuen uns auf Dich!

Meine Installation im ehemaligen Frauengefängnis

Meine Installation im ehemaligen Frauengefängnis

Ich bin wieder entlassen worden, habe meine Sachen gepackt und das Gefängnis durch das Tor hinter mir gelassen. Eine Ausstellung in einem ehemaligen Frauengefängnis… Meine Kunst in einer buchstäblich dunklen Zelle… Das war eine Herausforderung, ein Erlebnis, das mich in vielerlei Hinsicht bereichert und durch die zahlreichen Besucher.innen, durch interessante Gespräche erfüllt hat. Heute möchte ich Dir gern meine Installation und die Zelle 8 auch hier in meinem Blog vorstellen.

In den nächsten Tagen, in den folgenden Beiträgen zeige ich Dir auch die Arbeiten meiner Zellengenossin Eva Gjaltema. Du bekommst einen Einblick in das Gefängnis allgemein und wenn Du dann noch magst, erzähle ich Dir von der Kraft der Musik an solch einem Ort und gebe Dir einen Blick hinter die Kulissen des Aufbaus der Ausstellung.

Bist Du bereit? Hinter diesen Mauern verbarg sich vielfältige Kunst in Form einer Ausstellung und eines abwechslungsreichen Programms unter dem Titel “Macht der Erinnerung” am vergangenen Wochenende zum “Tag des offenen Denkmals”. Es ist das ehemalige Frauengefängnis in Lichterfelde, Berlin Steglitz – heute SOEHT7.

 

Soeht7, das ehemalige Frauengefängnis Lichterfelde, Berlin Steglitz, (c) hehocra

Soeht7, das ehemalige Frauengefängnis Lichterfelde, Berlin Steglitz, (c) hehocra

 

In meiner Installation habe ich folgende Elemente zu einer Präsentation zusammengestellt:

Opfer-Täter und Täter-Opfer, Patchwork-Decke, 160 x 198 cm, Herrenhemden und Bettbezug aus dem Familiennachlass der Künstlerin, in Handarbeit bestickt und beschrieben, 2017

Steh auf!, Kissen, 77 x 79 cm, Kissen aus dem Familiennachlass der Künstlerin in Handarbeit bestickt, 2014

Schießen für den Frieden (Teil 2), Zielscheiben jeweils 14 x 14 cm, mit Kugelfangkasten 15 x 16 cm, in Handarbeit gestaltet, 2017

Installation in der Zelle 8, ehemaliges Frauengefängnis SOEHT7, Berlin, (c) Doreen Trittel

Installation in der Zelle 8, ehemaliges Frauengefängnis SOEHT7, Berlin, (c) Doreen Trittel

 

In der gezeigten Installation beschäftige ich mich mit den Erinnerungen des Ortes, dem ehemaligen Frauen-Gefängnis, gepaart mit meinen persönlichen Kindheits-erinnerungen vor dem Hintergrund der ostdeutschen Geschichte.

Die Patchwork-Decke „Opfer-Täter und Täter-Opfer“ ist meine neueste Arbeit. Ich habe sie anlässlich der Ausstellung „Macht der Erinnerung“ angefertigt. Hierbei setze ich mich mit den Worten „Opfer“ und „Täter“ auseinander. Opfer und Täter, zwei Worte, die sich erst durch unsere Assoziationen, unsere Ein- und Zuordnungen, durch Definitionsversuche und auch durch unser Urteil mit Leben füllen. Der helle Stoff, die einzelnen Quadrate stammen von alten Herrenhemden, die Rückseite von einem alten Bettbezug meiner Großeltern.
Auch das Kissen ist aus dem Nachlass meiner Familie. Die gestickte Aufforderung „Steh auf!“ beschreibt den Wunsch und den inneren Kraftakt, sich zu hinterfragen und zu verändern.
Die Zielscheiben entwickelte ich aus einer Installation mit dem Titel „Schießen für den Frieden, Teil 1“. Die Bearbeitung und damit Zweckentfremdung der Zielscheiben stehen für die Veränderung im Umgang mit den Schatten der Vergangenheit.

Die Kombination dieser drei Arbeiten präsentiere ich erstmalig an diesem Ort. Sie sind alle in Handarbeit und unter Verwendung neuer sowie alter Materialien entstanden. Dieser Prozess wirft immer wieder Fragen auf und löst Veränderungen aus – Stich für Stich, Buchstabe für Buchstabe.

 

'Steh auf!' und 'Opfer-Täter und Täter-Opfer', Installation, Ausschnitt, (c) Doreen Trittel

‘Steh auf!’ und ‘Opfer-Täter und Täter-Opfer’, Installation, Ausschnitt, (c) Doreen Trittel

 

Schießen für den Frieden, Teil 2, Installationin der Zelle 8, ehemaliges Frauengefängnis SOEHT7, Berlin, (c) Doreen Trittel

Schießen für den Frieden, Teil 2, Installationin der Zelle 8, ehemaliges Frauengefängnis SOEHT7, Berlin, (c) Doreen Trittel

 

Installation, Details, (c) Doreen Trittel

Installation, Details, (c) Doreen Trittel

 

Soeht7, Besucher.innen, (c) hehocra

Soeht7, Besucher.innen, (c) hehocra

 

An mehreren Tagen hintereinander hinter Gefängnismauern… Mein erster Besuch fühlte sich sehr beklemmend an. Aber mit den vielen vielfältigen, farbenfrohen, musikalischen, spannenden und interessanten Erlebnissen hat sich der Ort für mich mit viel positiver Energie gefüllt. Insbesondere auch durch meine Auseinandersetzung sowie der inspirierenden und wertschätzenden Zusammenarbeit mit Eva Gjaltema in unserer Zelle 8 habe ich das denkmalgeschützte Gebäude als sehr belebend wahrgenommen. Eine faszinierende Wandlung auf mehreren Ebenen.Ich danke allen, allen, die die Gelegenheit, die Zeit und den Mut hatten, uns dort zu besuchen. Ich danke allen, die mich im Vorfeld (Work in Progress) bis hin zur Präsentation vor Ort begleitet und unterstützt haben. Dafür bin ich sehr dankbar und fühle mich reich beschenkt. Herzliche Grüße, Doreen

 

'Steh auf!' und 'Opfer-Täter und Täter-Opfer', Installation, Ausschnitt, (c) Doreen Trittel

‘Steh auf!’ und ‘Opfer-Täter und Täter-Opfer’, Installation, Ausschnitt, (c) Doreen Trittel

 

ps: Aber ja, es bleibt ein ehemaliges Gefängnis, in dem einst Menschen eingesperrt wurden…

Die Nadeln liefen heiß. Die Finger bluteten.

Die Nadeln liefen heiß. Die Finger bluteten.

Naja, ich gebe zu, ganz so schlimm war es nicht. Aber ein paar Nadeln litten und auch meine Finger bekamen den ein oder anderen Stich versetzt. Zwischendurch hatte ich Bedenken, ob ich es schaffen würde, alles rechtzeitig fertigzustellen…

Aber worum geht es überhaupt? Am kommenden Freitag, am 8. September 2017 findet die Vernissage der Ausstellung “Macht der Erinnerung” im ehemaligen Frauengefängnis Lichterfelde, Berlin statt.

Im Mai diesen Jahres erfuhr ich hiervon und machte mir mit meiner Künstlerkollegin Eva Gjaltema Gedanken, was wir ausstellen könnten. An Pfingsten besuchte ich den Ort das erste Mal. Eva und ich teilen uns die Zelle 8. Dies ist eine Doppelzelle mit zwei schweren Metalltüren, mit dunkelgrau gestrichenen Wänden und Decken, mit einem Waschbecken und  Spiegel. Ich hatte vorab einige Ideen für diesen Raum, doch als ich das erste Mal dort stand, musste ich sie alle verwerfen. Mit dieser Kraft des Gebäudes hatte ich nicht gerechnet, auch nicht wie sehr die Erinnerungen des Ortes spürbar sind. In dem Moment wurde mir klar, dass in genau diese Zelle etwas Textiles muss. In diesem Raum, an diesem Ort liegen viele Gegensätze. So begannen wir mit unseren Überlegungen wieder von vorn… und ich hoffe sehr, es wird Dich, die Besucher.innen ansprechen.

Im Juni fasste ich den Entschluss für eine textile Installation aus drei Elementen. Eines davon stammt aus dem Jahr 2014 und wurde noch nie veröffentlich. Weitere Elemente habe ich in der ersten Hälfte diesen Jahres entwickelt und in ähnlicher Form bereits beim Kunstfestival 48-h-Neukölln gezeigt. Die zentrale Arbeit für die Ausstellung “Macht der Erinnerung” hatte ich bisher nur in meinem Kopf. Ich wollte ein Thema aufgreifen, mit dem ich mich bereits 2015 in einer Papier-Mix-Arbeit beschäftigt hatte. Die Idee war da und ich begann, eine Skizze zu machen und einen Zeitplan zu entwerfen. Mir war klar, dass es für mich zeitlich eine Herausforderung wird. Aus alten Herrenhemden, die ich in den letzten Jahren sammelte, schnitt ich 63 gleich große Quadrate und begann, 60 davon nach und nach zu besticken und zu beschreiben. Überall, wo sich Wartezeiten ergaben, holte ich mein Nähzeug heraus. Abends kamen die Textilstifte zum Einsatz. Und es klappte: Wie geplant, hatte ich alle Stoffteile bis Ende August fertig.

 

Work in progress - Momentaufnahmen, (c) hehocra

Work in progress: Momentaufnahmen, (c) hehocra

 

Dann kam das Finale vom Work in progress: Die Zusammenstellung aller Einzelteile. So etwas hatte ich bis dahin in diieeser Größe noch nie gemacht. Einige Nähte mussten mehrmals aufgetrennt und neu genäht werden. Zwischendurch bekam ich Zweifel, ob meine gute, alte Nähmaschine durchhalten würde. Dann tauchten Bedenken auf, ob ich überhaupt rechtzeitig fertig werden würde. Wer mir auf Instagram, Facebook oder Twitter folgt, konnte dies beobachten. Der Mut machende Zuspruch, hilfreiche Tipps und teilweise sehr tief gehende Gespräche mit Freunden, Bekannten, meiner Familie und Künstlerkolleginnen halfen mir, diese Tiefs auszuhalten, durchzuhalten und beharrlich weiter zumachen. Pünktlich ist die Arbeit nun fertig geworden und ich bin sehr zufrieden. So hatte ich es mir vorgestellt und gleichzeitig ist es so anders geworden. Ob Ende gut alles gut ist, wird sich dann in der Ausstellung und an den Reaktionen zeigen.

Insgesamt hatte ich aber viel Spaß und Freude bei der Umsatzung meiner Idee. Ich stickte im Zug auf Reisen, auf Spielplätzen, ja sogar auf einem Friedhof, in den Bergen und im Café bzw. Restaurant… und hatte so manch interessante Begegnung.

 

Selbstporträts mit Stickrahmen, (c) hehocra

Selbstporträts mit Stickrahmen, (c) hehocra

 

Nun bin ich sehr gespannt, wie die Installation mit den drei Elementen in der Zelle wirken und ob mein Konzept aufgehen wird. Die Aufregung steigt. Gleichzeitig freue ich mich auf das Zusammenspiel mit den Arbeiten der Künstlerin Eva Gjaltema. Und ich bin wahnsinnig neugierig auf die anderen Präsentationen der ausstellenden und darbietenden Künstlerinnen und Künstler.

Noch ein Tipp: Ich selbst bin am Freitagabend und am Sonntag im Gefängnis. Am Samstag habe ich Freigang.

** Du bist herzlich eingeladen. Ich freue mich auf Deinen Besuch. **

 

Ausstellung zum “Tag des offenen Denkmals” am Samstag, 9.9.2017, 11 – 20 Uhr und Sonntag, 10.9.2017, 11 – 18 Uhr

Vernissage: 8. September 2017, 19 Uhr

ORT: ehemaliges Frauengefängnis Lichterfelde, Soehtstr.7, 12203 Berlin

mit Führungen und Programm

Teilnehmende Künstler.innen: Tesfa Ande. M I Eva Gjaltema I Peter Hahn I Angélique Preau I Christine Pöttker I Ulrike Reetz I Marty Sander I Dieter Strothmann I Doreen Trittel I Bodo Viebahn I Gesine Wenzel

Veranstalter: KUNST.RAUM.STEGLITZ. e.V., www.kunstraumsteglitz.de

Die Informationen und den Ausstellungsflyer findest Du auch unter Aktuelles oder in diesem Beitrag von mir: Ich werde ins Gefängnis gehen.

 

Mit der großen, kuscheligen Volumenfließrolle durch's sommerliche Berlin, (c) hehocra

Mit der großen, kuscheligen Volumenfließrolle durch’s sommerliche Berlin, (c) hehocra

 

 

 

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