von hehocra | März 6, 2017 | Blogaktionen, Künstler*innen |
„…der Hässlichkeit der Welt mit Schönheit in/und Kunst“ begegnen. Diesem Aufruf ist die Autorin, Künstlerin und Kuratorin Sabine Küster gefolgt und hat die Künstlerin Annegret Soltau auf ihrer Website Musentritt vorgestellt: Die Entdeckung einer Pionierin. Die feministische Künstlerin begegnete mir selbst das erste Mal in der Ausstellung „Sie.Selbst.Nackt“, die ich im Januar 2014 in Bremen, im Paula Modersohn-Becker Museum besuchte. (Link zum Beitrag)
Sabine Küster hat diesen Aufruf an mehrere Interessierte weitergegeben. Mir nannte sie die Künstlerin Jenny Holzer.

Jenny Holzer: For Paula Modersohn-Becker, Bremen, Foto by hehocra
Jenny Holzer? Der Name sagte mir zunächst gar nichts. So begann ich zu recherchieren und entdeckte schnell, dass ich bereits Werken der Künstlerin begegnet bin. Doch zunächst möchte ich die Künstlerin gern vorstellen.
Jenny Holzer ist 1950 in Ohio, den USA geboren. Die Installationskünstlerin ging nach ihrem Studium Ende der Siebziger Jahre nach New York. Dort war sie Teilnehmerin am Independent Study Programm am Whitney Museum of American Art und gründete mit anderen die Künstlergruppe Colab. Seit dieser Zeit stehen Worte und Texte im Mittelpunkt ihrer Kunst. Diese bringt sie auf Plakaten, Häuserwänden, Werbetafeln und später auch mit LED-Leuchtschriftzügen in den öffentlichen Raum. Damit möchte sie uns als Betrachter zur Aufmerksamkeit gegenüber den unterschwelligen Werbe- und Textbotschaften in der Öffentlichkeit, zum Innehalten und Hinterfragen auffordern. Jenny Holzer bringt mit ihrer Kunst vor allem die Themen Tod, Krieg, Gewalt, Macht und Sexualität in die Öffentlichkeit. Sie ist in ihren Arbeiten politisch und feministisch. Zwei Mal hat sie an der documenta in Kassel teilgenommen. 1990 gestaltete sie als erste Frau für die USA an der Biennale in Venedig und gewann den Goldenen Löwen. Ihre Werke sind in namhaften Museen, zum Beispiel im MOMA New York oder in der Tate Gallery London.
Bei meinen Recherchen fielen mir Werke von Jenny Holzer auf, die ich bereits selbst gesehen hatte*: Inflammatory Essays 1979 – 82 in der Tate Modern Gallery in London. Installation für Reichstagsgebäude in Berlin (1999). An einer Stahlstele im Eingangsbereich laufen in Leuchtschrift über vierhundert Reden von Reichstags- und Bundestagsabgeordneten von 1871 – 1999 entlang. For Paula Modersohn-Becker im gleichnamigen Museum in der Böttcherstraße Bremen. Hierfür gestaltete Holzer 2005 ihre Arbeit von der Biennale Venedig (1990) „Mother and Child“ mit einem kobaltblauem Lichtband neu.
So schließt sich der Kreis heute für mich, Annegret Soltau und Jenny Holzer, zwei Pionierinnen, zwei feministische Künstlerinnen, denen ich das erste Mal im Paula Modersohn-Becker Museum begegnet bin.

Jenny Holzer: For Paula Modersohn-Becker, Bremen, Foto by hehocra
*Geht es Dir auch so, dass man sich an bestimmte Werke aber nicht an die Künstlerin oder den Künstler erinnern kann? Eigentlich schade. Aber ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass mit diese Werke und die Schaffer dessen zur für mich passenden Zeit wieder über den Weg laufen. So wie bei Jenny Holzer jetzt. Jetzt, wo ich schon seit einigen Monaten beginne, wieder meine Worte, Textzeilen hervorzuholen, neue Arbeiten mit Buchstaben beginne…
von hehocra | März 2, 2017 | Ausstellungen, Vielfalt |
Kennst Du sie auch, diese Überraschungen, die uns begegnen, wenn wir uns einfach mal treiben lassen?
Ich hatte im Januar so einen Moment, als ich in London unterwegs war. Außerhalb des Zentrums, an einem grautrüben und kalten Wintertag, ließ ich meinen Blick auf der Suche nach einer Toilette schweifen. Ja, so war es tatsächlich. Dabei entdeckte ich eine Galerie mit einer großartig inspirierenden Ausstellung.

Tüll in einer Galerie, (c) hehocra
Die NOW Gallery war von Raumhohen Fensterfronten umgeben. Von der Decke hingen mehrere, farbige Kleider ganz aus Tüll, dessen Saum bis auf den Boden reichte. Wie ein Märchentraum: What I Like.

Tüll in einer Galerie, (c) hehocra
Die Designerin Molly Goddard entwickelte die Kleider in orange, schwarz, weiß, pink, rot und gelb und hängte sie in die Galerie mit der Aufforderung die Kleider zu besticken. Dafür standen an einer Säule mehrere Garnrollen in verschiedenen Farben bereit. Ausgestattet mit Nadel und Faden konnte man sich ein Kleid aussuchen und fröhlich drauf los sticken. Der Phantasie und dem Können waren keine Grenzen gesetzt.

Tüll in einer Galerie, (c) hehocra
Dem konnte ich mich nicht entziehen und tauchte in die kreative Mitmachaktion ein. Das besondere des Tülls war, dass die Stickereien von beiden Seiten sichtbar waren. Keine Stiche waren verborgen. Alles zeigte sich offen. Eine interessante Herausforderung, aber auch schöne Möglichkeit, sich einzubringen, aktiv zu werden, sich neugierig auf etwas unerwartetes einzulassen.

Tüll in einer Galerie, (c) hehocra
Die Ausstellung ist inzwischen schon wieder vorüber. Ich weiß gar nicht, ob schon ein Kleid versteigert wurde. Das war wohl ein Ziel. Aber für mich: Dieses Erlebnis wirkt immer noch nach und war für mich sehr inspirierend. Eine dieser Erinnerungen, die mich lächeln lassen, wenn sie in mir aufsteigen.

Tüll in einer Galerie, (c) hehocra
Woran erinnerst Du Dich jetzt gerade und musst lächeln? Magst Du es mir verraten?
von hehocra | Feb. 24, 2017 | Vielfalt |
London ist ja immer eine Reise wert, aber nun um eine Erweiterung reicher. Jedes Mal, wenn ich die Gelegenheit habe, nach London kommen, besuche ich die Tate Modern Galerie an der Themse. Ich liebe diesen Ort, die Größe des Gebäudes und die Möglichkeiten in vielfältige und moderne Kunstansichten einzutauchen.

Tate Modern Galerie London, Foto by hehocra
Schon im vergangenen Jahr, wurde die Tate Modern Galerie um einen neuerrichteten Anbau erweitert. Von dieser interessanten und puren Architektur habe ich von meiner letzten Reise vor ein paar Wochen einige fotografische Eindrücke mitgebracht.

Viel Raum, Tate Modern Galerie London, Foto by hehocra

Beton & Licht, Tate Modern Galerie London, Foto by hehocra
Selbst wenn Du Dich für Kunst nicht interessieren solltest, musst Du dieses Gebäude unbedingt besuchen. Der Ausblick von der Rundum-Terrasse in der 10. Etage ist einmalig und atemberaubend.

London, Tate Modern Galerie London, Foto by hehocra

Der Ausblick macht Freude, Tate Modern Galerie London, Foto by hehocra
Ich wusste gar nicht, dass Elton John ein begeisterter Sammler von Fotografie ist. Sein umfangreiches Archiv ist noch bis zum 21. Mai 2017 zu bestaunen und zu bewundern, „The Radical Eye: Modernist Photography from the Sir Elton John Collection„. Viele klassische Fotografien und Motive finden sich dort, die man kennt und an deren Klasse man sich nicht entziehen kann. Aber auch unbekannte Motive und Fotografien zeigen ein tiefgebendes Bild der Fotografie-Geschichte Anfang des 20. Jahrhunderts. (In der Ausstellung durfte man nicht fotografieren, so dass ich hiervon keine Eindrücke mitbringen konnte. Aber hier gibt es ein Video, wo man die Fotografien bei Elton John zu Hause sieht und er einige persönlich vorstellt.

Am Rande entdeckt in der Tate Modern Galerie London, Foto by hehocra
Nach dem Rundgang, treppauf und treppab, durch die Fotografie-Ausstellung und mit dem Fahrstuhl hoch und runter eine Pause mit Cappuccino, der zugegeben, leckerer aussah als er dann tatsächlich schmeckte.

Tate Modern Galerie London, Foto by hehocra
von hehocra | Feb. 21, 2017 | Blogaktionen, Collagen |
Das Impulsfoto für den Bilder-Pingpong im Februar kam von Ghislana und zeigt eine Bushaltestelle im Winter. Es liegt Schnee. Der Himmel ist grau. Im Hintergrund steht auf einer Häuserwand der Gruß SALVE.
Ich habe das Bild wieder in schwarz-weiß auf einem A4-Blatt Papier ausgedruckt. Da lag es dann auf meinem Arbeitstisch. Auch lagen dort ein paar Schnipsel, die ich gerade für eine andere Arbeit verwende. Es sind zerschnittene Zielscheiben, Zielscheiben, auf die man Schießen kann.

Salve zum Gruß mit Zielscheiben, Collage, (c) hehocra
Im Nachhinein lese ich bei Wikipedia etwas über den Gruß SALVE und erfahre, dass es hier auch einen Bezug zum Schießen gibt:
Der lateinische Gruß salve bedeutet „Heil, Gesundheit, Ganzheit“, ist also ein Segensgruß, der direkte Unversehrtheit bedeutet und wünscht. / Aus dem Gruß entstand im 16. Jahrhundert das militärische Zeremoniell der Salve, des ehrenbezeigenden Grußes durch das Salutschießen. In Inschriften bei Hauseingängen, etwa auf Türschwellen war SALVE bis ins späte 19. Jahrhundert verbreitet, ebenso wie das griechische Pendant ΧΑΙΡΕ. In Italien grüßt man sich auch heute noch mit „salve“, in gleicher Verwendung ist auch das griechische Pendant, allem voran in der Pluralform χαιρετε (chairete). (Quelle: Wikipedia, 20.2.2017)
In meiner Kindheit habe ich Schießen gelernt. Irgendwie war das in dem System, in dem ich aufgewachsen bin normal, …genauso wie die Disziplinen „Handgrantenweitwurf“ und „Wurfgranatenweitwurf“ im Sportunterricht, …und auch Manöverübungen im Ferienlager: schießen, im Sand robben, über Sturmwände klettern… Damit beschäftige ich mich gerade und gestalte einige Arbeiten dazu, Collagen und verschiedene Installationen. Hier schon mal ein paar kleine Ausschnitte:

Work in progress, Ausschnitt 2, (c) hehocra

Work in progress, Ausschnitt 3, (c) hehocra

Work in progress, Ausschnitt 4, (c) hehocra
Nun bin ich aber gespannt, was die anderen Teilnehmer.innen aus dem Impulsbild bzw. dem Gruß SALVE gemacht haben. Die Ergebnisse gibt es heute bei Ghislana. Bitte hier entlang…
Der Bilder-Pingpong ist eine gemeinsame Aktion von Ghislana vom Blog Jahreszeitenbriefe und Lucia vom Blog Schreibtischwelten. Du kannst gern mitmachen. Hier findest Du alle Informationen und bisherigen Runden.
Da fällt mir auf, dass ich seit April 2015 schon mit dabei bin. Wow, und noch länger gibt es diese inspirierende Aktion schon. Herzlichen Dank Euch beiden. Auch wenn mir oft nicht gleich etwas einfällt, so findet sich immer etwas, und dann zeigt sich etwas tiefliegendes, etwas für mich Klärendes und oft auch Hilfreiches.
Herzliche Grüße, Doreen
von hehocra | Feb. 17, 2017 | Ausstellungen, Künstler*innen |
Quietude – so lautet der Titel der aktuellen Ausstellung von exp12. Quietude bedeutet sowohl im Englischen als auch im Französischen Friede, Ruhe, Stille und bezieht sich auf den natürlichen Rückzug in der aktuellen Jahreszeit. Im Winter konzentriert sich das Leben auf das Innere, auf zu Hause.
Intim und sehr persönlich sind die Arbeiten der beiden niederländischen Künstlerinnen Eva Gjaltema und Sara Mei Herman. Diese zeigt der Zusammenschluss mehrerer Fotografinnen und Fotografen exp12 in ihren Projekträumen im Rahmen einer Ausstellung in Berlin Prenzlauer Berg. Ich war kürzlich dort und habe mir die Arbeiten angesehen.

„Julian und Jonathan“ von Sarah Mei Herman in der Ausstellung „Quietude“, Foto by hehocra
Die Künstlerin Sarah Mei Herman zeigt in mehreren Fotografien den Wandel einer Familie. Hierfür hat sie mehrere Jahre ihren Stiefbruder und Vater porträtiert: „Julian und Jonathan“. Die einzelnen Fotografien sind für sich allein schon großartig und äußerst kraftvoll. Alle zusammen, als Serie haben mich im Herzen sehr berührt: der Lauf der Zeit, die Veränderung, vom Werden und Vergehen.

„Sehnzucht“ von Eva Gjaltema in der Ausstellung „Quietude“, Foto by hehocra
Die Künstlerin Eva Gjaltema zeigt in ihren Polaroids und Fotocollagen die vielfältigen und oft widersprüchlichen Gefühle als Mutter. Auf der einen Seite die bedingungslose Liebe und auf der anderen Seite die große Sehnsucht heraus aus der Isolation und Ohnmacht. Die Arbeiten der Fotografien zeigen gleichzeitig ihren Weg der Entwicklung. Zunächst entstand die Serie „Sehnzucht“, die sich aus sehr emotionalen Polaroids zusammensetzt. Aus Kopien dieser Fotografien gestaltete Eva Gjaltema die Fotocollagen für ihre Arbeit mit dem Titel „Sehnzucht: The Remix“.
Ausstellung: 11. Februar – 4. März 2017
Öffnungszeiten: Sa 15 – 19 Uhr und nach Vereinbarung
Website von exp12
Website von Sarah Mei Hermann
Website von Eva Gjaltema

„Sehnzucht: The Remix“ von Eva Gjaltema in der Ausstellung „Quietude“, Foto by hehocra
ps: Wenn Dir Evas Arbeiten bekannt vorkommen, dann hast Du sie vielleicht in unserer Gruppenausstellung Mutabor gesehen.
von hehocra | Feb. 15, 2017 | Ausstellungen, Künstler*innen |
Kürzlich beschäftigte ich mich mal wieder mit der Frage, ob ich als Künstlerin auch Unternehmerin bin. Dass dem so ist, dass Künstlerinnen auch Unternehmerinnen sind, das haben bildende Künstlerinnen bereits im 19 Jahrhundert erkannt und sich in Netzwerken organisiert. 1867 wurde der Verein der Berliner Künstlerinnen e.V. gegründet. Heute, im Jahr 2017 feiert der Verein sein 150 jähriges Jubiläum.

Anlässlich dieses Jahrestages startete der Verein eine vierteilige Ausstellungsreihe mit dem Titel „Fortsetzung folgt! 150 Jahre Verein der Berliner Künstlerinnen e.V.“ Noch bis zum 24. März 2017 kannst Du den ersten Teil mit Positionen von der Gründung bis 1945 in den großartigen Räumlichkeiten der Alexander und Renata Camaro Stiftung in der Potsdamer Straße, in Berlin besuchen.

Ich war dort und kann die Ausstellung unbedingt empfehlen. Nicht nur für Kunstinteressierte, sondern auch für zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen ist sie sehr sehenswert und inspirierend. Welch eine Kraft und Energie… Gerade wir Künstlerinnen können viel aus dem Leben und Werk der Künstlerinnen-Generationen vor uns lernen. Ich hatte die Ehre und das Vergnügen, in die Ausstellung durch eine Führung von Dr. Carola Muysers eintauchen zu können. Carola Muysers hat die Ausstellung neben Ute Gräfin von Hardenberg und Birgit Möeckel konzipiert und gemeinsam mit Birgit Möeckel auch kuratiert.

Dr. Carola Muysers in der Ausstellung des VdBK Teil 1, (c) hehocra
Die Ausstellung ist sehr vielfältig und breit aufgestellt. Gleichzeitig hat man keineswegs das Gefühl, erdrückt zu werden. Eine bereichernde Welt tut sich auf. Die gezeigten Objekte und Bilder begleiten durch eine bewegende und historisch geprägte Kunstzeit. Gezeigt werden unter anderem Malerei, Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken, (Selbst-) Porträts, Sozialkritisches, Landschaften und Studien. Darunter sind große und bekannte Namen wie zum Beispiel Käthe Kollwitz, Hannah Höch oder Paula Modersohn-Becker. Darüber hinaus lohnt es sich aber, die Arbeiten und Biografien der zahlreichen anderen Künstlerinnen zu entdecken. Weiterhin empfehle ich die interessanten Veranstaltungen rund um die Ausstellungsreihe sowie die Website des Vereins, die sich mehr und mehr zu einem wissensreichen und tief gehenden Lexikon und Archiv entwickelt.

In diesem Sinne: Lasst uns gemeinsam für unsere Kunst einstehen! Lasst uns gemeinsam selbstbewusst unseren Weg gehen! Künstlerinnen, lasst uns Netzwerken!
Ich freue mich über Deinen Kommentar oder Deine Nachricht. Ich freue mich, wenn Du Dich mit mir via Facebook, Instagram oder Twitter vernetzt, und wir uns bei der nächsten Vernissage treffen oder gemeinsam eine Ausstellung besuchen.

Auf den ersten Teil der Ausstellung des Berliner Künstlerinnen e.V. folgenden Teil 2 – 4 „Fortsetzung jetzt!“ mit Positionen zur Gegenwart. Schon am 19. Februar geht es mit dem zweiten Teil weiter: In der Kommunalen Galerie Berlin, 19.02.-30.04.2017. Teil 3: In der Alten Feuerwache Projektraum, 08.09.-13.10.2017. Teil 4: In der Galerie Alte Kaserne, Zitadelle Spandau, 30.11.2017-02.04.2018.
