Die Grenze am Meer | Erinnerungen

Die Grenze am Meer | Erinnerungen

„Europa und das Meer – Was bedeutet mir das Meer?“ So lautet das Thema der Blogparade des Deutschen Historischen Museums im Zuge seiner Ausstellung “Europa und das Meer” in Berlin #dhmmeer Die Blogparade wird von Dr. Tanja Praske unterstützt. Sie sammelt und verlinkt alle Beiträge und hat auch Tipps zur Teilnahme an einer Blogparade. Es sind bereits viele interessante, spannende und vor allem vielfältige Artikel zusammengekommen. 

 

Boot am Strand, Ostsee, Rügen, sw analog, (c) Doreen Trittel

Boot am Strand, Ostsee, Rügen, sw analog, (c) Doreen Trittel

 

Aktuell denken wir, wenn wir nach dem Meer gefragt werden, an die schreckliche Lage im Mittelmeer. Dies spielt auch in einigen Beiträgen eine Rolle. Danke dafür. Mich machen die Nachrichten sprachlos. Ich finde keine Worte und verzweifle an unserem menschenverachtenden Umgang… 

In diesen ausweglosen Situationen hilft es mir, mich auf meine Möglichkeiten hier und jetzt zu besinnen. Mein Motto, einst angeregt durch einen Vortrag des Psychiaters, Psychoanalytikers und Autors Hans-Joachim Maaz im Zuge der Pegida-Bewegungen: Veränderung beginnt bei uns selbst und in unseren Beziehungen. Dies führt mich wieder zu meinem Thema, zu meinen Erlebnissen und Sichtweisen… So vieles können wir aus der Vergangenheit für die Gegenwart lernen. Viele Erfahrungen wurden schon gemacht…

 

Kind beim Spiel in der Ostsee, (c) Doreen Trittel, Privatarchiv

Kind beim Spiel in der Ostsee, (c) Doreen Trittel, Privatarchiv (ps: das bin ich)

 

Dann fiel mir ein kleiner Text ein, den ich vor einigen Jahren geschrieben hatte, und der dann in einer meiner Schubladen verschwand. Heute habe ich ihn wieder hervorgeholt. Es ging um die Frage, wie ich die Grenze der DDR erlebte. Das war am Meer… Das Meer, was ich meine, ist die Ostsee. Als Kind, aufgewachsen in der DDR, habe ich hier so manche Ferientage verbracht.

Wie ich die Grenze der DDR erlebte. Am deutlichsten habe ich die Grenze am Meer erlebt, obwohl ich in Berlin direkt in ihrer Nähe wohnte. Aber ich spürte sie an der Ostsee.

Ich erinnere mich an meinen Blick über das Meer, ein Blick, der sich in den unendlichen Weiten verlor… Ich fühlte mich frei, doch hörte die Welt für mich, meine Vorstellungskraft am Horizont auf. Manchmal konnte ich an der Linie, wo sich das Wasser und der Himmel trafen, Land erkennen und stellte mir die Ferne vor. Ohne zu wissen, ob es sich um eine Insel, die zu unserem Land gehörte, handelte, oder um unbekanntes Land, dessen Hauptstadt wir im Geografie-Unterricht auswendig lernen mussten. Für eine 1 haben wir die Länder und die dazugehörigen Hauptstädte Europas fehlerfrei aufsagen müssen, während der Lehrer mit dem Zeigestock über die ausgerollte Landkarte glitt und uns zur Höchstleistung herausforderte.

In den Ferien, die ich oft an der Ostsee verbrachte, stand ich am Strand oder auf der Steilküste und schaute den Schiffen nach, sah, wie sie hinterm Horizont verschwanden. Sie wirkten winzig und nicht real, wie Spielzeugschiffchen im Plantschbecken.

Bei den Spaziergängen am Strand oder auf dem schmalen Trampelpfad der Steilküste hinter Boltenhagen, einem Ort an der Ostsee, hörte nach einiger Zeit Fußmarsch die Welt tatsächlich auf. Ein Zaun aus Holzpfählen, die mit Stacheldraht umwickelt und verbunden waren, begrenzte den Weg. Dahinter lag der Westen, in dem Arbeitslose, Obdachlose, arme, streikende und rücksichtslose reiche Menschen lebten, so sagte man uns.

Nachts spazierten lange Lichtkegel über den Strand, die die ‚unsichtbare‘ Grenze zum Meer bewachten. Zwei Mal habe ich sie ihm Rahmen einer abenteuerlichen Nachtwanderung vom Dünenübergang gesehen.

Habe ich mir darüber Gedanken gemacht? Habe ich gefragt?… Ich war Kind. Es war für mich normal. Das war die Welt, in der ich aufgewachsen bin, in der ich meine Kindheit erlebte.

geschrieben im Mai 2015 / überarbeitet im Juli 2018

Boltenhagen – Der westlichste Strand der DDR (ein Artikel des MDR)

Von der Waffenschmiede zur Ostsee-Urlaubsparadies (ein Artikel der Welt)

 

Steilküste, Boltenhagen, Ostsee, 2018, (c) Doreen Trittel

Steilküste, Boltenhagen, Ostsee, 2018, (c) Doreen Trittel

 

Knapp ein Jahr nach dem Mauerfall, 1990 bin ich dann selbst mit einem dieser Schiffe gefahren, mit einer Fähre nach Dänemark und im Jahr darauf nach Schweden – beide Male zum Schüleraustausch. Wie anders sich die Welt sich mir seitdem zeigt und sich mein Blick, mein Denken verändert haben…

Später war die Ostsee lange Zeit ein Sehnsuchtsort für mich… Dort habe ich manche fotografischen und schreibenden Versuche unternommen…

 

Frau am Meer, Ostsee, Rügen, sw analog 1997, (c) Doreen Trittel

Frau am Meer, Ostsee, Rügen, sw analog 1997, (c) Doreen Trittel

 

Kind und Schwan an der Ostsee, Rügen, sw analog, 1997, (c) Doreen Trittel

Kind und Schwan an der Ostsee, Rügen, sw analog, 1997, (c) Doreen Trittel

 

Neben der klassischen analogen Schwarz-Weiß-Fotografie habe ich auch mit Diafilmen experimentiert. Diese wurden dann ‘normal’ wie ein Farbfilm entwickelt. Daraus entstanden diese Farben – Crossentwicklung (Wikipedia).

 

Ostsee, Rügen, Crossentwicklung, 2000, (c) Doreen Trittel

Ostsee, Rügen, Crossentwicklung, 2000, (c) Doreen Trittel

 

Ostsee, Rügen, Crossentwicklung, 2000, (c) Doreen Trittel

Ostsee, Rügen, Crossentwicklung, 2000, (c) Doreen Trittel

 

Auf’s Meer blicken, heißt auch immer, sich selbst begegnen…

 

Sich selbst begegnen, Ostsee, Darß, 2008, (c) Doreen Trittel

Sich selbst begegnen, Ostsee, Darß, 2008, (c) Doreen Trittel

 

Segel am Horizont

Himmel
blau
zähle
die Segel
weiß und rot
am Horizont

Wellen
aus dem Meer
umspielen meine Zehen
küssen den Strand
ziehen sich zurück
nehmen mir den Stand
unter meinen Füßen

Wind
trägt
die Segel
weiß und rot
am Horizont
winken
ohne ein Wiedersehen

(c) Doreen Trittel

 

Eins mit den Wellen, Fotografie, digital sw, 2005, (c) Doreen Trittel

Eins mit den Wellen, Fotografie, digital sw, 2005, (c) Doreen Trittel

 

Ich fahre sehr gern zur Ostsee und genieße jedes Mal das Wellenrauschen, den Blick ins Unendliche, die fröhlich klingenden Möwenrufe, den Sand unter den Füßen, den Wind um die Nasenspitze… besonders außerhalb der Saison, gern auch, wenn es kalt ist…

 

Ostsee, Boltenhagen, früher Militärgebiet, 2018, (c) Doreen Trittel

Ostsee, Boltenhagen, früher Militärgebiet, 2018, (c) Doreen Trittel

 

Kalt war es auch im vergangenen Winter, als ich das erste Mal seit meiner Kindheit wieder in Boltenhagen war. Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Die Grenze ist verschwunden und mit ihr die Lichtkegel und die Zäune. Vereinzelte Spuren sind am Land und auch im Wasser noch zu erkennen. Aber das Meer ist geblieben.

 

Die Kraft des Meeres, Ostsee, Darß, 2008, (c) Doreen Trittel

Die Kraft des Meeres, Ostsee, Darß, 2008, (c) Doreen Trittel

 

Die Blogparade läuft noch bis zum 25. Juli 2018. Du kannst gern mitmachen und eine Facette zum Meer betrachten. Was bedeutet Dir das Meer? Anregungen und genauere Informationen findest Du hier, in der Einladung. #dhmmeer

Ketten – so und so…

Ketten – so und so…

Es ist bestimmt schon zehn Jahre her. Da war plötzlich der Titel für eine künstlerische Arbeit in meinem Kopf und setzte sich fest: „Die Ketten meiner Oma“. Das war, als ich einen Korb mit einigen verschiedenen Ketten meiner Oma bei der Auflösung der Wohnung an mich nahm. Im Frühjahr 2014 postete ich mit diesem Titel ein Foto auf Instagram. Aber dann geschah nichts… Ich suchte immer mal wieder nach einer Idee der künstlerischen Umsetzung, nach einer Idee, mit der ich diese Ketten verarbeiteten könnte. Doch mir fiel über die Jahre nichts Stimmiges ein. Das war mitunter frustrierend. Aber ich hatte auch die Zuversicht in mir, dass die Zeit kommen wird… 

 

Die Ketten meiner Oma, Serie, Detail, 2018, (c) Doreen Trittel

Die Ketten meiner Oma, Detail, (c) D.Trittel

 

Nicht unnütz oder wertlos bin ich ins Dasein gestellt,
sondern als Glied einer langen Kette, Brücke zwischen Menschen und Generationen.
(aus einem Nachruf)

 

Einige Entwicklungsschritte musste ich nehmen und bewältigen, bis es am Anfang diesen Jahres soweit war: Die Idee für eine Serie! Plötzlich war sie da. In meinem Kopf hatte ich ein konkretes Bild… Mit diesem Projekt bin ich, die längste Zeit, wenn ich es richtig im Blick habe, schwanger gegangen. Es bestätigt sich: Alles hat, alles braucht seine Zeit. In den letzten Monaten habe ich mit den Ketten meiner Oma gearbeitet und mich trotz der Bilder im Kopf vom Tun leiten lassen.

 

Die Ketten meiner Oma, Serie, Detail, 2018, (c) Doreen Trittel

Die Ketten meiner Oma, Detail, (c) D.Trittel

 

Alles hängt normalerweise zusammen, wie die Glieder einer Kette,
und alles ist zum Besten bestellt.
(Voltaire, 1694 – 1778)

 

Die Ketten aus dem Familiennachlass verstehe ich nicht nur als schmückendes Element. Sie symbolisieren die unbewusste und oft schwer erkennbare Verbundenheit über die Generationen hinweg. Vieles ist verdeckt und nicht sichtbar. Trotzdem ist es da und hat mit uns zu tun, was auch immer das ist. Unsere Aufgabe heute ist es, den vererbten Gefühlen Raum zu geben und zu erkennen, dass die Ketten nicht zu unserer Generation gehören, dass es Zeit ist, diese abzustreifen, in dem wir sie erkennen und verstehen. Dies ermöglicht einen persönlichen und gesellschaftlichen Wandel. Davon bin ich überzeugt.

Mitunter ist es auch notwendig, die Ketten zu sprengen. In meiner Auseinandersetzung habe ich den Kontext für die Ketten aus meiner Familie verändert. Sie sind jetzt ein fester und Titelgebender Bestandteil meiner neuesten Arbeit. Die Ketten haben mir geholfen, etwas auszudrücken, was sich schwer in Worte fassen lässt.

 

Die Ketten meiner Oma, Serie, Detail, 2018, (c) Doreen Trittel

Die Ketten meiner Oma, Detail, (c) D.Trittel

 

Es ist eine Kette, die von Gott ausgeht, und alle Wesen vom Weltall bis
auf jeden Staub in Verbindung hält; alles ist verknüpft; hin und wieder finden wir
einige Glieder der Kette, aber das meiste ist in Dunkel gehüllt.

(Johannes von Müller, 1752-1809)

 

Auch wenn ich nicht an einen Gott glaube, so fühle ich mich dennoch mit einer Kraft verbunden, die alles verbindet.

Wunderbar verbunden fühle ich mich auch mit den Bloggerinnen, die das Thema „Ketten bzw. Ketten sprengen“ auch in eigenen Blogbeiträgen behandeln. Im Austausch miteinander kamen online und offline verschiedene Ketten auf. Plötzlich lösten sich buchstäblich welche auf, Perlen kullerten über den Boden… Unterschiedliche Sichtweisen, Interpretationen und Geschichten kamen zu Tage…

Astrid Grövert regt dazu an, unsere Stimme zuhören: Sprenge die Ketten! Vertrau deiner Stimme …

Daniela Heggmeier hat für uns zuversichtliche Sichtweisen und hilfreiche Tipps in Zeiten der digitalen Veränderung: Ketten sprengen: Selbst-PR analog, digital und hybrid

Aus unserer Runde kommen noch weitere Beiträge hinzu. Diese werde ich hier dann gern nachtragen – auch Deinen Beitrag, wenn Du möchtest und mir einen Link wissen lässt. Du kannst das Thema gern aufgreifen und auch einen Blogbeitrag dazu schreiben. Wir freuen uns, wenn Du uns Deine Assoziation, Deine Erfahrung zum Thema „Ketten/ Ketten sprengen“ mit uns teilst. 

 

"Die Ketten meiner Oma", Serie, Detail, 2018, (c) Doreen Trittel

“Die Ketten meiner Oma”, Serie, Detail, 2018, (c) Doreen Trittel

 

Das große Gesetz ist Liebe.
Sie ist die wirkende Kraft,
Mittel zur Umwandlung,
Kette der Einswerdung.

(Karl von Eckartshausen, 1752 – 1803)

 

In diesem Sinne sende ich Dir liebe Grüße, Doreen

 

Auf der Suche nach dem roten Faden in meiner Famliengeschichte, 2018, (c) Doreen Trittel

Auf der Suche nach dem roten Faden in meiner Familiengeschichte, (c) Doreen Trittel

 

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Du hast es ja vielleicht schon mitbekommen, dass ich gern an Challenges und Blogaktionen teilnehme. Die Inspirationen, die ich aufgreife, die Gedanken, die ich mir dabei mache, die Bilder, die dabei entstehen, den Kontext, der sich daraus bildet… das sind immer wieder neue Sichtweisen und Perspektiven, aus denen etwas Neues entsteht. Neue Perspektiven ermöglichen mir, mein Tun und meine Sicht auf die Welt kreativ zu hinterfragen. Dich möchte ich gern einladen, mich dabei zu begleiten. Vielleicht magst Du den Inspirationsfunken ja auch auf Deine Weise aufgreifen.

 

7 Tage 7 swFotografien, 1/7, (c) hehocra

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Das nächste Mal dann aber wieder mehr Farbe. Sonnige Grüße, Doreen

Ein Sommer am See: wärmende Erinnerungen

Ein Sommer am See: wärmende Erinnerungen

Im Winter leben wir von den Erinnerungen an den Sommer, heißt es doch. Oder? In Vorbereitung auf ein Projekt im kommenden Jahr habe ich in meiner Kiste mit Kindheitserinnerungen gekramt. Dabei fiel mir ein Aufsatz in die Hände, den ich einst vor etwa dreißig Jahren in der Schule schrieb. Als ich ihn las, tauchten die Bilder in mir auf, das Gefühl… dort am See…

 

Am See 1, Lomografie, (c) Doreen Trittel

Am See 1, Lomografie, analog, (c) Doreen Trittel

 

Das vorgegebene Thema lautete: “Aufsatz zum Wi(e)dergeben von Eindrücken”. (Erst jetzt – nach über zwanzig Jahren – fällt mir auf, dass die Lehrerin das fehlende ‘e’ nicht bemerkt hat.) Heute würde ich vieles anders ausdrücken, andere Worte wählen, neue Sätze formulieren… Ich hatte auch kurz überlegt, den Text zu überarbeiten. Es sind schon einige widersprüchliche Aussagen enthalten, Worte, Formulierungen, die ich nicht mehr so verwenden würde… Doch dann bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich ihn sonst verfälschen würde. Denn es ist der Text eines jungen Mädchens, der mich zum Schmunzeln bringt und mich lächelnd an längst vergangene Zeiten erinnern lässt. In diesem Sinne möchte ich diesen Aufsatz gern mit Dir teilen.

Schaffen wir uns gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit gemütliche Momente zum Innehalten, zum Schmunzeln und Erinnern. Vielleicht magst Du ja einen solchen Moment teilen: Imme sammelt auf ihrem Blog Sprotten-Stories noch bis zum 31. Dezember 2017  im Rahmen einer Blogparade solche und ähnliche Nostalgiemomente.

 

Im Schilf, Lomografie, (c) Doreen Trittel

Im Schilf, Lomografie, analog, (c) Doreen Trittel

 

Berlin, am 28. März 1988

Aufsatz zum Wi(e)dergeben von Eindrücken

Abschied vom See

Ich erinnere mich an einen Ferientag im August 1987 an einem See in Polen. Langsam gehe ich den Waldweg entlang. Hinter mir liegt das Lager. Stimmen sind zu hören, singende und lachende. Dort vorne muß ich in das Gebüsch nach links abbiegen.
Ein kleiner schmaler Weg, von Bäumen und Sträuchern umgeben, führt hinunter zum Steg. Das Wasser ist schon zu hören. Es plätschert leise.
Vor mir breitet sich der ruhige See aus. Bis jetzt hatten Bäume und Büsche den Blick auf ihn verdeckt.
Ich gehe auf den kleinen, zerfallenen und einsamen Steg zu. Man muß vorsichtig sein, denn er ist schon wack(e)lig, morsch, und er neigt sich langsam dem Grund des Sees zu.
Es ist schön(,) hier zu sitzen, mitten im Schilf und vor mir ein Stück vom See. Am anderen Ufer sieht man ein Haus zwischen Bäumen hervorragen.
Der Himmel färbt sich rot, orange und gelb. Zwischen diesen Farbtönen sinkt eine hellgelbe Kugel, die Sonne. Sie versinkt mehr und mehr hinter dem Berg, der mit verschiedenen Baumarten bewachsen ist.
Dort und da taucht im See mal ein Fisch auf, der kleine Wellen hinterläßt. Die Frösche geben ihr Abendkonzert, dem ich gerne zuhöre. Auf der anderen Seite des Sees sitzen einige Fischer und warten auf ihren Fang.
Morgen, um diese Zeit, sind wir schon auf dem Heimweg.
Ich sitze hier und versuche, mir dieses Bild einzuprägen, denn ich werde es bestimmt nie wiedersehen.
Jetzt muß ich aber gehen, denn gleich gibt es Abendbrot. Langsam erhebe ich mich. Meinen gepflückten Blumenstrauß überlasse ich den Wellen des Gewässers.
Traurig gehe ich auf den kleinen schmalen Weg. Doch ich drehe mich noch (ein)mal um, schiebe die Blätter beiseite und sehe noch einmal dieses schöne Bild der Natur. Ich könnte jeden Abend hier sitzen, und jedesmal g(ä)be es etwas Neues zu entdecken.
Vor mir sehe ich wieder das Lager. Die Stimmung der anderen reißt mich mit und läßt mir keine Zeit, sehnsüchtig an diese Augenblicke am See zurückzudenken.

 

Am See 2, Lomografie, (c) Doreen Trittel

Am See 2, Lomografie, analog, (c) Doreen Trittel

 

Mit meinen Erlebnissen in diesem Ferienlager beschäftige ich mich auch in meiner Arbeit mit dem Titel Sommer 1987. Hier habe ich Eintragungen aus meinem Tagebuch von damals mit Fotografien (Lomografie) verknüpft. Es sind die Erlebnisse und Gedanken an einem Sommer in einem Pfadfinderlager irgendwo in einem Wald an einem See in Polen. Auf der einen Seite unterscheiden sich diese Erfahrungen von denen in Westdeutschland aufgewachsenen Kindern, aber andererseits lassen sich auch viele Gemeinsamkeiten erkennen.

Ich wünsche Dir noch eine schöne Adventszeit mit genussvollen und gemütlichen Momenten. Lasst uns auch in der kalten Jahreszeit wundervolle Erinnerungen für morgen schaffen.

10 Jahre Bloggerin – 10 Tipps für Dich

10 Jahre Bloggerin – 10 Tipps für Dich

Wir haben das Jahr 2017 und es neigt sich dem Ende. Aber erst jetzt merke ich, dass ich im Frühjahr dieses Jahr, genauer gesagt im März 2017, mein Jubiläum als Bloggerin versäumt habe. Vor 10 Jahren sendete ich meinen ersten Beitrag in die digitalen Weiten.

Selbstporträt, 2007, (c) Doreen Trittel

Selbstporträt, 2007, (c) Doreen Trittel

 

Wie konnte ich das nur vergessen?

Wie konnte ich dieses Fest nicht feiern? Heißt es nicht, man muss die Feste feiern, wie sie fallen? Ich habe es schlicht und einfach verpennt. Vielleicht auch, weil mein Blog zu meinem Atelier noch nicht so alt ist. Aber wie komme ich gerade jetzt darauf? Über die Blogparade #KultBlick bin ich auf den Blog von Tanja Praske aufmerksam geworden. Sie feierte jetzt ihren 5. Bloggeburtstag und hat dazu einen inspirierenden Beitrag geschrieben: Kulturverrückt: 5 Jahre bloggen pro Kultur – Chancen und Bereicherung. Als ich ihre Zeilen las, tauchten eigene Erinnerungen auf und ich fand mich hier und da wieder. Dabei wurde mir dann bewusst: Hey, was ist mit deinem Jubiläum? Willst du nicht mal innehalten und dieser Zeit deine Aufmerksamkeit widmen? Wie sind deine Erfahrungen? Welche Tipps hast du für andere Blogger.innen? So gehe ich dem heute einfach mal nach.

Selbstporträt, 2008, (c) Doreen Trittel

Selbstporträt, 2008, (c) Doreen Trittel

 

Seit 10 Jahren bin ich Bloggerin.

2007 ging es los. Damals lebte ich seit einigen Jahren in Saarbrücken und wusste noch nicht, dass ich in den folgenden Monaten wieder nach Berlin ziehen würde. Im Mittelpunkt meines kreativen Tuns standen damals das Schreiben, hauptsächlich Gedichte, und die Fotografie. Ich habe an Lesungen teilgenommen und mich mit anderen Schreibenden vernetzt. Doch irgendwann hatte ich das Gefühl, ich komme nicht weiter. Dann kam die Idee auf, dass ich doch einen Blog starten könnte: wortmeer. Zunächst war ich zaghaft, doch mit jedem veröffentlichten Beitrag, mit jedem Kommentar wuchsen mein Selbstverständnis und Selbstbewusstsein. Ich lernte andere Blogger.innen kennen und tauschte mich mit ihnen aus. Zwischendurch der Umzug nach Berlin. Ich führte diesen Blog aus reiner privater Freude. Hinzu kamen Reise- und Alltagserlebnisse, Besuche von Veranstaltungen und Ausstellungen, Gedanken und weitere kreative Projekte (z.B. Collagen und textile Arbeiten). Und ich bin Mutter geworden.

Selbstporträt, 2011, (c) Doreen Trittel

Selbstporträt, 2011, (c) Doreen Trittel

 

Über verschiedene Stationen und Phasen begann ich damit, mich der Kunst intensiv zu widmen. Dies war der Punkt, an dem ich mich auch entschlossen hatte, mich von meinem Blog wortmeer und der bisherigen Anonymität zu verabschieden. Das war im verflixten 7. Jahr. Das Schreiben poetischer Texte war schon längst in den Hintergrund geraten und irgendwie passte das Outfit nicht mehr. Da habe ich den Blog und die damit verbundenen Kanäle bei Twitter und Flickr vom Netz genommen. Ein radikaler Schritt, der es mir ermöglichte, neue Wege zu gehen.

Dies war die Geburtsstunde meines virtuellen Ateliers hehocra – Atelier für Erinnerung & Veränderung. Ich probierte einiges aus und spielte mit der Vielfalt. Im vergangenen Jahr holte ich mir professionelle Hilfe, hostete eine eigene WordPress-Seite und bin damit zu meinem heutigen Design und Aufbau gekommen. Anfang diesen Jahres änderte ich die Schwerpunkte meiner Themen, denn meine künstlerische Ausrichtung bekam einen neuen Schwung und Schwerpunkt. So stehe ich heute da, wo Du mich mit meiner Website inklusive Blog sehen kannst – auch auf Twitter, Instagram und Facebook.

Selbstporträt, 2015, (c) Doreen Trittel

Selbstporträt, 2015, (c) Doreen Trittel

 

Meine 10 Tipps für Dich und Deinen Blog:

1) Klarheit: Frage Dich, wer Du bist und was Du willst.

Was ist Deine Berufung? Was treibt Dich an? Je klarer Du Dir selbst wirst, desto klarer ist auch das, was Du Deinen Leser.innen anbieten kannst. Für mich war das ein langer und herausfordernder Weg. Umso dankbarer bin ich all denen, die mich dabei bis heute begleiten. Gleichzeitig weiß ich, dass bei diesen Themen immer wieder der Weg das Ziel ist.

2) Erfolg: Werde Dir klar darüber, was Du unter Erfolg verstehst.

Du möchtest erfolgreich sein. Aber was verstehst Du unter Erfolg genau? Hierüber habe ich kürzlich einen eigenen Beitrag geschrieben. Es ist wirklich interessant, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Denn nicht immer sind es die überbordenden Follower-Zahlen.

3) Treue: Sei und bleibe Dir selbst treu.

Bist Du in Deinem Element oder richtest Du Dich nach der Meinung anderer und nach den neuesten Trends? Nur wenn Du Dir selbst treu bleibst, bist Du im Flow. Stichwort: authentisch.

4) Innehalten: Nimm Dir immer mal wieder Zeit, um Dir diese oder andere Fragen zu stellen.

Es lohnt sich, immer mal wieder innezuhalten, zu schauen, ob sich das, was Du da tust, immer noch gut und stimmig anfühlt. Wenn dem nicht so ist, dann spüren das auch schnell Deine Leser.innen. Gleichzeitig öffnet sich in solchen Phasen der Blick und es wachsen neue Ideen.

5) Loslassen: Trenne Dich von dem, was Dich aufhält.

Das Leben ist Veränderung. So wirst auch Du Dich und Dein sich Blog verändern. Da gibt es immer mal etwas, was sich dann nicht mehr stimmig anfühlt. Dann ist es Zeit, sich davon zu verabschieden und es loszulassen.

6) Hilfe: Hole Dir professionelle Unterstützung an Board.

Die Anforderungen an einen Blog wachsen. Die Ansprüche verändern sich. Irgendwann kommt wahrscheinlich auch bei Dir der Punkt, an dem Du nicht mehr weiterkommst. Oder Du möchtest Dich einfach nicht mehr mit bestimmten Fragestellungen und Problemen auseinandersetzen. Unsere Zeit ist kostbar. Unsere Energie soll in das Fließen, was uns Freude bereitet. Scheue Dich nicht, nach professioneller Hilfe zu fragen. Oft lohnt es sich, wenn Du die Sache finanziell und zeitlich im Zusammenhang betrachtest.

7) Vernetzen: Treffe Dich mit anderen Blogger.innen.

Ein wertschätzender Austausch mit anderen Blogger.innen, ob real oder auf digitalen Wegen, ist immer sehr bereichernd und motivierend. Entweder teilt man die gleichen bzw. ähnlichen Herausforderungen. Ein Blick von außen bringt Dich selbst auf neue Sichtweisen.

8) Kooperationen: Entwickle mit anderen Blogger.innen gemeinsame Ideen.

Dies bringt frischen Wind in Deine Beiträge und Inhalte. Dies können Interviews oder Gastbeiträge sein, Porträts oder Empfehlungen. Die Ideen können auch über Deinen Blog hinauswachsen.

9) Ausdauer: Lass Dich nicht entmutigen.

Die Resonanz auf Blogs ist gerade am Anfang nicht groß und hat im Laufe der Zeit auch immer mal wieder Durststrecken. Lass Dich nicht entmutigen. Wenn das, was Du machst, für Dich gut anfühlt, dann bleibe dabei und mach weiter, kontinuierlich und ausdauernd. Die Wahrnehmung ist oft größer als das, was wir als Blogger.innen sehen.

10) Freude: Mach das, was Du tust mit Freude.

Das ist mein wichtigster und letzter Tipp an Dich. Mache das, was Du tust mit Freude. Wenn Dir bloggen kein Spaß macht, und Du Dich zwingen musst, dann merken das die Leser.innen. Die Möglichkeiten, einen Blog zu führen sind sehr vielfältig. Du musst Dich nicht nach bestimmten Formaten oder Vorgaben richten. Schreibe und poste, wie es zu Dir passt und wie es Dir Spaß macht. Das können auch wenige Sätze, Fotos oder Ideen sein. Schau Dich um. Spüre in Dich hinein und mach das, was zu Dir passt, was Dein Ding ist.

Selbstporträt, 2016, (c) Doreen Trittel

Selbstporträt, 2016, (c) Doreen Trittel

 

In diesem Sinne wünsche ich allen Blogger.innen viel Freude beim Bloggen. Ich danke Dir, dass Du hier bist. Ich danke auch allen, die mich auf meinem Weg begleitet haben und begleiten. Fröhliche Grüße & Prost, Doreen

 

Doreen Trittel vor ihrer Arbeit "Typenschulbau", 2017, (c) Christian Appl

Ich vor meiner Arbeit “Typenschulbau”, 2017, (c) Christian Appl

Künstlerin: Wie betrachte ich Kunst? | #KultBlick

Künstlerin: Wie betrachte ich Kunst? | #KultBlick

Wie ist das eigentlich, wenn ich eine Ausstellung, ein Museum besuche, wenn ich Kunst und Kultur betrachte? Wie schaue ich? Was kann es in mir auslösen? Diesen und ähnliche Fragen möchte ich mich heute widmen.

Angeregt hierzu wurde ich durch die Blogparade Verloren und wiedergefunden? – Mein Kulturblick | #KultBlick des Archäologischen Museums Hamburg in Zusammenarbeit mit Dr. Tanja Praske von Kultur – Museum – Talk. (Einige Fragen stammen aus dem Aufruf zur Blogparade, andere habe ich mir beim Gedanken machen und aufschreiben selbst gestellt.)

Zunächst beginne ich mit zwei Fragen, die das Thema bzw. die Begriffe eingrenzen. Begleitet wird der Text von Fotografien, die ich in verschiedenen Museen gemacht habe.

 

Spiegelung im C|O Berlin, (c) hehocra

Spiegelung im C|O Berlin, 2016, (c) hehocra

 

Wie sind die Begriffe Kunst und Kultur zu verstehen?

Hierzu gibt die Blogparade des Museums folgende Auskunft: “Der Begriff ‘Kulturblick’ mag etwas konstruiert klingen… In #KultBlick soll es nicht um den Kulturbegriff gehen, sondern darum, wie Du und wir auf Kultur blicken. Wir gehen in unserer Arbeit analytisch mit Kunst und Kultur um. Unser Blick auf sie ist speziell. Dein Blick ist sicher ein anderer und genau den möchten wir von dir erfahren – Denkanstoß für uns und vielleicht auch für dich. Wohin führt das? Lassen wir uns überraschen!”

Wie bewerte ich als Künstlerin Kultur und Kunst?

Kultur und Kunst gehören zu meinem Leben. Ich lebe davon. Ohne Kunst und Kultur kann ich nicht sein. Daher habe ich hierfür immer einen Blick. Aber er hat sich verändert, er verändert sich, so wie ich mich ändere, wie sich unsere Welt verändert. Hinzu kommt, dass ich in einer anderen Kultur, von der DDR geprägten Kultur, aufgewachsen bin. Aber für diese Blogparade möchte ich dieses umfassende Thema deutlich eingrenzen: Mein Interesse liegt bei der Zeitgenössischen Kunst, bei der Modernen Kunst. Deshalb bezieht sich mein Kulturblick in diesem Beitrag auf meinen Blick hierauf. Um es zeitlich einzugrenzen: die Kunst seit Ende des 19. Jahrhunderts bis heute.

Heute ist mir bewusst, dass mein Blick schon immer davon geprägt war, dass ich selbst auch Kunst mache. In meinen zaghaften unsicheren Zeiten war es eher ein bewunderndes Aufschauen. Die Bewunderung habe ich nicht verloren, aber heute schaue ich als Kollegin. In Installationen, Collagen und Fotografien und beziehe ich mich auf Themen, die sich mit Erinnerungen und Veränderung beschäftigen.

 

im MoMa New York, 2016, (c) hehocra

im MoMa New York, 2016, (c) hehocra

 

Wie schaue ich auf Kunst? Gibt es Aha-Erlebnisse, Geistesblitze oder besondere Erkenntnisse für mich? Was empfinde ich, wenn ich mich auf Kultur und Kunst einlasse?

Ein Werk kann mich berühren, inspirieren oder beeindrucken. Von einem magischen Moment spreche ich, wenn alles zusammenkommt. Dies bezieht sich zum einen auf die Kunstwerke selbst, hängt aber auch mit der Präsentation und dem Kontext der Ausstellung ab. Aus diesem Moment heraus entstehen für mich Verständnis, neue Sichtweisen, Erkenntnisse, Anregungen und Erfahrungen.

  • Mich berühren Kunstwerke, wenn ich unbedarft vor ihnen stehe und in mir etwas anklingt. Meist spüre ich dies körperlich. Manchmal steigen Tränen der Rührung in mir auf.
  • Mich inspirieren Kunstwerke, wenn ich darin etwas finde, was ich als Künstlerin faszinierend finde und in mich aufnehme. Vielleicht greife ich darauf in meiner Arbeit irgendwann einmal zurück und entwickle es auf meine Art und Weise weiter. Dies umfasst auch die Präsentation, Darstellung und Beschreibung von Kunstwerken. (Blogbeitrag Ein weiteres Feld: Kunst präsentieren)
  • Mich beeindrucken Kunstwerke, wenn ich den Aufwand dahinter erfasse, wenn ich den tiefen Prozess des Entstehens nachvollziehen kann. Aber auch eine scheinbar schlicht umgesetzte Idee, die etwas genial auf den Punkt bringt, beeindruckt mich.

Erlebe ich meinen magischen Moment auch, wenn ich mir Kunst übers Web anschaue?

In der digitalen Welt sind uns viele Kunstwerke zugänglich. Mitunter rauschen sie in der Bilderflut an uns vorbei. Ein unglaubliches Meer, in dem wir baden können. Für mich ein wunderbarer Schatz, um mein Wissen anzureichern, zu recherchieren, zu lesen, anzuschauen. Aber dem magischen Moment bin ich hier bisher kaum begegnet. Diesen erlebe ich meist, wenn ich in einem Museum oder in einer Ausstellung bin, wenn ich einem Kunstwerk sozusagen in die Augen schauen kann.

 

Schattenspiel im Museum Europäischer Kulturen Berlin, 2017, (c) hehocra

Schattenspiel im Museum Europäischer Kulturen Berlin, 2017, (c) hehocra

 

Gibt es einen Wunsch, den ich schon immer bei Kulturinstitutionen äußern wollte? Was können Kulturinstitutionen für mich tun, damit ich gerne zu ihnen komme? 

Bei diesen Fragen fällt mir eine Ausstellung ein, die ich 2009 im Museum für Kommunikation in Berlin besuchte: Absolut? privat! Vom Tagebuch zum Weblog (Der Link führt zu einem Zeitungsartikel. Das Museum hat hier leider keine Informationen mehr online.) Sie hat mich sehr berührt und inspiriert, so dass ich nach den vielen Jahren immer noch gern daran zurückdenke. Die Ausstellung spannte einen Bogen vom Gestern zum Heute ins Morgen. Sie präsentierte von bekannten aber vor allem auch von unbekannten Persönlichkeiten geschaffene Aufzeichnungen in Bezug zur heutigen Zeit.

Eine spontane Idee: Wie wäre es, mit einem Dialog der Künste? Wie würden bzw. wie setzen sich Künstler.innen von heute mit den Themen vergangener Zeiten auseinander? Welche Fragen von damals beschäftigen uns auch heute? Welche Antworten können wir in der Vergangenheit für unsere Gegenwart und vielleicht auch für die Zukunft finden?

Zwei praktische Ideen: Vielleicht könnte die Website eines Museums nicht nur den üblichen Text zur Ausstellung veröffentlichen, sondern auch weitere Informationen, Links, Tipps für Bücher und andere Veröffentlichungen zusammenstellen. Dann könnte ich dies als Ausgangsbasis für meine Recherchen verwenden und darauf Bezug nehmen. Bisher bin ich auf das angewiesen, was ich über eine Suchmaschine finde. Bevor ich aber zu Hause recherchiere und nachlese, besuche ich sehr gerne den Museumshop. Dort schaue ich nach Katalogen, Büchern und Postkarten. Ich liebe es, in Museumsshops zu stöbern. Ich weiß nicht, ob es wirtschaftlich genug ist, aber vielleicht wäre ein digitaler Museumsshop mit den Angeboten zu den dortigen Ausstellungen oder eine Kooperation mit einem anderen Online-Shop auch eine interessante Idee?

 

in der TATE Modern in London, 2008, (c) hehocra

Spiegelung in der TATE Modern in London, 2008, (c) hehocra

 

Wie informiere ich mich über Neuigkeiten?

Schon allein aus meiner künstlerischen Tätigkeit informiere ich mich über verschiedene Wege zu Kunst und Kultur: Social Media (Facebook, Instagram und Twitter), Webseiten, Blogs und Zeitschriften. Dankbar bin ich auch für Hinweise, die mich aus meinem Netzwerk erreichen.

Kann ich mir Kunst und Kultur nicht nur im Museum sondern auch im Hauptbahnhof vorstellen?

Meist gehe ich bewusst in Ausstellungen, in Galerien und Museen, um mir Kunst anzuschauen. Manchmal begegnet mir aber auch Kunst überraschend, wie vorgestern am Berliner Hauptbahnhof. Bei all dem Trubel, dem Kommen und Gehen, bei den vielen eilenden und suchenden Menschen lässt sich dort keine Kunst vermuten, und es ist fraglich, ob sich bei all der Hektik einen Zugang zum Betrachter finden lässt. Aber genau dort erlebte ich jetzt einen meiner magischen Momente, die ich so liebe. Es geht um die Ausstellung im Berliner Hauptbahnhof World Press Photo, die noch bis zum 20. Oktober 2017 dort sein wird. (Anschließend ist sie im Hauptbahnhof München vom 23. bis zum 30. Oktober 2017.)

Im Vorbeieilen wagte ich einen Blick auf die Ausstellung, wunderte mich noch über die Präsentation an diesem Ort. Und während ich dies dachte,  erfasste mich ein Foto von Jonathan Bachmann, das eine junge Frau in einem leichten Sommerkleid zeigt, wie sie sich bei einer Demonstration den schwer bewaffneten, den über und über mit Schutzkleidung versehenen Polizisten stellt. Dieses Bild nimmt mich sofort in seinen Bann und lässt mich stehen bleiben, innehalten. Es berührt mich tief, finde ich darin ein Bild für eine Erfahrung wieder, mit der ich mich gerade innerlich auseinandersetze. Dieser Augenblick ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass uns Kunst und Kultur überall begegnen und in den Bann ziehen kann.

 

im Paula Modersohn-Becker-Museum in Bremen, 2014, (c) hehocra

im Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen, 2014, (c) hehocra

 

In diesem Sinne, herzlichen Dank für die Anregungen zu diesen Gedanken, herzlichen Dank dafür, dass Du bis hierhin gelesen hast. Was sind Deine Gedanken dazu? Wie schaust Du auf Kunst und Kultur?

Noch bis zum 22. Oktober kannst auch Du bei der Blogparade (alle Informationen hier) mitmachen. Ich klicke mich dann mal bei den anderen Beiträgen durch. Bin schon gespannt, auch auf Deinen Kommentar.

Nachtrag: Ich empfehle, die Beiträge mal durchzuschauen, denn es ist bisher schon eine sehr interessante und abwechslungsreiche Vielfalt zusammengekommen. Auch das Deutsche Uhrenmuseum hat einen Beitrag verfasst. Beeindruckt hat mich auch der Beitrag des Bürgermeisters von Illingen. Und dann viel mir ein, dass ich Illingen doch kenne… Vor vielen Jahren habe ich dort einmal an einer Lesung teilgenommen. Das war, als ich für fünf Jahre in Saarbrücken gelebt und gearbeitet habe.

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