von hehocra | Mai 24, 2014 | Ausstellungen, Ostdeutsches |
Kürzlich habe ich die Geschichten zweier Überlebenskünsterlinnen kennengelernt. Sehr interessant, spannend, berührend… Aber von vorn: In der Karl-Liebknecht-Str. 11, in Berlin Mitte hängen großformatige und großartige sw-Porträts von Frauen. Sie haben alle gemeinsam, dass sie in der DDR gelebt haben und vor 25 Jahren die Herausforderungen der Umbruchszeit mit dem Fall der Mauer meistern mussten. Anja Gersmann hat die Frauen für den Paula Panke e.V. fotografiert. Die Ausstellung wurde am 8. März 2014, dem Internationalen Frauentag, eröffnet.
Gezielt wird im Rahmen dieses Projekts auf die Sicht der Frauen geschaut.
Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Wie haben sie in der DDR gelebt? Wie haben sie den Mauerfall erlebt? Wie haben sie sich im neuen Deutschland orientiert? Wo haben sie ihren Platz gefunden?… All diesen und ähnlichen Fragen wird im Erzählcafé mit dem Titel „Gut angekommen?“ in den Räumlichkeiten des Vereins, in Pankow, nachgegangen. Dort erzählen porträtierte Frauen aus ihrem Leben. Sie berichten von ihren Erfahrungen und ihren Überlebenswegen.
Den ersten Abend im April habe ich leider verpasst. Aber am 14. Mai 2014 war ich dort und lauschte gespannt den Erzählungen einer Kubanerin die in den 70er Jahren mit ihrer Familie in die DDR kam und einer waschechten Berlinerin, die ihre Erfahrungen und Erlebnisse, ihre Gefühlswelten in Gedichten und Prosatexten verarbeitet.
Der nächste Abend findet am 11. Juni 2014 statt. Und am 27.06.2014 steht ein gemeinsamer Besuch der Ausstellung mit dem Thema „Zwischen Kunst und Markt – Wie verändert sich die Stadt, wie verändern wir uns?“ auf dem Programm. Beide Termine können bei Paula Panke e.V. nachgelesen werden.
Meine Eindrücke von diesem Abend?
Paula Panke e.V. ist ein wunderbarer Ort zum Wohlfühlen. In einer gemütlichen Runde saßen interessierte Frauen verschiedener Altersgruppen zusammen. Moderiert wurde der Abend von der sympathischen und beeindruckenden Astrid Landero.
Wie so oft bei interessanten Gesprächen wurde ein wenig die Zeit aus den Augen verloren, so dass die Zeit des Umbruchs durch den Fall der Mauer und die Orientierung der Frauen während dessen und danach in meinen Augen sehr kurz kam. Ihren Erfahrungen aus der DDR lauschte ich neugierig und entdeckte so manches, was ich aus eigenen Kindheits- und Jugenderinnerungen kannte, wieder.
In kurzen Gesprächen bei einem Glas Wein im Anschluss an die Erzählrunde wurde mir bewusst, dass die Erfahrungen einzelner Generationen sehr unterschiedlich sind und sie ihren Fokus auf unterschiedliche Dinge richten. Ich möchte mich da mit einschließen, denn mein Blick richtete sich bisher im Wesentlichen auf eigene Erfahrungen und ähnliche Erfahrungen meiner Generation. Auch wenn an diesem Abend einige Frauen nicht viel älter waren als ich, so sah ich in ihren Berichten die Generation meiner Eltern. Ich glaube, der Unterschied liegt darin, dass sie bereits Berufserfahrungen in der DDR gemacht hatten und ich nicht. Ich war sechzehn Jahre alt, als die Mauer fiel, und ging noch zur Schule. Damit beschränken sich meine Erinnerungen altersbedingt auf die Kindheit und Jugend in der DDR. Wesentliche und prägende Schritte, wie die Berufswahl, Ausbildung oder Studium, die Ausübung eines Berufs und die Gründung einer eigenen Familie lagen bei mir dann in einer anderen Zeit.
Für mich hat der Abend auch wieder gezeigt, dass das Thema immer noch aktuell ist, dass es die Menschen, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise, nach wie vor beschäftigt. Und ich finde es großartig, wenn individuelle Erfahrungen Raum bekommen, wenn wir dadurch die Schubladen auflösen und uns für eine Welt fern der Klischees öffnen können, wenn auch diese Erfahrungen das künftige Geschichtsbild prägen.
ps: Durch Kathrin Möller auf den Verein und dieses Fotoprojekt aufmerksam geworden bin. Bei ihr besuchte ich vor ein paar Jahren ein sehr inspirierendes Workshop-Wochenende und eine anregende Wortparty. Sie ist die Person hinter der Schreibberatung möllerscript.
von hehocra | Mai 15, 2014 | Fotografien, Künstler.innen |
Mit dieser und vielen weiteren Fragen zum Ich und zur Identität haben wir uns im 2. KunstSalon der Künstlerin Susanne Haun beschäftigt. In sehr netter Runde saßen wir vorgestern Abend zusammen und haben uns von Katja und Laura in das Thema einstimmen lassen.
Susanne hat unseren Abend bereits in einem Blogbeitrag wunderbar zusammengefasst. Schaut doch einfach mal zu ihr hinüber: bitte hier entlang.

Selbstporträt mit Kamera, analog, cross, 2001, (c) Doreen Trittel
Folgendes dazu einfach mal von mir dahin gedacht…
Wir müssen viele Rollen einnehmen. Wir nehmen viele Rollen ein. Kommen wir uns dabei selbst abhanden? Wann sind wir wir selbst?
Susanne wirft in ihrem Blog auch die Frage auf, inwieweit wir unsere Identität im eigenen Blog formen und beeinflussen durch Weglassen, durch Inszenierung… Aber dies ist aus meiner Sicht nicht nur eine Frage auf das Bloggen bezogen, sondern kann auch auf unser reales Leben übertragen werden. (Wobei sich hier dann auch wieder diese oder ähnliche Fragen stellen: Wann ist unser digitales Leben real?) Denn auch im alltäglichen Umgang geben wir nicht immer alles von uns preis, je nachdem in welchem Kontext wir uns befinden. Das Bloggen sehe ich einfach als einen anderen Kontext neben meinen anderen. Aber ja, es ist ein besonderes Feld, weil man hier kein konkretes Gegenüber hat, man sich auf das, was geschrieben und gezeigt wird verlässt. Wenn man sich darüber hinaus persönlich kennt wird diese Ebene erweitert. Was ich übrigens sehr bereichernd finde.
Das Andersartige im Normalen. Aber was ist normal? Und wer will schon normal sein? Die letzte Frage bezieht sich auf einen Film, an der mir dabei gerade in den Sinn kommt: Mee to – Wer will schon normal sein? – ein berührender und starker Film.
Wir haben auch über Erinnerungen gesprochen. Wie unterschiedlich Erinnerungen sind, auch wenn sie das gleiche Erlebte meinen. Denn schon die Wahrnehmung der gleichen Situation sieht bei jedem anders aus. Auch verändern sich Erinnerungen mit den Jahren, mischen sich mit neuen Erlebnissen, werden von neuen Erfahrungen überlagert. Erinnerungen verändern sich meines Erachtens auch mit der eigenen persönlichen Entwicklung, wenn sich der Blick auf Dinge ändert, auf das Leben, auf sich selbst.
Warum bin ich ich? – Diese Frage habe ich mir schon als Kind gestellt und spürte in solchen Momenten immer ein gewisses Heraustreten aus meiner Person. (Ist das verständlich?) Liegt die Antwort auf diese Frage im Sinn unseres eigenen Lebens? Liegt sie in unserer Aufgabe für die Welt? Liegt sie in der Entfaltung unserer Persönlichkeit, in unseren Fähigkeiten?
Sehr spannend finde ich die künstlerische Herangehensweise an die Frage des Ichs und der Identität. Denn ich sehe die Kunst auch als Möglichkeit der Selbsterkenntnis. Zum einen für den Künstler, für die Künstlerin selbst und zum anderen aber auch für die Betrachter und den Betrachter, wenn sie sich denn darauf einlassen. Nachdenken muss ich noch über das Künstlerich. Was ist das eigentlich? Ist das Künstlerich anders als das Ich oder ist es einfach eine weitere Rolle in unserem Leben?

Selbstporträt, analog, cross, 2001, (c) Doreen Trittel
Susanne, herzlichen Dank für die Idee zu Deinem sehr inspirierenden Salon. Ich genieße Deine Gastfreundschaft sehr und fühle mich wunderbar aufgehoben. Dankeschön.
Laura und Katja, herzlichen Dank für Eure interessanten und spannenden Ausführungen zum Thema. Eure Darstellungen und Gedanken waren sehr inspirierend und haben mich zum Nachdenken angeregt.
Es war ein wunderbarer und schöner Abend mit Euch allen. Ich finde die Diskussionen, Ideen und Gedanken, wie wir von einem zum anderen kommen, sehr bereichernd.
ps: Die hier gezeigten Fotografien sind Selbstporträts. 2001, analog, gecrosst, d.h. mit einem Diafilm fotografiert aber wie ein Negativfilm entwickelt.
von hehocra | Mai 4, 2014 | Vielfalt |
Irgendwie finde ich noch nicht den richtigen Anfang hier in meinem Blog. Vielleicht muss ich auch erst noch einmal über das Layout schlafen, das ich gerade eingerichtet habe. Vielleicht… Ach, ich weiß auch nicht. So schreibe ich einfach drauf los und hoffe, dass damit der erste Beitrag geschrieben und die Angst vor dem weißen Blatt, vor dem noch leeren Blog verschwinden wird.
Dabei ist das Bloggen nicht neu für mich. 2007 startete ich als wortmeer meinen ersten Blog, einen Tagebuch-Blog. Dort sammelte ich fotografische, poetische, textile und andere kreative Tropfen aus dem Meer meines Lebens. 2012 begann ich, parallel in einem neuen Blog gesammelte Grabinschriften, poetische Worte des Abschieds und entsprechende Fotografien aus meinem Archiv zusammenzutragen und zu veröffentlichen. Seit 2013 ruhen beide Blogs. Ich gönnte mir eine Auszeit, um mir darüber klar zu werden, was ich möchte und wie ich meine vielfältigen kreativen Kenntnisse und Erfahrungen zusammenführen kann. Hieraus entstand die Idee für mein Atelier für Erinnerung & Veränderung. Diese Idee basiert auf meiner Neugier für (Auto)Biografisches, für persönliche Geschichten, sei es in Form von Büchern oder künstlerischen Darstellungen, und darauf, selbst aus meinem Leben erzählen zu wollen. Parallel dazu entwickelte ich eine Einzelausstellung anlässlich meines 40. Geburtstages.
Ja, dieser kleine Rückblick wird mein erster Beitrag hier in meinem Blog sein. Ich baue meinen Blog nach und nach auf, d.h. es werden natürlich weitere Beiträge folgen (Vorwarnung: Ich habe viele Ideen.). Auch kommt eine eigene Seite mit Informationen zu mir, meinem Atelier und meinem Blog. Lasst Euch überraschen und bleibt dran. Ich freue mich über jeden Eurer Besuche, Kommentare und Rückmeldungen.
Viele Grüße, Doreen