Die Nadeln liefen heiß. Die Finger bluteten.

Die Nadeln liefen heiß. Die Finger bluteten.

Naja, ich gebe zu, ganz so schlimm war es nicht. Aber ein paar Nadeln litten und auch meine Finger bekamen den ein oder anderen Stich versetzt. Zwischendurch hatte ich Bedenken, ob ich es schaffen würde, alles rechtzeitig fertigzustellen…

Aber worum geht es überhaupt? Am kommenden Freitag, am 8. September 2017 findet die Vernissage der Ausstellung „Macht der Erinnerung“ im ehemaligen Frauengefängnis Lichterfelde, Berlin statt.

Im Mai diesen Jahres erfuhr ich hiervon und machte mir mit meiner Künstlerkollegin Eva Gjaltema Gedanken, was wir ausstellen könnten. An Pfingsten besuchte ich den Ort das erste Mal. Eva und ich teilen uns die Zelle 8. Dies ist eine Doppelzelle mit zwei schweren Metalltüren, mit dunkelgrau gestrichenen Wänden und Decken, mit einem Waschbecken und  Spiegel. Ich hatte vorab einige Ideen für diesen Raum, doch als ich das erste Mal dort stand, musste ich sie alle verwerfen. Mit dieser Kraft des Gebäudes hatte ich nicht gerechnet, auch nicht wie sehr die Erinnerungen des Ortes spürbar sind. In dem Moment wurde mir klar, dass in genau diese Zelle etwas Textiles muss. In diesem Raum, an diesem Ort liegen viele Gegensätze. So begannen wir mit unseren Überlegungen wieder von vorn… und ich hoffe sehr, es wird Dich, die Besucher.innen ansprechen.

Im Juni fasste ich den Entschluss für eine textile Installation aus drei Elementen. Eines davon stammt aus dem Jahr 2014 und wurde noch nie veröffentlich. Weitere Elemente habe ich in der ersten Hälfte diesen Jahres entwickelt und in ähnlicher Form bereits beim Kunstfestival 48-h-Neukölln gezeigt. Die zentrale Arbeit für die Ausstellung „Macht der Erinnerung“ hatte ich bisher nur in meinem Kopf. Ich wollte ein Thema aufgreifen, mit dem ich mich bereits 2015 in einer Papier-Mix-Arbeit beschäftigt hatte. Die Idee war da und ich begann, eine Skizze zu machen und einen Zeitplan zu entwerfen. Mir war klar, dass es für mich zeitlich eine Herausforderung wird. Aus alten Herrenhemden, die ich in den letzten Jahren sammelte, schnitt ich 63 gleich große Quadrate und begann, 60 davon nach und nach zu besticken und zu beschreiben. Überall, wo sich Wartezeiten ergaben, holte ich mein Nähzeug heraus. Abends kamen die Textilstifte zum Einsatz. Und es klappte: Wie geplant, hatte ich alle Stoffteile bis Ende August fertig.

 

Work in progress - Momentaufnahmen, (c) hehocra

Work in progress: Momentaufnahmen, (c) hehocra

 

Dann kam das Finale vom Work in progress: Die Zusammenstellung aller Einzelteile. So etwas hatte ich bis dahin in diieeser Größe noch nie gemacht. Einige Nähte mussten mehrmals aufgetrennt und neu genäht werden. Zwischendurch bekam ich Zweifel, ob meine gute, alte Nähmaschine durchhalten würde. Dann tauchten Bedenken auf, ob ich überhaupt rechtzeitig fertig werden würde. Wer mir auf Instagram, Facebook oder Twitter folgt, konnte dies beobachten. Der Mut machende Zuspruch, hilfreiche Tipps und teilweise sehr tief gehende Gespräche mit Freunden, Bekannten, meiner Familie und Künstlerkolleginnen halfen mir, diese Tiefs auszuhalten, durchzuhalten und beharrlich weiter zumachen. Pünktlich ist die Arbeit nun fertig geworden und ich bin sehr zufrieden. So hatte ich es mir vorgestellt und gleichzeitig ist es so anders geworden. Ob Ende gut alles gut ist, wird sich dann in der Ausstellung und an den Reaktionen zeigen.

Insgesamt hatte ich aber viel Spaß und Freude bei der Umsatzung meiner Idee. Ich stickte im Zug auf Reisen, auf Spielplätzen, ja sogar auf einem Friedhof, in den Bergen und im Café bzw. Restaurant… und hatte so manch interessante Begegnung.

 

Selbstporträts mit Stickrahmen, (c) hehocra

Selbstporträts mit Stickrahmen, (c) hehocra

 

Nun bin ich sehr gespannt, wie die Installation mit den drei Elementen in der Zelle wirken und ob mein Konzept aufgehen wird. Die Aufregung steigt. Gleichzeitig freue ich mich auf das Zusammenspiel mit den Arbeiten der Künstlerin Eva Gjaltema. Und ich bin wahnsinnig neugierig auf die anderen Präsentationen der ausstellenden und darbietenden Künstlerinnen und Künstler.

Noch ein Tipp: Ich selbst bin am Freitagabend und am Sonntag im Gefängnis. Am Samstag habe ich Freigang.

** Du bist herzlich eingeladen. Ich freue mich auf Deinen Besuch. **

 

Ausstellung zum “Tag des offenen Denkmals” am Samstag, 9.9.2017, 11 – 20 Uhr und Sonntag, 10.9.2017, 11 – 18 Uhr

Vernissage: 8. September 2017, 19 Uhr

ORT: ehemaliges Frauengefängnis Lichterfelde, Soehtstr.7, 12203 Berlin

mit Führungen und Programm

Teilnehmende Künstler.innen: Tesfa Ande. M I Eva Gjaltema I Peter Hahn I Angélique Preau I Christine Pöttker I Ulrike Reetz I Marty Sander I Dieter Strothmann I Doreen Trittel I Bodo Viebahn I Gesine Wenzel

Veranstalter: KUNST.RAUM.STEGLITZ. e.V., www.kunstraumsteglitz.de

Die Informationen und den Ausstellungsflyer findest Du auch unter Aktuelles oder in diesem Beitrag von mir: Ich werde ins Gefängnis gehen.

 

Mit der großen, kuscheligen Volumenfließrolle durch's sommerliche Berlin, (c) hehocra

Mit der großen, kuscheligen Volumenfließrolle durch’s sommerliche Berlin, (c) hehocra

 

 

 

Schießen für den Frieden, Teil 1 und Teil 2

Schießen für den Frieden, Teil 1 und Teil 2

Die Installation mit dem Titel „Schießen für den Frieden, Teil 1 und Teil 2“ habe ich bei 48-h-Neukölln 2017 erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert. Heute möchte ich sie Dir gern auch hier vorstellen. Der erste Teil der Installation zeigt meine Erinnerungen und meine heutige Sicht auf meine Erfahrungen als Kind in der DDR, auf die Militarisierung einer Gesellschaft von Kindesbeinen an. Der zweite Teil steht für die Veränderung im Umgang mit den Schatten der Vergangenheit.

 

Schießen für den Frieden, Teil 1, Installation, ca. 80 x 80 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

Schießen für den Frieden, Teil 1, Installation, ca. 80 x 80 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

 

Schießen für den Frieden, Teil 2, Installation, je 15 x 16 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

Schießen für den Frieden, Teil 2, Installation, je 15 x 16 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

 

Die Schwarz-weiß Fotografien der Installation, Teil 1 von Doreen Trittel zeigen ein Kind in den 80igern. Es sind private Fotografien, wie sie aus vielen Fotoalben sein können. Daneben prangen Kugelfangkästen aus Metall. Im Allgemeinen dienen sie beim Schießen als Halterung für Zielscheiben und als Auffangmöglichkeit für abgeschossene Kugeln. In diesen Kugelfangkästen sind originale Zielscheiben mit Einschusslöchern. Sie stammen von diesem Kind. Handgranaten- und Wurfgranatenweitwurf gehören als sportliche Disziplinen in den Schulunterricht. Manöverübungen fördern den Wettkampf und Zusammenhalt der Kinder: Im Ferienlager antreten, im Gleichschritt marschieren und singen, durch den Sand robben, über Sturmwände klettern und mit dem Luftgewehr schießen. Doreen Trittel ist in der DDR geboren. Sie wächst als Stasikind in einem System auf, das für sich die alleinige Wahrheit und das Recht in Anspruch nahm, und in dem der Kampf für Frieden und Sozialismus propagiert wird.

Über 25 Jahre sind seit dem Ende der DDR vergangen. Doch Doreen Trittel hat sich für die Auseinandersetzung und Veränderung entschieden. Im 2. Teil der Installation wendet sie sich den Zielscheiben zu und gestaltet sie mit kreativen Mitteln. Hierfür verwendet sie teilweise auch alten Materialien, wie hier aus dem Nähkasten der Oma. Dabei lässt sie die Schatten der Vergangenheit mitspielen, die dadurch eine neue Form des Ausdrucks und Wege der Wandlung erfahren. Gleichzeitig fließen aktuelle gesellschaftliche Strömungen mit ein. In der Ausstellung ist ein Teil aus diesem Werk zu sehen, das inzwischen mehrere Zielscheiben zählt und weiter wächst.

Diesen Text hast Du vielleicht hier in der Vorschau schon einmal gelesen. Heute gibt es ihn mit den Bildern der Installation hier im direkten Zusammenhang. Und noch ein paar Infos zum Entstehungsprozess: Die Kombination der Zielscheiben mit den Kinderfotos entstand Ende letzten Jahres. Für 48-h-Neukölln habe ich an der Präsentation gearbeitet und mir fielen die Kugelfangkästen ein. Bei meinen Recherchen stieß ich auf die neuen Zielscheiben, die ich dann begann, auf verschiedenen Wegen zu einzelnen dreier Serien zu bearbeiten. Für die Ausstellung wählte ich die obige Serie aus.

 

im Gespräch, 48-h-Neukölln, Ausstellung, (c) hehocra

…im Gespräch, 48-h-Neukölln, Ausstellung, (c) hehocra

 

Besucher.innen, 48-h-Neukölln, Ausstellung, (c) hehocra

Besucher.innen, 48-h-Neukölln, Ausstellung, (c) hehocra

 

Viele, sehr interessante Gespräche habe ich führen dürfen, die mich unglaublich bereichert haben und für die ich sehr dankbar bin. Sie zeigen mir, dass dieses Thema die Menschen auf vielen Ebenen und über die Landesgrenzen hinaus beschäftigt und zum Nachdenken anregt. Dass ich dazu mit meinen Arbeiten einen Beitrag leisten kann, dass macht mich glücklich.

Auch wenn sich diese Arbeit aus der Vergangenheit heraus entstanden ist, wirft sie doch aktuelle Fragen auf: Wie ist unser Verhältnis zu Waffen? Sind wir bereit, eine Waffe in die Hand zu nehmen? Worauf zielen wir? Wie ist unser Umgang mit Waffen? Wann ist Schießen Sport? Wann wird es zum Mord? Ein Wettkampf? Welche Macht üben Waffen aus? In welch einer Gesellschaft leben wir heute? Wie sind unsere individuellen Erfahrungen im Umgang mit Waffen? Fühle ich mich sicherer, wenn ich eine Waffe besitze?… Schießen für den Frieden, eine Losung, die auch heute noch gerufen wird. Ein Paradoxon, wie ich finde.

 

Schießen für den Frieden, Teil 2, Details, Installation, 14 x 14 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

Schießen für den Frieden, Teil 2, Details, Installation, 14 x 14 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

 

Schießen für den Frieden, Teil 2, Details, Installation, 14 x 14 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

Schießen für den Frieden, Teil 2, Details, Installation, 14 x 14 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

 

Schießen für den Frieden, Teil 2, Details, Installation, 14 x 14 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

Schießen für den Frieden, Teil 2, Details, Installation, 14 x 14 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

 

Schießen für den Frieden, Teil 1, Installation, ca. 80 x 80 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

Schießen für den Frieden, Teil 1, Installation, ca. 80 x 80 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

 

Wie sind Deine Ansichten? Was lösen diese Arbeit und meine Worte dazu bei Dir aus?

 

ps: Im nächsten Beitrag werfen wir einen Blick auf die Arbeiten meiner Künstlerkolleg.innen.

Super war es, auf dem Kunstfestival 48-h-Neukölln 2017

Super war es, auf dem Kunstfestival 48-h-Neukölln 2017

Für alle diejenigen, die nicht beim Kunstfestival 48-h-Neukölln im Juni 2017 dabei waren, möchte ich nun zurückblicken und meine Eindrücke mit Euch teilen. Wir hatten in der Ausstellung „Textur in den Schatten sehen“ unserer Künstlergruppe „Kontrapunkt“ viele interessierte Besucher.innen. Ich persönlich habe viele spannende und vor allem sehr bereichernde Gespräche führen können. Dafür bin ich sehr dankbar.

In diesem Beitrag versuche ich, Dir etwas von der Stimmung dieser drei Tage zu vermitteln. Im darauf folgenden Beitrag möchte ich Dir meine Arbeit „Schießen für den Frieden, Teil 1 und Teil 2“ vorstellen, die ich in der Ausstellung erstmalig präsentiert und hier im Blog bisher nur in Ausschnitten gezeigt habe. Im dritten Beitrag folgen die ausgestellten Werke meiner Künstlerkolleg.innen. Da ich momentan gesundheitlich angeschlagen bin, halte ich mich mit vielen Worten einfach mal zurück. Aber Bilder sagen ja bekanntlich oft mehr als tausend Worte. In diesem Sinne wünsche ich Dir viel Freude beim Schauen, auch bei den nächsten Beiträgen mit noch mehr Fotos.

 

48-h-Neukölln 2017, (c) hehocra

Herzlich Willkommen, 48-h-Neukölln 2017, (c) hehocra

 

48-h-Neukölln 2017, (c) hehocra

Mit Besucher.innen im Gespräch, 48-h-Neukölln 2017, (c) hehocra

 

48-h-Neukölln 2017, (c) hehocra

Besucherin vor der Arbeit von Doreen Trittel, 48-h-Neukölln 2017, (c) Christian Appl

 

48-h-Neukölln 2017, (c) hehocra

48-h-Neukölln 2017, im Hintergrund Arbeiten von Eva Gjaltema, (c) hehocra

 

 

48-h-Neukölln 2017, (c) hehocra

Herz-Geschenk einer Besucherin #dankbar, 48-h-Neukölln 2017, (c) hehocra

 

48-h-Neukölln 2017, (c) hehocra

viele interessierte Besucher.innen #überwältigend, 48-h-Neukölln 2017, (c) hehocra

 

48-h-Neukölln 2017, (c) hehocra

Fünf Künstler.innen der Künstlergruppe „Kontrapunkt“, 48-h-Neukölln 2017, (c) Carola Muysers

v.l.n.r.: Ivano Pellechia, Ana Bathe, Aino Onia, Doreen Trittel, Peter Ehrentraut

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Textur in den Schatten sehen

Festivalbeitrag bei 48-h-Neukölln 2017 vom 23. bis 25. Juni 2017

Gruppenausstellung der Künstlergruppe „Kontrapunkt“ mit Arbeiten von:
Ana Bathe | Peter Ehrentraut | Aino Onia | Eva Gjaltema | Ivano Pellecchia | Doreen Trittel

Da scheint etwas nicht stimmig. Da ist etwas… Die Künstler.innen der Gruppe „Kontrapunkt“ lenken den Blick ausgehend von eigenen Schatten auf gesellschaftsrelevante und politische Schatten. Im Licht der Begegnung geben sie den Schatten eine Textur.

Kontrapunkt – das sind 6 Künstler.innen aus 6 verschiedenen Ländern mit eigenen Erfahrungen und Ausdrucksformen: Fotografie, Installation, Malerei, Texte. Sie machen sich auf den Weg zu ihren Schatten und begeben sich mutig und neugierig in dunkle Räume. In unterschiedlichen, künstlerischen Ausdrucksformen schaffen die Künstler.innen eine Veränderung. Sie stellen die Schatten ins Rampenlicht.

Ort: Das Labor, Fuldastr. 56, 12043 Berlin, Donau-Nord-Kiez (DON)

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Wie schon angekündigt, in den folgenden Beiträgen gibt es weitere Informationen und vor allem weitere fotografische Eindrücke von diesem großartigen Event.

 

Diese Beiträge aus der Vorbereitung könnten Dich auch interessieren: Die Qual der Wahl: Welche Zielscheibe? / Schießen für den Frieden – ein Vorgeschmack / https://hehocra.de/einladung-textur-in-den-schatten-sehen/

Die Qual der Wahl: Welche Zielscheibe?

Die Qual der Wahl: Welche Zielscheibe?

Ja, welche von den vielen Zielscheiben nehme ich nun als Teil 2 meiner Arbeit Schießen für den Frieden mit zu unserer Gruppenausstellung Textur in den Schatten sehen beim Kunstfestival 48-h-Neukölln?

Im vergangenen Herbst kam mir die Idee für die Arbeit mit dem Titel „Schießen für den Frieden“. In meinem kleinen persönlichen Fundus entdeckte ich die alten Zielscheiben, die ich als Kind selbst geschossen hatte. Auf der Suche nach einer entsprechenden Präsentation zur Vorbereitung auf das Kunstfestival 48-h-Neukölln am Anfang diesen Jahres stieß ich bei meinen Recherchen auch auf neue Zielscheiben, die man in einem Paket von mehreren Stück kaufen konnte. Ein paar Tage später kamen sie mit der Post und da lagen sie nun, neue Ideen blühten auf. Dies war der Beginn von Teil 2, der die Veränderung im mehrdeutigen Sinne einläutete. Eine Zielscheibe nach der anderen nahm ich in die Hände und begann sie in jeweils kleinen 3er Serien zu bearbeiten. Mal bunt, mal dunkel, mal leicht gängig, mal schwer mitten in der Nacht, mal mit einem Augenzwinkern und mal wütend… Inzwischen sind es über sechzig Zielscheiben, über zwanzig kleine Serien, die ich zweckentfremdet und kreativ bearbeitet habe.

 

Schießen für den Frieden, Teil 2, Installation, Auswahl, (c) Doreen Trittel

Schießen für den Frieden, Teil 2, Installation, Auswahl, (c) Doreen Trittel

 

Nun habe ich die Qual der Wahl: Welche von diesen Zielscheiben werde ich in der Ausstellung zeigen? Ich muss mich für eine, vielleicht drei, entscheiden. Bisher habe ich immer gedacht, ich mache das vor Ort. Aber um es mir dort nicht noch schwerer zu machen, ich werde wohl eine Vorauswahl treffen und daraus dann in der Galerie eine bzw. drei dann tatsächlich hängen. Ich weiß es selbst noch nicht. Aufregend. Die Spannung steigt – und wenn ich ehrlich bin, auch ein wenig die Nervosität. Ich werde auf alle Fälle berichten.

Wenn Du noch einmal nachlesen möchtest, was es mit Teil 1 und Teil 2 genauer auf sich hat, dann schau einfach mal hier: Schießen für den Frieden – ein Vorgeschmack.

Du und Deine Freunde sind herzlich zu unserer Ausstellung Textur in den Schatten sehen eingeladen. Wir freuen uns auf Dich, auf Euch – am kommenden Wochenende!

 

Noch sind die Vorhänge geschlossen: Das Labor, Berlin Neukölln

Noch sind die Vorhänge geschlossen: Das Labor, Fuldastr. 56, Berlin (Nähe Rathaus Neukölln)

Schießen für den Frieden – ein Vorgeschmack

Schießen für den Frieden – ein Vorgeschmack

In der kommenden Ausstellung Textur in den Schatten sehen werde ich eine weitere Arbeit aus meiner Werkgruppe, die sich mit meiner ostdeutschen Herkunft und meinen Erfahrungen als Stasikind beschäftigt, präsentieren. Sie trägt den Titel „Schießen für den Frieden“ und besteht aus zwei Teilen. Die erste Installation zeigt meine Erinnerungen und meine heutige Sicht darauf. Der zweite Teil steht für die Veränderung im Umgang mit den Schatten der Vergangenheit. Hier ein kleiner Vorgeschmack:

 

Schießen für den Frieden, Teil I, Vorschau, Installation, 2017, (c) Doreen Trittel

Schießen für den Frieden, Teil I, Vorschau, Installation, 2017, (c) Doreen Trittel

 

Die Schwarz-weiß Fotografien der Installation, Teil 1 von Doreen Trittel zeigen ein Kind in den 80igern. Es sind private Fotografien, wie sie aus vielen Fotoalben sein können. Daneben prangen Kugelfangkästen aus Metall. Im Allgemeinen dienen sie beim Schießen als Halterung für Zielscheiben und als Auffangmöglichkeit für abgeschossene Kugeln. In diesen Kugelfangkästen sind originale Zielscheiben mit Einschusslöchern. Sie stammen von diesem Kind. Handgranaten- und Wurfgranatenweitwurf gehören als sportliche Disziplinen in den Schulunterricht. Manöverübungen fördern den Wettkampf und Zusammenhalt der Kinder: Im Ferienlager antreten, im Gleichschritt marschieren und singen, durch den Sand robben, über Sturmwände klettern und mit dem Luftgewehr schießen. Doreen Trittel ist in der DDR geboren. Sie wächst als Stasikind in einem System auf, das für sich die alleinige Wahrheit und das Recht in Anspruch nahm, und in dem der Kampf für Frieden und Sozialismus propagiert wird.

 

Über 25 Jahre sind seit dem Ende der DDR vergangen. Doch Doreen Trittel hat sich für die Auseinandersetzung und Veränderung entschieden. Im 2. Teil der Installation wendet sie sich den Zielscheiben zu und gestaltet sie mit kreativen Mitteln. Dabei lässt sie die Schatten der Vergangenheit mitspielen, die dadurch eine neue Form des Ausdrucks und Wege der Wandlung erfahren. Gleichzeitig fließen aktuelle gesellschaftliche Strömungen mit ein. In der Ausstellung ist ein Teil aus diesem Werk zu sehen, das inzwischen mehrere Zielscheiben zählt und weiter wächst.

 

Zielscheibe, 14x14 cm, 2017, (c) hehocra

Zielscheibe, 14×14 cm, 2017, (c) hehocra

 

Dies könnte Dich auch interessieren: In diesem Beitrag Salve zum Gruß mit Zielscheiben hatte ich vor einigen Monaten einen kleinen Einblick in den Entstehungsprozess gegeben und Gedanken dazu ausgetauscht. Rund um dieses Thema ist auch eine Collagen-Serie entstanden, die Du auf meiner Website bereits finden kannst: Was für ein Spiel? Nach der Ausstellung werden beide Teile dieser Arbeit „Schießen für den Frieden“ auf der Website zu sehen sein. Auch werde ich hier im Blog und in den Social-Media-Kanälen von der Ausstellung unserer Künstlergruppe „Kontrapunkt“ berichten.

Aber ich freue mich, wenn Du die Gelegenheit hast und nutzen kannst, uns persönlich zu besuchen und die Ausstellung anzuschauen. Ich bin selbst schon auf die Werke der anderen gespannt. Der Großteil der Werke war bisher noch nicht zu sehen und wird im Rahmen des Themas Schatten beim Kunstfestival 48-h-Neukölln erstmals zu sehen sein. Also ein Highlight, das Du nicht verpassen solltest.

 

Textur in den Schatten sehen

Ausstellung der Künstlergruppe „Kontrapunkt“, alle Informationen hier

Ort: Das Labor, Fuldastr. 56, 12043 Berlin, Donau-Nord-Kiez (DON), barrierefrei

Öffnungszeiten: Freitag 19:00 bis 23:00 Uhr, Samstag 14:00 bis 22:00 Uhr, Sonntag 14:00 bis 19:00 Uhr

 

ps: Die Zielscheibe mit den Blüten und Perlen kommt Dir vielleicht schon bekannt vor, von hier: Über mich.

My story: 9. November 1989 | Installation

Aus dem Portfolio meines Ateliers für Erinnerung & Veränderung: Vor eineinhalb Jahren habe ich auf der Grundlage meiner persönlichen Erinnerungen folgende Installation erarbeitet, die für mich den 9. November 1989 bzw. die Tage und Wochen um diesen Wendepunkt darstellt. Sie beinhaltet Fotos, Zeichnungen, Kopien, Hausaufgabenheft aus dieser Zeit.

 

Gesamtansicht, Erinnerungsstücke, 9. November 1989

9. November 1989, Installation, 85 x 65 cm, 2013 (c) Doreen Trittel

 

Schulheft

9. November 1989, Detail, (c) Doreen Trittel

 

Collage mit Zeichnungen und Fotografien

9. November 1989, Detail, (c) Doreen Trittel