von hehocra | Nov. 9, 2017 | Fotografien, Ostdeutsches |
Vor drei Jahren etwa sind die Aufnahmen für die Serie, die ich Dir aus meinem Portfolio heute gern vorstellen möchte, entstanden. Bis jetzt hat es gedauert, die für mich stimmige Auswahl und Anordnung der einzelnen Fotografien sowie den passenden Text dazu zu finden. Diese Arbeit besteht aus einer Serie mit bewusst unscharfen Fotografien.

„Unscharf“, Serie, Fotografien und Selbstporträts, 01-11, 2014 (c) Doreen Trittel
Wenn eine Erkenntnis dein Leben verändert. Wenn du bereit bist, die Wahrheit anzuschauen, zu erkennen und auszuhalten.
Diese Selbstporträts und Fotografien habe ich gemacht, als mir bewusst wurde, dass die Stasi zu meiner Familiengeschichte gehört. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich dies nicht wahrgenommen. ‚Stasi‘, das waren immer die anderen. Plötzlich ist das ein Teil von mir. Der neutrale Hintergrund der Porträts ermöglichen die Konzentration auf den Ausdruck der Wandlung, der von Unschärfe und dem Wille, den Nebel zu lichten, geprägt war.
Stasi ist die Kurzbezeichnung für das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Das Ministerium war auch Nachrichtendienst, Geheimpolizei und Auslandsgeheimdienst. Zum Fall der Mauer 1989 arbeiteten etwa 91.000 hauptamtliche und geschätzte 190.000 Inoffizielle Mitarbeiter (IM) für den Überwachungsapparat.
Diese Serie ist ein Teil meiner Werkgruppe „Ostdeutsche und Stasikind“, in der ich mich mit der ostdeutschen Vergangenheit auseinandersetze. Ausgangspunkt sind dabei immer meine persönlichen Erinnerungen und meine heutige Sicht darauf. Gleichzeitig möchte ich damit auch versuchen, ein allgemeines Thema zu erkunden. Inwieweit tragen wir Verantwortung für das, was unsere Familien, unsere Vorfahren getan haben? Welche Verpflichtung ergibt sich für jeden Einzelnen daraus?

Unscharf, 01-11, 2014 (c) Doreen Trittel

Unscharf, 02-11, 2014 (c) Doreen Trittel

Unscharf, 03-11, 2014 (c) Doreen Trittel

Unscharf, 04-11, 2014 (c) Doreen Trittel

Unscharf, 05-11, 2014 (c) Doreen Trittel

Unscharf, 06-11, 2014 (c) Doreen Trittel

Unscharf, 07-11, 2014 (c) Doreen Trittel

Unscharf, 08-11, 2014 (c) Doreen Trittel

Unscharf, 09-11, 2014 (c) Doreen Trittel

Unscharf, 10-11, 2014 (c) Doreen Trittel

Unscharf, 11-11, 2014 (c) Doreen Trittel
Herzlichen Dank an die Fotografin Susan Paufler für die Inspiration zu dieser Ausdrucksmöglichkeit und an LensCulture für das sehr hilfreiche Feedback.
Am 9. November 2017 jährt sich der Mauerfall zum 28. Mal. Weitere Beiträge von mir zu diesem Thema findest Du hier, in meinem Blog:
Weitere Arbeiten aus dieser Werkgruppe:
von hehocra | Okt. 27, 2017 | Fundstücke |

Vitrine der Fundstücke, by hehocra
Heute wird es mal wieder Zeit für meine Fundstücke. Fundstücke, das sind interessante Beiträge, die mir im Netz über den Weg geklickt sind, oder inspirierende Ereignisse, die ich Dir empfehlen möchte. Wenn Du spannende Tipps hast, die meine Leser.innen und mich interessieren können, dann immer her damit. Schreibe mir in den Kommentaren oder via Kontakt. Dankeschön.
Beginnen möchte ich gleich mit dem Link zu meinem Gastbeitrag bei der Künstlerin Sabine Küster: Stellt Euch doch mal vor – Gastauftritt IX. …wer nicht fragt, bleibt dumm. Ich habe ein paar Fragen beantwortet, zumindest habe ich es versucht.
Faktor X – Gibt es eine Erfolgsformel für Kunst? – ein Artikel, der versucht, eine Antwort zu finden. Ich habe ihn interessiert gelesen. Habe ich mir doch kürzlich auch Gedanken über den Erfolg gemacht: Wir wollen ihn alle, den Erfolg!
„One day young“ ist ein sehr berührender Bildband mit Fotografien von Jenny Lewis, die Frauen mit ihren sehr jungen, neugeborenen Kindern zu Hause porträtiert. Das Online-Fotomagazin Kwerfeldein hat die Fotografin interviewt. Das Buch wurde hier – Buchtipp – vorgestellt.
In einem Fernsehbeitrag der Sendung „KUNSCHT!“ mit Denis Scheck bin ich auf die schottische Künstlerin Georgia Russell aufmerksam geworden. Sie fertigt faszinierende Arbeiten aus Büchern, und das mit einem Skalpell. Eine irre Technik. Live sind die Werke sicher nochmal beeindruckender. Hier geht’s zum Porträt in der Mediathek des SWR.
Aufgrund einer unerwarteten und überraschenden Entdeckung können wir heute Bilder betrachten, die vor Jahrzehnten von Ruth Wolf-Rehfeldt getippt wurden, ja, mit der Schreibmaschine: Typewritings. Der Artikel porträtiert die Scheibmaschinen-Künstlerin aus der DDR, deren Arbeiten in diesem Jahr auch auf der Documenta in Kassel zu sehen waren.
Zum Abschluss habe ich noch zwei Tipps für Berlin:
„Das Kunstwerk im Bilderbuch“ – Im Eichhörnchenverlag gestalten Künstler.innen Bücher für Babys und Kleinkinder. Susanne Haun hat den Anfang gemacht. Am 14.11.2017 präsentiert sie ihre Originale in einer Ausstellung und begrüßt Nina Alice Schuchardt vom Verlag zu ihrem 15. Salon. Du bist auch herzlich eingeladen. Ich werde den Salon besuchen und freue mich auf einen inspirierenden Abend.
In der Galerie „DasLabor“ in Berlin Neukölln sind noch bis zum 17. November 2017 Arbeiten der Künstlerin Aino Onia und π aka Peter Ehrentraut zusammen mit den Bilderni von Nicolas Nicopol zu sehen. Die Ausstellung trägt den Titel: modern talking. Aino Onia wird täglich von Montag bis Freitag von 13 bis 14 Uhr live an ihrem Projekt „My first Million“ weiterarbeiten. Unbedingte Empfehlung. Ich mag es sehr und bin immer wieder von der Idee, der täglichen und konsequenten Umsetzung und den Gedanken hinter dieser Arbeit beeindruckt. (Mit Aino Onia und Peter Ehrentraut bin ich in der Künstlergruppe „Kontrapunkt“.)
Hast Du anregende Tipps für mich? Schreibe mir in den Kommentaren oder via Kontakt. Ich freue mich.
von hehocra | Okt. 16, 2017 | Blogaktionen |
Wie ist das eigentlich, wenn ich eine Ausstellung, ein Museum besuche, wenn ich Kunst und Kultur betrachte? Wie schaue ich? Was kann es in mir auslösen? Diesen und ähnliche Fragen möchte ich mich heute widmen.
Angeregt hierzu wurde ich durch die Blogparade Verloren und wiedergefunden? – Mein Kulturblick | #KultBlick des Archäologischen Museums Hamburg in Zusammenarbeit mit Dr. Tanja Praske von Kultur – Museum – Talk. (Einige Fragen stammen aus dem Aufruf zur Blogparade, andere habe ich mir beim Gedanken machen und aufschreiben selbst gestellt.)
Zunächst beginne ich mit zwei Fragen, die das Thema bzw. die Begriffe eingrenzen. Begleitet wird der Text von Fotografien, die ich in verschiedenen Museen gemacht habe.

Spiegelung im C|O Berlin, 2016, (c) hehocra
Wie sind die Begriffe Kunst und Kultur zu verstehen?
Hierzu gibt die Blogparade des Museums folgende Auskunft: „Der Begriff ‚Kulturblick‘ mag etwas konstruiert klingen… In #KultBlick soll es nicht um den Kulturbegriff gehen, sondern darum, wie Du und wir auf Kultur blicken. Wir gehen in unserer Arbeit analytisch mit Kunst und Kultur um. Unser Blick auf sie ist speziell. Dein Blick ist sicher ein anderer und genau den möchten wir von dir erfahren – Denkanstoß für uns und vielleicht auch für dich. Wohin führt das? Lassen wir uns überraschen!“
Wie bewerte ich als Künstlerin Kultur und Kunst?
Kultur und Kunst gehören zu meinem Leben. Ich lebe davon. Ohne Kunst und Kultur kann ich nicht sein. Daher habe ich hierfür immer einen Blick. Aber er hat sich verändert, er verändert sich, so wie ich mich ändere, wie sich unsere Welt verändert. Hinzu kommt, dass ich in einer anderen Kultur, von der DDR geprägten Kultur, aufgewachsen bin. Aber für diese Blogparade möchte ich dieses umfassende Thema deutlich eingrenzen: Mein Interesse liegt bei der Zeitgenössischen Kunst, bei der Modernen Kunst. Deshalb bezieht sich mein Kulturblick in diesem Beitrag auf meinen Blick hierauf. Um es zeitlich einzugrenzen: die Kunst seit Ende des 19. Jahrhunderts bis heute.
Heute ist mir bewusst, dass mein Blick schon immer davon geprägt war, dass ich selbst auch Kunst mache. In meinen zaghaften unsicheren Zeiten war es eher ein bewunderndes Aufschauen. Die Bewunderung habe ich nicht verloren, aber heute schaue ich als Kollegin. In Installationen, Collagen und Fotografien und beziehe ich mich auf Themen, die sich mit Erinnerungen und Veränderung beschäftigen.

im MoMa New York, 2016, (c) hehocra
Wie schaue ich auf Kunst? Gibt es Aha-Erlebnisse, Geistesblitze oder besondere Erkenntnisse für mich? Was empfinde ich, wenn ich mich auf Kultur und Kunst einlasse?
Ein Werk kann mich berühren, inspirieren oder beeindrucken. Von einem magischen Moment spreche ich, wenn alles zusammenkommt. Dies bezieht sich zum einen auf die Kunstwerke selbst, hängt aber auch mit der Präsentation und dem Kontext der Ausstellung ab. Aus diesem Moment heraus entstehen für mich Verständnis, neue Sichtweisen, Erkenntnisse, Anregungen und Erfahrungen.
- Mich berühren Kunstwerke, wenn ich unbedarft vor ihnen stehe und in mir etwas anklingt. Meist spüre ich dies körperlich. Manchmal steigen Tränen der Rührung in mir auf.
- Mich inspirieren Kunstwerke, wenn ich darin etwas finde, was ich als Künstlerin faszinierend finde und in mich aufnehme. Vielleicht greife ich darauf in meiner Arbeit irgendwann einmal zurück und entwickle es auf meine Art und Weise weiter. Dies umfasst auch die Präsentation, Darstellung und Beschreibung von Kunstwerken. (Blogbeitrag Ein weiteres Feld: Kunst präsentieren)
- Mich beeindrucken Kunstwerke, wenn ich den Aufwand dahinter erfasse, wenn ich den tiefen Prozess des Entstehens nachvollziehen kann. Aber auch eine scheinbar schlicht umgesetzte Idee, die etwas genial auf den Punkt bringt, beeindruckt mich.
Erlebe ich meinen magischen Moment auch, wenn ich mir Kunst übers Web anschaue?
In der digitalen Welt sind uns viele Kunstwerke zugänglich. Mitunter rauschen sie in der Bilderflut an uns vorbei. Ein unglaubliches Meer, in dem wir baden können. Für mich ein wunderbarer Schatz, um mein Wissen anzureichern, zu recherchieren, zu lesen, anzuschauen. Aber dem magischen Moment bin ich hier bisher kaum begegnet. Diesen erlebe ich meist, wenn ich in einem Museum oder in einer Ausstellung bin, wenn ich einem Kunstwerk sozusagen in die Augen schauen kann.

Schattenspiel im Museum Europäischer Kulturen Berlin, 2017, (c) hehocra
Gibt es einen Wunsch, den ich schon immer bei Kulturinstitutionen äußern wollte? Was können Kulturinstitutionen für mich tun, damit ich gerne zu ihnen komme?
Bei diesen Fragen fällt mir eine Ausstellung ein, die ich 2009 im Museum für Kommunikation in Berlin besuchte: Absolut? privat! Vom Tagebuch zum Weblog (Der Link führt zu einem Zeitungsartikel. Das Museum hat hier leider keine Informationen mehr online.) Sie hat mich sehr berührt und inspiriert, so dass ich nach den vielen Jahren immer noch gern daran zurückdenke. Die Ausstellung spannte einen Bogen vom Gestern zum Heute ins Morgen. Sie präsentierte von bekannten aber vor allem auch von unbekannten Persönlichkeiten geschaffene Aufzeichnungen in Bezug zur heutigen Zeit.
Eine spontane Idee: Wie wäre es, mit einem Dialog der Künste? Wie würden bzw. wie setzen sich Künstler.innen von heute mit den Themen vergangener Zeiten auseinander? Welche Fragen von damals beschäftigen uns auch heute? Welche Antworten können wir in der Vergangenheit für unsere Gegenwart und vielleicht auch für die Zukunft finden?
Zwei praktische Ideen: Vielleicht könnte die Website eines Museums nicht nur den üblichen Text zur Ausstellung veröffentlichen, sondern auch weitere Informationen, Links, Tipps für Bücher und andere Veröffentlichungen zusammenstellen. Dann könnte ich dies als Ausgangsbasis für meine Recherchen verwenden und darauf Bezug nehmen. Bisher bin ich auf das angewiesen, was ich über eine Suchmaschine finde. Bevor ich aber zu Hause recherchiere und nachlese, besuche ich sehr gerne den Museumshop. Dort schaue ich nach Katalogen, Büchern und Postkarten. Ich liebe es, in Museumsshops zu stöbern. Ich weiß nicht, ob es wirtschaftlich genug ist, aber vielleicht wäre ein digitaler Museumsshop mit den Angeboten zu den dortigen Ausstellungen oder eine Kooperation mit einem anderen Online-Shop auch eine interessante Idee?

Spiegelung in der TATE Modern in London, 2008, (c) hehocra
Wie informiere ich mich über Neuigkeiten?
Schon allein aus meiner künstlerischen Tätigkeit informiere ich mich über verschiedene Wege zu Kunst und Kultur: Social Media (Facebook, Instagram und Twitter), Webseiten, Blogs und Zeitschriften. Dankbar bin ich auch für Hinweise, die mich aus meinem Netzwerk erreichen.
Kann ich mir Kunst und Kultur nicht nur im Museum sondern auch im Hauptbahnhof vorstellen?
Meist gehe ich bewusst in Ausstellungen, in Galerien und Museen, um mir Kunst anzuschauen. Manchmal begegnet mir aber auch Kunst überraschend, wie vorgestern am Berliner Hauptbahnhof. Bei all dem Trubel, dem Kommen und Gehen, bei den vielen eilenden und suchenden Menschen lässt sich dort keine Kunst vermuten, und es ist fraglich, ob sich bei all der Hektik einen Zugang zum Betrachter finden lässt. Aber genau dort erlebte ich jetzt einen meiner magischen Momente, die ich so liebe. Es geht um die Ausstellung im Berliner Hauptbahnhof World Press Photo, die noch bis zum 20. Oktober 2017 dort sein wird. (Anschließend ist sie im Hauptbahnhof München vom 23. bis zum 30. Oktober 2017.)
Im Vorbeieilen wagte ich einen Blick auf die Ausstellung, wunderte mich noch über die Präsentation an diesem Ort. Und während ich dies dachte, erfasste mich ein Foto von Jonathan Bachmann, das eine junge Frau in einem leichten Sommerkleid zeigt, wie sie sich bei einer Demonstration den schwer bewaffneten, den über und über mit Schutzkleidung versehenen Polizisten stellt. Dieses Bild nimmt mich sofort in seinen Bann und lässt mich stehen bleiben, innehalten. Es berührt mich tief, finde ich darin ein Bild für eine Erfahrung wieder, mit der ich mich gerade innerlich auseinandersetze. Dieser Augenblick ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass uns Kunst und Kultur überall begegnen und in den Bann ziehen kann.

im Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen, 2014, (c) hehocra
In diesem Sinne, herzlichen Dank für die Anregungen zu diesen Gedanken, herzlichen Dank dafür, dass Du bis hierhin gelesen hast. Was sind Deine Gedanken dazu? Wie schaust Du auf Kunst und Kultur?
Noch bis zum 22. Oktober kannst auch Du bei der Blogparade (alle Informationen hier) mitmachen. Ich klicke mich dann mal bei den anderen Beiträgen durch. Bin schon gespannt, auch auf Deinen Kommentar.
Nachtrag: Ich empfehle, die Beiträge mal durchzuschauen, denn es ist bisher schon eine sehr interessante und abwechslungsreiche Vielfalt zusammengekommen. Auch das Deutsche Uhrenmuseum hat einen Beitrag verfasst. Beeindruckt hat mich auch der Beitrag des Bürgermeisters von Illingen. Und dann viel mir ein, dass ich Illingen doch kenne… Vor vielen Jahren habe ich dort einmal an einer Lesung teilgenommen. Das war, als ich für fünf Jahre in Saarbrücken gelebt und gearbeitet habe.
von hehocra | Okt. 3, 2017 | Ostdeutsches |
Der 3. Oktober, ein Feiertag. Bilder mit jubelnden Menschen in den Geschichtsbüchern. Lange habe ich überlegt, ob ich heute einen Beitrag veröffentliche, etwas zum Tag der Deutschen Einheit schreibe, oder nicht. Jetzt ist der Morgen des Feiertages und ich sitze hier und tippe spontan meine Gedanken nieder. Der Tag der Deutschen Einheit, das ist für mich nicht ein Feiertag, wie er es vielleicht sein sollte oder gedacht ist. So viele Gefühle und Ebenen mischen sich. Es fällt mir schwer, sie umfassend und strukturiert zu beschreiben. Verständlich? Vertraue ich nun dem spontanen Tun.
Am 3. Oktober 1990 wurde die Wiedervereinigung beider deutscher Staaten, die sich vierzig Jahre in die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) aufteilten, gefeiert. Das war knapp einem Jahr nach dem Fall der Mauer am 9. November 1989. Was in diesem Jahr alles geschehen ist? Immer noch unbegreiflich. Ein Rausch, eine Geschwindigkeit… Diese Zeit hat Narben hinterlassen. Und heute wird mir klar, dass wir nicht nur die kommunistische und realsozialistische Zeit aufzuarbeiten haben, sondern auch die Zeit der Wende. Das meine ich nicht nur für die Ostdeutschen sondern auch für die Westdeutschen. Die Aufarbeitung ist eine gesamtdeutsche Aufgabe. Schließlich sind wir seit siebenundzwanzig Jahren ein wiedervereintes Deutschland. Auch das Ergebnis der letzten Bundestagswahl macht dies deutlich.

Wende, Fotoinstallation, Ausschnitt, (c) Doreen Trittel
Was war in dieser Zeit? Dabei kann ich nur für mich aus meinen persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen heraus sprechen. Die historischen Daten lassen sich in Büchern oder im Internet nachlesen. Ich war damals 16/ 17 Jahre alt, Teenager. Im Sommer 1990 hatte ich die 10. Klasse mit ihren schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfungen zu bestehen. In Geografie sprach ich von der Po-Ebene, ohne jemals dort gewesen zu sein. Die Ost-Mark wurde abgeschafft, die D-Mark wurde eingeführt. Ost-Produkte wurden zu Spottpreisen verschleudert. Obst wurde marktschreiend unters Volk geworfen. Die Sommerferien verbrachte ich mehrere Wochen an der Ostsee und arbeitete dort in der Küche eines Kinderferienlagers. Nachts lagen wir auf der Tischtennisplatte und schauten hoffnungsvoll in den wolkenlosen Sternenhimmel. Bei einem Ausflug war ich das erste Mal im Heidepark Soltau. In einem kurzen Gespräch mit einem gleichaltrigen Mädchen verheimlichte ich, dass ich aus Ostberlin komme. Ich bemühte mich, hochdeutsch zu sprechen. Im Herbst ging ich aufs Gymnasium. Dort begegnete ich neuen Mitschüler.innen. So manche Herbst- und Wintertage verbrachten wir feiernd und philosophierend. Mein Weg von der Kindheit in der DDR zum Erwachsenwerden in der BRD. Ich besuchte Demonstrationen, die sich für Veränderungen einsetzten. Die Räumung der Mainzer Straße in Berlin Friedrichshain machte mir Angst. Die Erwachsenen waren mit sich beschäftigt; Abwicklung, Arbeitslosigkeit, Aussichtslosigkeit, Ungewissheit, Existenzängste. Westdeutsche kamen ins Land, um ihnen die Welt zu erklären. Von nun an würde alles besser werden. Nur leider fühlte es sich damals nicht so an.
Dieser Artikel macht deutlich, wie willkürlich der 3. Oktober aus und in dieser Zeit im Jahr 1990 hervorgegangen ist: 3. Oktober: Warum der Tag der Deutschen Einheit ein Feiertag ist von Martin Ferber, Augsburger Allgemeine. Das Gefühl der Freiheit verbinde ich persönlich mit dem 9. November 1989: …Ein bedeutender Teil meines Lebens und Mein Licht.
Für mich und für viele meiner Generation wurde es besser. Wir standen an der Schwelle ins Berufsleben, konnten lernen, studieren, reisen. Für viele unserer Elterngeneration wiegt diese Zeit noch schwer. Es war eine Zeit voller Extreme zwischen Euphorie und Überleben. Sie hat uns geprägt. Lasst uns darüber reden und unsere Erfahrungen austauschen.

Wende, Fotoinstallation, (c) Doreen Trittel
Noch mehr gelesen:
Familiensache Wende von Viola Lippmann, MyOstBlog
Wie war das für Euch? Die dritte Generation Ost im Gespräch mit ihren Eltern – ein Buch von Judith Enders (Hg.), Mandy Schulze (Hg.) und Bianca Ely (Hg.) erschienen im Ch. Links Verlag.
Wie die Deutsche Einheit mich dazu gebracht hat, Rechtsanwältin zu werden von Dr. Geertje Tutschka, Edition F
Ich bin schon gespannt, wie sich die Serie Weissensee, dieser Zeit filmisch nähern wird.
… So gibt es sicher noch viele interessante Beiträge, Gedanken, Erinnerungen und Aufarbeitungen zum heutigen Tag. Welche hast Du entdeckt?
von hehocra | Sep. 29, 2017 | Blogaktionen |
Erfolg. Wir wünschen anderen Erfolg. Wir streben selbst Erfolg an. Wir hoffen auf Erfolg. Erfolg wird versprochen. Erfolg wird verkauft. „Erfolg verbessert den Charakter“, sagt William Somerset Maugham. Wir sprechen über Erfolg. Ausbleibenden Erfolg verheimlichen wir lieber.
Oft werde ich, als Künstlerin, nach einer Ausstellung gefragt, ob ich denn erfolgreich war und etwas verkauft habe. Jedes Mal fange ich dann an, mich zu rechtfertigen, denn für mich ist eine Ausstellung trotzdem erfolgreich, auch wenn ich nichts verkauft habe. Meinen wir das gleiche, wenn wir von Erfolg sprechen? Was ist das überhaupt, der Erfolg?

Was ist Erfolg überhaupt?
Was macht ihn aus? Wie ist es, wenn wir Erfolg haben, oder wenn wir keinen haben? Reden wir überhaupt über das gleiche, wenn wir uns gegenseitig Erfolg wünschen und stolz über Erfolge berichten?
Laut der großen Online-Enzyklopädie gibt es „…zahlreiche… Theorien des Erfolgs, deren gemeinsamer Nenner es ist, Erfolg als die Fähigkeit zu interpretieren, seine selbst gesetzten Ziele zu erreichen… Bei Zielen kann es sich um eher sachliche bzw. materielle Ziele… oder um emotionale bzw. immaterielle Ziele… handeln… Einige Wissenschaftler weisen auch auf die Möglichkeit hin, etwas Erreichtes als Erfolg zu betrachten, selbst wenn man es niemals zum Ziel hatte…“
Dieser Versuch einer Erklärung macht eines deutlich: Erfolg ist etwa sehr individuelles. Auch wenn die Rede vom Erfolg einer Oranisation oder auch eines gesellschaftlichen Zusammenhangs ist, bezieht sich der Erfolg immer auf das, was im jeweiligen Kontext verstanden wird. Da sich meine Arbeit als Künstlerin auf meine individuelle Sicht bezieht und ich mich für einen differenzierten Blick einsetze, mache ich mir an dieser Stelle Gedanken darüber, was ich persönlich unter Erfolg verstehe.

Wie definiere ich Erfolg für mich?
Ich fühle mich erfolgreich, wenn ich über mich hinaus gewachsen bin, wenn ich mich meinen Ängsten zugewandt und etwas erfahren habe, mich dann eine Erkenntnis erfüllt und ich das Gefühl habe, weitergekommen zu sein. Dieser persönliche Weg ist auch mit meinem beruflichen Erfolg als Künstlerin eng verbunden. In Collagen, Installationen und Fotografien setze ich mich immer wieder mit Erinnerungen auseinander. Dabei fasziniert mich der Veränderungsprozess von der Vergangenheit über die Gegenwart hin zur Zukunft. Ein Schwerpunkt meiner Arbeiten liegt in meiner ostdeutschen Herkunft. In meinem Blog möchte ich einen Einblick in die Geschichten hinter meinen Werken, in die Prozesse des Werdens geben. Du erfährst, was mich inspiriert und gerade beschäftigt. Du bekommst einen Blick hinter die Kulissen. Ich nehme Dich mit auf Ausstellungen, in denen ich meine Kunst präsentiere, und ich stelle Dir Künstler.innen vor, deren Arbeiten mich beeindrucken. Ich liebe den Moment, wenn sich Menschen durch meine Arbeiten angesprochen fühlen und berührt werden, wenn etwas in ihnen angeregt wird. Ich liebe es, wenn sich dadurch inspirierende Gespräche ergeben, die wiederum in meine Arbeiten einfließen. Ich liebe es, wenn meine Werke meine Kund.innen bereichern.
„Kann man denn davon leben?“
Dieser Frage begegnet ein Künstler immer wieder. Mich künstlerisch auszudrücken, Anregungen zu schaffen, und die Welt mit meinem Tun zu einem besseren Ort zu machen, mich mit Erinnerungen und Veränderungen auseinanderzusetzen, das ist meine Berufung. Ich lebe für und von der Kunst. Aber wenn es allein um den finanziellen Erfolg ginge, dann wäre die Kunst wahrlich nicht der beste Weg. Da gibt es weitaus lukrativere Jobs. Aber der Ruf, künstlerisch tätig zu sein, setzt sich über als gesellschaftlich wahrgenommene Misserfolge und auch über eigene Misserfolge hinweg.

Mein Tipp zum Erfolg?
Egal, was Du tust, worin Du erfolgreich sein möchtest, aus meinen Überlegungen heraus möchte ich Dir gern den Tipp geben: Beschäftige Dich damit, was Erfolg für Dich ausgemacht. Schreibe, male oder klebe in einer Collage, was für Dich Erfolg ist und wie Du Dich fühlen wirst, wenn der Erfolg eintritt. Das schafft Klarheit, sowohl für Dich als auch in Deiner Ausstrahlung nach außen. Es motiviert in Phasen, in denen Du vielleicht zweifelst oder verunsichert wirst. Ich werde künftig mehr hinterfragen, wenn andere von Erfolg sprechen oder ich mich mit anderen über Erfolg unterhalte.
Der Ursprung: eine Blogparade
Herzlichen Dank an Martina Troyer. Sie ist Webstrategin, Sichtbarkeits-Coach und Redakteurin. Durch Zufall bin ich auf ihre Blogparade aufmerksam geworden. Martina Troyer hatte dazu aufgerufen, der Frage nachzugehen: Was ist für Dich Erfolg in Deinem Business? Mal schauen, was den anderen Teilnehmer.innen bei diesem Thema durch den Kopf gegangen ist. Da sind bestimmt interessante Sichtweisen und Anregungen dabei, sich mit dem Wort Erfolg und deren Bedeutung weiter auseinanderzusetzen.

von hehocra | Sep. 25, 2017 | Ausstellungen |
Heute möchte ich mich an dieser Stelle von meinem Projekt im ehemaligen Frauengefängnis Lichterfelde mit ein paar gemischten fotografischen Eindrücken verabschieden. Diese Ausstellung wird auf mehreren Ebenen nachklingen.

Nach der Installation in Zelle 8, Soeht7, (c) hehocra
Ich bedanken mich bei meiner Kollegin Eva Gjaltema. Es war mir eine große Freude, wieder mit ihr zusammenzuarbeiten und unsere Werke gemeinsam auszustellen.

Impressionen vom Aufbau in Zelle 8, Soeht7, (c) hehocra
Zum Abschluss verrate ich Euch noch, dass vier Collagen aus meiner Serie „Frauen – Women“ vor mir in der Zelle 1 präsentiert wurden. Eine spontane Entscheidung, denn manchmal muss auch bei einer Ausstellungsvorbereitung improvisiert werden.

Collagen „Frauen – Women“ in Zelle 1, Soeht7, (c) hehocra
Ein neues Ausstellungsprojekt steht aktuell nicht an. Das gibt mir die Möglichkeit, mir eine Pause zur Inpsiration zu gönnen, und in mir schlummernde Ideen umzusetzen, die jetzt schon eine Weile warten mussten. In meinem Blog geht es, wie gewohnt, mit verschiedenen Themen rund um Kunst, Kreativität und Inspirationen, Erinnerungen und Veränderung weiter.

Fußboden und Installation Zelle 8, Soeht7, (c) Doreen Trittel
Alle Beiträge chonologisch im Überblick:
Ich werde ins Gefängnis gehen
Die Nadeln liefen heiß. Die Finger bluteten.
Meine Installation im ehemaligen Frauengefängnis
Die wunderbaren Bilder meiner Zellengenossin
Ein Gefängnis in der Nachbarschaft
Herzlichen Dank an die Künstlerin BLANCA.Art, die dieses fröhliche Porträt von mir in der Zelle 8 gemacht hat. Es spiegelt für mich den wunderbaren, zauberhaften Wandel an diesem Ort und mit den Themen in meiner Installation. Merci.

Porträt vor der Installation, (c) BLANCA.Art