von hehocra | Sep. 25, 2014 | 30 Jahre... - Kunst & mehr, Ostdeutsches |
Das Zeit Magazin widmet sich jetzt in einer Reihe mit dem Titel „Die ersten 25 Jahre“ den letzten 25 Jahren nach dem Fall der Mauer und der gesamtdeutschen Wiedervereinigung. Den Auftakt machen eine Reihe von interessanten Texten von sehr jungen Ostdeutschen bzw. im Osten nach dem Mauerfall Geborenen: „Tut doch nicht so, als sei alles in Ordnung. Ostdeutsche gibt es nicht mehr, heißt es, die Jungen seien längst gesamtdeutsch. Wirklich? Neun Ostdeutsche schreiben über eine Herkunft mit Hindernissen.“
Meine ostdeutsche Vergangenheit ist für mich ein Thema, mit dem ich mich immer wieder auseinandersetzte. Ich war Teenager, als die Mauer fiel. Bei meinen Kindheitserinnerungen, die eben eng mit der DDR verbunden sind, geht es für mich vor allem um meine eigene Identität und meine Wurzeln. Wo komme ich her? Was hat mich wie geprägt? Welche Rolle spielt meine Kindheit in diesem Land, was es nicht mehr gibt, in meinem Leben heute? Und wann erlebt man das schon mal? Ein Land, das so plötzlich verschwindet? Mit diesen und anderen Fragen setzte ich mich nicht nur in Texten sondern vor allem in meiner Kunst auseinander.

Wende, Fotocollage, Detail, 2016 (c) Doreen Trittel
Interessant ist auch, dass das Ost-West-Thema für mich erst zum Thema geworden ist, als ich nicht mehr in Berlin war. Das fing mit einem längeren Aufenthalt in Luxemburg Ende der Neunziger an und setzte sich mit meinem Umzug nach Saarbrücken und einem mehrwöchigen Aufenthalt in Brüssel vor zehn Jahren fort. Denn irgendwann kam ich immer an den Punkt, wo ich merkte, ich bin anders, ich habe andere Erinnerungen und Erlebnisse, die ich dort mit niemandem teilen konnte. Ich war die Exotin. Ich lebe schon wieder viele Jahre in Berlin (im Westteil), aber das Ost-West-Thema hat mich nicht mehr losgelassen. Ich tue mich immer schwer damit, mich in Veröffentlichungen zum Thema wieder zu finden? Das ist dann eine Frage der persönlichen und individuellen Erinnerungen und Sichtweisen. Mit den viel in schwarz-weiß dargestellten Berichten kann ich selbst nichts anfangen. Mich interessiert das Graue dazwischen, das Graue, was ich selbst auch erlebt habe.
Und dann stelle ich mir auch die Frage, wie ich meiner Tochter eines Tages berichten werde, wie das so war in der DDR. Was wird sie fragen? Wie wirkt meine Vergangenheit und die meiner Eltern und Großeltern in ihr fort, wenn sie über zwanzig Jahre danach mit Pittiplatsch, dem Traumzauberbaum und den Kinderliedern von Gerhard Schöne aufwächst?
Wie ich auch schon in meinem Bericht zu einer Veranstaltung Ostdeutsche Frauen werden sichtbar, die ich besuchte, feststellte: Das Thema ist immer noch aktuell. Es beschäftigt , die Menschen, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise, nach wie vor. Und ich finde es großartig, wenn individuelle Erfahrungen Raum bekommen, wenn wir dadurch die Schubladen auflösen und uns für eine Welt fern der Klischees öffnen können, wenn auch diese Erfahrungen das künftige Geschichtsbild prägen. Und dazu gehören auch die jetzt ganz jungen Stimmen. Denn sie sind der Beweis dafür, dass die unterschiedlichen Vergangenheiten in den Familien, in den beiden deutschen Gesellschaften auch in der Generation der kurz vor oder kurz nach dem Mauerfall Geborenen prägt. Und letztendlich ist es gesamtgesellschaftlich eine Frage der Integration. Denn ich fühle mich als Gesamtdeutsche mit sozialistischem Migrationshintergrund. (Diese für mich sehr treffende Beschreibung fand ich vor vielen Jahren in diesem Spiegel-Artikel.) #de25
von hehocra | Aug. 27, 2014 | Gedichte |
das Leben
spannend, nicht einfach
im Wind surfen
auf den Wellen
aufrecht halten
Konzentration
Freude, Spaß
glücklich dabei
Pause
glatt das Meer
ohne Wind
Kraft schöpfen
angenehm
auf dem Wasser liegen
treiben ohne Langweile
kurzzeitig
Pause
das Leben
wunderbar, voller Genuss
her mit dem Wind
her mit den Wellen
das Brett packen
hinein ins nass
Augenblick
im Sonnenschein
lasst uns
durch das Leben surfen
(c) Doreen Trittel
von hehocra | Aug. 20, 2014 | Fundstücke |
Warum kann ich nicht einfach leben, genießen und zufrieden sein? Zuweilen funktioniert es und ich bin glücklich. Doch dann gibt es Momente, da überfallen mich Gefühle von Rastlosigkeit, weit gefächertem Ehrgeiz und zahlreichen Ideen. Diese stoßen schon in Gedanken an ihre Grenzen der Zeit und des Alltags, was mich dann traurig werden lässt.
aus meinem Tagebuch, 2001
… Dort bin ich mit einer Frau ins Gespräch gekommen, wo ich dann sagte: “…Manchmal beneide ich die Menschen, die mit dem, was sie haben zufrieden sind.” Sie entgegnete: “Ich nicht. Denn diese Leute entwickeln sich nicht weiter.” Ein sehr interessanter Gedanke, der mir bis dato so nicht gekommen ist. Warum eigentlich nicht? Und heute früh im Auto hatte ich den Gedanken, dass es ja eigentlich ein sehr positives Zeichen ist, wenn man das Gefühl hat, dass die Zeit nur so dahin fließt. Denn dies ist die Gewissheit, dass man aktiv ist, dass man lebt, das Leben nutzt. Carpe diem. Also sind das Gefühl, nicht genug zu machen, der Druck, der mich dadurch immer wieder einholt, garnicht negativ zu deuten. Ich lebe.
aus meinem Tagebuch, 2001
Ich bin gern zufrieden und habe mir auch schon öfter gewünscht, vollkommen zufrieden zu sein. Denn ich verbinde damit Glück und Genuß im und am Leben. Aber ich würde mich auf eine Diskussion einlassen… Ja, Unzufriedenheit treibt einen voran, lässt einen nicht stehen bleiben – zumindest nicht diejenigen, die nicht dem Jammern, Klagen und Schimpfen vollends verfallen sind. Doch wäre es nicht schön, voll und ganz zufrieden zu sein, um dann das Leben ohne einen bitteren Beigeschmack genießen zu können? Aber das ist wohl der Lauf der Zeit. Ich muss vollen Genuß wieder lernen…, weil ich schon vorher von dem Gedanken beeinflusst bin, dass die Zeit schnell vorüberziehen wird und ich danach wieder traurig bin… Vielleicht gibt sich das auch mit der Zeit… Wir rauschen an Landschaften vorüber und ich verfalle dem Grübeln, dem Nachdenken über mein Leben. Doch warum lebe ich es nicht einfach? Ich muss es tun, sonst bin ich nicht glücklich.
aus meinem Tagebuch, 2004
von hehocra | Juli 3, 2014 | Textiles |
Am vergangenen Wochenende war wieder die Textile Art Berlin. Sie zeigt zeitgenössische Textilkunst in Form einer Messe, vielen Ausstellungen, Workshops und Modenschauen. In diesem Jahr fand die Messe zum zehnten Mal – auch wieder in der Carl-von-Ossietzky-Schule in Berlin-Kreuzberg – statt. Es ist ein besonderer Ort und die Schülerinnen und Schüler stehen helfend zur Seite. Sie verkaufen Tickets, Lose für die Tombola und haben einen großen Stand mit herzhaften und süßen Leckereien, die leider viel zu schnell alle waren, und und und. Die Schule ist ein wunderbarer Gastgeber der Textilen Art Berlin.
Das Besondere an diesem Jahr war, dass nun – endlich – das Fotografieren auf der Messe generell erlaubt wurde (einzelne Stände mit entsprechenden Hinweisschildern ausgenommen). Dies ist zum einen schön, weil ich Euch dann ein paar fotografische Eindrücke zeigen kann, und zum anderen erleichtert es mir den Besuch enorm. Ich nutze Fotos auch als Notizbuch, als Gedankenstütze. Ich möchte mir gern die ein oder andere Textilkünstlerin merken, nach ihren Werken recherchieren und ihr Wirken verfolgen. So bin ich zum Beispiel ein großer Fan der Arbeiten von Gabi Mett und ihrer Kollegin Judith Mundwiler und von Rita Zepf geworden. Am vergangenen Wochenende habe ich wieder viele für mich neue Namen entdeckt, deren Werke mich sehr beeindruckt haben und von denen ich Euch in späteren Beiträgen gern berichten möchte.

Mich fasziniert an der Textilen Art Berlin immer wieder, wie sich traditionelle Handarbeitstechniken mit modernen Ideen verbinden, und wie sich unterschiedliche Materialien und Techniken ergänzen können. Ich werde noch das ein oder andere von meinem Besuch erzählen bzw. Euch meine Errungenschaften und Inspirationen zeigen.
P.s.: Ich habe schon die ganze Zeit überlegt, wann ich das erste Mal dort war und wie oft dann im Laufe der Jahre… Aber ich kann mich nicht mehr genau erinnern und vermute: 2009 war ich das erste Mal und anschließend insgesamt bisher drei oder vier Mal dort. Ist aber auch nicht wirklich wichtig. Ich könnte es nachlesen, irgendwo in den Untiefen meiner Aufzeichnungen. Ganz genau weiß ich jedoch, dass ich bisher drei Workshops auf dieser Messe besucht habe. Leider kann ich keinen wirklich empfehlen, aber vom diesjährigen Besuch habe ich Euch einiges zu zeigen und zu erzählen… Denn an meinem Werk bin ich noch dran, d.h. ich entwickle gerade etwas und arbeite mit Stoffen, Zeitungsausschnitten bzw. Bildern, mit Nähten und Bändern…
von hehocra | Juni 26, 2014 | Gedichte |
Lebe jetzt!
Das Heute
mit dem Gestern,
dem Morgen
im Herzen friedlich vereint.
Liebevoll das Jetzt umarmen.
Liebevoll die Erinnerungen bewahren.
Liebevoll der Zukunft zulächeln.
Mit der Gewissheit, alles ist möglich!
(c) Doreen Trittel
Nachtrag: Dieses Gedicht wurde 2015 im Roman „Cottage mit Kater“ von Hermien Stellmacher abgedruckt. / Links: Ich und ein Katzenroman?, In netter Gesellschaft
von hehocra | Juni 2, 2014 | Ausstellungen |
Vor einer Woche etwa war ich in der Ausstellung David Bowie, im Martin-Gropius-Bau in Berlin. Ich muss gestehen, dass ich jetzt nicht unbedingt ein Fan von David Bowie bin oder mal war. Irgendwie war das vor meiner Zeit, aber seine Musik höre ich trotzdem hin und wieder gern. Doch das war es nicht, was mich von einem Besuch der Ausstellung abgehalten hätte oder dazu gebracht hat. Mehr war es ein spontaner Entschluss, die Ausstellung doch zu besuchen, denn irgendwie reizte mich der Blick auf die Schaffung, auf das Sein dieses Künstlers, dieser Künstlerfigur, auf sein Werk, das viele, viele Jahre überdauerte und weiterhin andauert. Auch hatte ich unsere Gedanken und Fragen zum KünslerICH von Susannes letztem SalonAbend im Kopf (mein Bericht hier).
…und so war ich fasziniert von den Gedanken David Bowies auf der Suche und dem Entstehen und dem Werden und dem Sein seines KünstlerICHs. Dies zeigte sich in Videoaufzeichnungen und verschiedenen Objekten. Da man in der Ausstellung selbst nicht fotografieren durfte, schlenderte ich mit meinem kleinen Notizbuch und einem Stift durch die Räume und nahm folgende Zitate bzw. Schnipsel mit, die mich besonders ansprachen:
* eine Ein-Mann-Revolution * veränderte mich ständig und schnell * neue Impulse, neue Ideen, den Blick der Menschen auf ungewohntes richten * viele Selbstmorde in der Familie seiner Mutter; er spricht davon, dass er Glück hat, Künstler zu sein * glamouröser Pionier erfundener Identitäten, der soziale Rollen ebenso infrage stellt, wie die Rollen der Geschlechter * erfindet sich, konstruiert eine Identität * Erschaffung außergewöhnlicher Charaktere… dass es möglich ist, zu schauspielern ohne zu spielen und dass ein Charakter in einer von Prominenten durchsetzten Welt seine Bühnenrolle auch außerhalb beibehalten kann * der Charakter trägt Teile mehrerer Personen in sich , die ihn beeinflussten *
…und ich fragte mich dann:
Gibt es einen Unterschied bei der Suche nach dem KünstlerICH und nach dem künstlerischen Ich? Wo bleibt da das wahre Ich? Was ist überhaupt das wahre Ich?
Die Ausstellung ist so vielfältig, wie David Bowie selbst. Wobei das Gezeigte sicher nur ein kleiner Bruchteil seiner selbst darstellt. Interessant fand ich unter anderem folgende Darstellungen bzw. Objekte:
Musik-, Film- und andere Videos (In einem Video erklärt David Bowie seine Inspirationstechnik.), Notizbücher mit Ideen und Gedanken seit den 60er Jahren, irre Kostüme, in Berlin von ihm gemalte Bilder, Storyboards, Fotografien, Briefe, Plakate
ps: Ich muss aber auch erwähnen, dass ich in der Ausstellung an meine körperliche Grenzen kam, was ich immer wieder ärgerlich finde und mich im Kunstgenuss einschränkt. Dies waren zunächst die dunklen Ausstellungsräume. Zur Darstellung der Videos war dies notwendig, aber dann sollte man darauf achten, dass auch alle Erläuterungen bzw. Schilder lesbar sind, was oft aufgrund einer schlechten Ausleuchtung und bedingt durch Schattenwürfe nicht immer der Fall war. Ich weiß nicht, ob es unter der Woche besser ist, aber am Wochenende war es ziemlich voll. Zum Glück hatte ich online eine Karte reserviert, so dass ich nicht in der Schlange vorm Museum warten musste. Aber leider war dadurch die Ausstellung ziemlich voll. Oft stand man sich mich den anderen Besuchern im Weg. Die Luft war schlecht. Es gab kaum Sitzmöglichkeiten. Dadurch habe ich mir nicht jedes Detail der Ausstellung angesehen. …aber das nur am Rande.