von hehocra | Sep. 20, 2017 | Fundstücke |
In meinen vergangenen Beiträgen habe ich viel von der Ausstellung „Macht der Erinnerung“ geschrieben. Heute möchte ich Dir gern ein wenig mehr von dem spannenden Ort, dem ehemaligen Frauengefängnis Lichterfelde in Berlin Steglitz erzählen. Unsere Ausstellung präsentierte sich zum Tag des offenen Denkmals. Die Besucher.innen hatten auch die Gelegenheit das Gebäude, Zellen ohne Kunst und das Gelände zu besichtigen sowie an angeboten Führungen teilzunehmen.

Eingebettet in die Nachbarschaft: Soeht7, Berlin Lichterfelde, (c) hehocra
Wenn man das Frauengefängnis in Berlin Lichterfelde betritt oder Aufnahmen von diesem Ort sieht, kann man kaum glauben, dass es erst vor sieben Jahren, das heißt 2010, geschlossen wurde. Knapp über einhundert Jahre diente das Gebäude als Gefängnis. 1907 wurde es auch als solches direkt neben das Amtsgericht gebaut. Erst in den siebziger Jahren wurde es als Frauengefängnis in Betrieb genommen. In den letzten Jahren waren hier Gefangene im offenen Vollzug untergebracht. Der Hauptteil des Gebäudes besteht aus einem Lichthof. Über dem Erdgeschoss und unter den zwei Etagen prangt ein großes Metallgitter.

Lichthof Soeht7, Berlin Lichterfelde, (c) hehocra
Fast sechs Jahre stand das Gefängnis leer. Ab und zu wurde es als Filmkulisse genutzt. Til Schweiger und Moritz Bleibtreu, sogar George Clooney sollen hier schon gedreht haben. 2016 übernahm Jochen Hahn die Herausforderung an, um aus dem früheren Gefängnis einen kulturellen, kreativen und inspirierenden Ort, heute Soeht7 genannt, zu schaffen. Neben dem Gefängisgebäude gibt es auch eine Kapelle, die 1980 hinzu kam. Hier finden oft Lesungen, Theateraufführungen und andere Veranstaltungen statt. An unserem Wochenende wurde hierfür auch der Innenhof genutzt. Bei herrlichem Wetter wirkt er durch seine verstreuten Sitz- und auch Rückzugsmöglichkeiten fast paradiesisch. Ebenso die Terrasse am Eingang des Geländes. Wer mag, kann hier auch übernachten.

Innenhof und Kapelle links im Hintergrund, Soeht7, (c) hehocra
Das ehemalige Gefängnis ist ein faszinierender Ort für alle, die sich auch für Details begeistern können. Hiervon gibt es sehr viele zu entdecken, witziges, faszinierendes, aber auch beängstigendes und bedrückendes.

Feuermelder, Soeht7, (c) hehocra

Fenster Zelle 8, Soeht7, (c) hehocra

Steckdose, Soeht7, (c) hehocra
Die verschiedenen Kulturangebote und Nutzungsmöglichkeiten geben dem Ort Stück für Stück ein neues Kleid. Das ehemalige Gefängnis ist ein berührender, tief gehender und in vielfältiger Hinsicht ein emotional lehrreicher Ort. Ich bin sehr dankbar, dass ich ein kleiner Teil dieser Wandlung sein konnte und selbst viel erspürt und erfahren habe. Es klingt nach…

Blumen in Zelle 8, Soeht7, (c) hehocra
von hehocra | Sep. 18, 2017 | Ausstellungen, Künstler.innen |
Bei der Ausstellung „Macht der Erinnerung“ hatte ich das große Glück, dass ich mir mit der Künstlerin Eva Gjaltema eine Zelle geteilt habe. Ihr Name und andere Werke von ihr kommen Dir vielleicht bekannt vor. Das erste Mal sind Eva und ich uns durch die Teilnahme an einer Gruppenausstellung im Frühjahr 2016 begegnet. Im darauf folgenden Herbst haben wir im Rahmen eines Projektes intensiv zusammengearbeitet. Seit dem sind wir beide mit anderen Künstler.innen Gründungsmitglieder unserer Gruppe „Kontrapunkt“.

„Macht der Erinnerung“, Soeht7, Eingang und Plakat
Dass wir nun an einer Ausstellung in einem ehemaligen Frauengefängnis teilnehmen und uns dazu entschlossen hatten, uns eine Zelle zu teilen, war eine besondere Herausforderung. Denn diese bestand in der Auseinandersetzung mit den gewaltigen Erinnerungen der Gefängnismauern. Nachdem wir das Gebäude und insbesondere die Zelle 8 das erste Mal besucht hatten, war uns klar, dass wir den dunkelgrau gestrichenenen Wänden etwas ausgleichendes entgegensetzen möchten.
Eva Gjaltema fertigte für diesen Anlass eine neue Serie mit dem Titel „Dancing Women“. Hierin kombinierte sie Bilder aus alten Büchern von Tänzerinnen aus den zwanzigern und Aufnahmen von Zweigen, die sie nach dem Druck übermalt hatte. Vielleicht haben die früher hier eingesperrten Frauen von solch einer Leichtigkeit, vom Tanz, aber sicher von einer schwerelosen Freiheit geträumt.

Dancing Women, Collagen/Mixed Media, 2017, Fotoinkjet print auf Papier gedruckt und Tinte, 19,5 x 24,4 x cm, gerahmt 24 x 30 cm, Eva Gjaltema
Die zweite Serie trägt den Titel „Transparency“. Grundlage bilden hier Fotografien der Künstlerin aus dem Jahre 2008 aus der Tagebuchreihe „Trust me and others“. Diese kombiniert Eva Gjaltema mit Negativen, die sie in einem Fotoalbum von einem Flohmarkt gefunden hat. Die Mischung eigener Erinnerungen mit den Erinnerungen fremder Menschen schafft eine surreale Welt, wie ein Tagtraum.

Transparency, Collagen/Mixed Media, 2017, Foto Inkjetdruck, Negativfilm, Klebeband, 20 x 15,5 cm und 19 x 24,5 cm, gerahmt 24 x 30 cm, (c) Eva Gjaltema, Foto by hehocra

Transparency, Collagen/Mixed Media, 2017, Foto Inkjetdruck, Negativfilm, Klebeband, 20 x 15,5 cm und 19 x 24,5 cm, gerahmt 24 x 30 cm, (c) Eva Gjaltema, Foto by hehocra
Eva Gjaltema ist in den Niederlanden geboren, hat dort studiert, lebt und arbeitet seit einigen Jahren in Berlin. Fotografie nutzt sie, um Zeit und Erinnerungen festzuhalten.
Ausgehend von autobiografischen und familiären Themen macht sie den Einfluss der Vergangenheit auf die Gegenwart durch dokumentarische und persönlich autonome Projekte deutlich. Hierfür bedient sich die Künstlerin nicht nur der analogen und digitalen Fotografie, sondern auch anderer Medien.

Besucherin vor Eva Gjaltema Werken, Soeht7, (c) hehocra
von hehocra | Sep. 14, 2017 | Ausstellungen, Installationen |
Ich bin wieder entlassen worden, habe meine Sachen gepackt und das Gefängnis durch das Tor hinter mir gelassen. Eine Ausstellung in einem ehemaligen Frauengefängnis… Meine Kunst in einer buchstäblich dunklen Zelle… Das war eine Herausforderung, ein Erlebnis, das mich in vielerlei Hinsicht bereichert und durch die zahlreichen Besucher.innen, durch interessante Gespräche erfüllt hat. Heute möchte ich Dir gern meine Installation und die Zelle 8 auch hier in meinem Blog vorstellen.
In den nächsten Tagen, in den folgenden Beiträgen zeige ich Dir auch die Arbeiten meiner Zellengenossin Eva Gjaltema. Du bekommst einen Einblick in das Gefängnis allgemein und wenn Du dann noch magst, erzähle ich Dir von der Kraft der Musik an solch einem Ort und gebe Dir einen Blick hinter die Kulissen des Aufbaus der Ausstellung.
Bist Du bereit? Hinter diesen Mauern verbarg sich vielfältige Kunst in Form einer Ausstellung und eines abwechslungsreichen Programms unter dem Titel „Macht der Erinnerung“ am vergangenen Wochenende zum „Tag des offenen Denkmals“. Es ist das ehemalige Frauengefängnis in Lichterfelde, Berlin Steglitz – heute SOEHT7.

Soeht7, das ehemalige Frauengefängnis Lichterfelde, Berlin Steglitz, (c) hehocra
In meiner Installation habe ich folgende Elemente zu einer Präsentation zusammengestellt:
Opfer-Täter und Täter-Opfer, Patchwork-Decke, 160 x 198 cm, Herrenhemden und Bettbezug aus dem Familiennachlass der Künstlerin, in Handarbeit bestickt und beschrieben, 2017
Steh auf!, Kissen, 77 x 79 cm, Kissen aus dem Familiennachlass der Künstlerin in Handarbeit bestickt, 2014
Schießen für den Frieden (Teil 2), Zielscheiben jeweils 14 x 14 cm, mit Kugelfangkasten 15 x 16 cm, in Handarbeit gestaltet, 2017

Installation in der Zelle 8, ehemaliges Frauengefängnis SOEHT7, Berlin, (c) Doreen Trittel
In der gezeigten Installation beschäftige ich mich mit den Erinnerungen des Ortes, dem ehemaligen Frauen-Gefängnis, gepaart mit meinen persönlichen Kindheits-erinnerungen vor dem Hintergrund der ostdeutschen Geschichte.
Die Patchwork-Decke „Opfer-Täter und Täter-Opfer“ ist meine neueste Arbeit. Ich habe sie anlässlich der Ausstellung „Macht der Erinnerung“ angefertigt. Hierbei setze ich mich mit den Worten „Opfer“ und „Täter“ auseinander. Opfer und Täter, zwei Worte, die sich erst durch unsere Assoziationen, unsere Ein- und Zuordnungen, durch Definitionsversuche und auch durch unser Urteil mit Leben füllen. Der helle Stoff, die einzelnen Quadrate stammen von alten Herrenhemden, die Rückseite von einem alten Bettbezug meiner Großeltern.
Auch das Kissen ist aus dem Nachlass meiner Familie. Die gestickte Aufforderung „Steh auf!“ beschreibt den Wunsch und den inneren Kraftakt, sich zu hinterfragen und zu verändern.
Die Zielscheiben entwickelte ich aus einer Installation mit dem Titel „Schießen für den Frieden, Teil 1“. Die Bearbeitung und damit Zweckentfremdung der Zielscheiben stehen für die Veränderung im Umgang mit den Schatten der Vergangenheit.
Die Kombination dieser drei Arbeiten präsentiere ich erstmalig an diesem Ort. Sie sind alle in Handarbeit und unter Verwendung neuer sowie alter Materialien entstanden. Dieser Prozess wirft immer wieder Fragen auf und löst Veränderungen aus – Stich für Stich, Buchstabe für Buchstabe.

‚Steh auf!‘ und ‚Opfer-Täter und Täter-Opfer‘, Installation, Ausschnitt, (c) Doreen Trittel

Schießen für den Frieden, Teil 2, Installationin der Zelle 8, ehemaliges Frauengefängnis SOEHT7, Berlin, (c) Doreen Trittel

Installation, Details, (c) Doreen Trittel

Soeht7, Besucher.innen, (c) hehocra
An mehreren Tagen hintereinander hinter Gefängnismauern… Mein erster Besuch fühlte sich sehr beklemmend an. Aber mit den vielen vielfältigen, farbenfrohen, musikalischen, spannenden und interessanten Erlebnissen hat sich der Ort für mich mit viel positiver Energie gefüllt. Insbesondere auch durch meine Auseinandersetzung sowie der inspirierenden und wertschätzenden Zusammenarbeit mit Eva Gjaltema in unserer Zelle 8 habe ich das denkmalgeschützte Gebäude als sehr belebend wahrgenommen. Eine faszinierende Wandlung auf mehreren Ebenen.Ich danke allen, allen, die die Gelegenheit, die Zeit und den Mut hatten, uns dort zu besuchen. Ich danke allen, die mich im Vorfeld (Work in Progress) bis hin zur Präsentation vor Ort begleitet und unterstützt haben. Dafür bin ich sehr dankbar und fühle mich reich beschenkt. Herzliche Grüße, Doreen

‚Steh auf!‘ und ‚Opfer-Täter und Täter-Opfer‘, Installation, Ausschnitt, (c) Doreen Trittel
ps: Aber ja, es bleibt ein ehemaliges Gefängnis, in dem einst Menschen eingesperrt wurden…
von hehocra | Sep. 5, 2017 | Ausstellungen, Installationen |
Naja, ich gebe zu, ganz so schlimm war es nicht. Aber ein paar Nadeln litten und auch meine Finger bekamen den ein oder anderen Stich versetzt. Zwischendurch hatte ich Bedenken, ob ich es schaffen würde, alles rechtzeitig fertigzustellen…
Aber worum geht es überhaupt? Am kommenden Freitag, am 8. September 2017 findet die Vernissage der Ausstellung „Macht der Erinnerung“ im ehemaligen Frauengefängnis Lichterfelde, Berlin statt.
Im Mai diesen Jahres erfuhr ich hiervon und machte mir mit meiner Künstlerkollegin Eva Gjaltema Gedanken, was wir ausstellen könnten. An Pfingsten besuchte ich den Ort das erste Mal. Eva und ich teilen uns die Zelle 8. Dies ist eine Doppelzelle mit zwei schweren Metalltüren, mit dunkelgrau gestrichenen Wänden und Decken, mit einem Waschbecken und Spiegel. Ich hatte vorab einige Ideen für diesen Raum, doch als ich das erste Mal dort stand, musste ich sie alle verwerfen. Mit dieser Kraft des Gebäudes hatte ich nicht gerechnet, auch nicht wie sehr die Erinnerungen des Ortes spürbar sind. In dem Moment wurde mir klar, dass in genau diese Zelle etwas Textiles muss. In diesem Raum, an diesem Ort liegen viele Gegensätze. So begannen wir mit unseren Überlegungen wieder von vorn… und ich hoffe sehr, es wird Dich, die Besucher.innen ansprechen.
Im Juni fasste ich den Entschluss für eine textile Installation aus drei Elementen. Eines davon stammt aus dem Jahr 2014 und wurde noch nie veröffentlich. Weitere Elemente habe ich in der ersten Hälfte diesen Jahres entwickelt und in ähnlicher Form bereits beim Kunstfestival 48-h-Neukölln gezeigt. Die zentrale Arbeit für die Ausstellung „Macht der Erinnerung“ hatte ich bisher nur in meinem Kopf. Ich wollte ein Thema aufgreifen, mit dem ich mich bereits 2015 in einer Papier-Mix-Arbeit beschäftigt hatte. Die Idee war da und ich begann, eine Skizze zu machen und einen Zeitplan zu entwerfen. Mir war klar, dass es für mich zeitlich eine Herausforderung wird. Aus alten Herrenhemden, die ich in den letzten Jahren sammelte, schnitt ich 63 gleich große Quadrate und begann, 60 davon nach und nach zu besticken und zu beschreiben. Überall, wo sich Wartezeiten ergaben, holte ich mein Nähzeug heraus. Abends kamen die Textilstifte zum Einsatz. Und es klappte: Wie geplant, hatte ich alle Stoffteile bis Ende August fertig.

Work in progress: Momentaufnahmen, (c) hehocra
Dann kam das Finale vom Work in progress: Die Zusammenstellung aller Einzelteile. So etwas hatte ich bis dahin in diieeser Größe noch nie gemacht. Einige Nähte mussten mehrmals aufgetrennt und neu genäht werden. Zwischendurch bekam ich Zweifel, ob meine gute, alte Nähmaschine durchhalten würde. Dann tauchten Bedenken auf, ob ich überhaupt rechtzeitig fertig werden würde. Wer mir auf Instagram, Facebook oder Twitter folgt, konnte dies beobachten. Der Mut machende Zuspruch, hilfreiche Tipps und teilweise sehr tief gehende Gespräche mit Freunden, Bekannten, meiner Familie und Künstlerkolleginnen halfen mir, diese Tiefs auszuhalten, durchzuhalten und beharrlich weiter zumachen. Pünktlich ist die Arbeit nun fertig geworden und ich bin sehr zufrieden. So hatte ich es mir vorgestellt und gleichzeitig ist es so anders geworden. Ob Ende gut alles gut ist, wird sich dann in der Ausstellung und an den Reaktionen zeigen.
Insgesamt hatte ich aber viel Spaß und Freude bei der Umsatzung meiner Idee. Ich stickte im Zug auf Reisen, auf Spielplätzen, ja sogar auf einem Friedhof, in den Bergen und im Café bzw. Restaurant… und hatte so manch interessante Begegnung.

Selbstporträts mit Stickrahmen, (c) hehocra
Nun bin ich sehr gespannt, wie die Installation mit den drei Elementen in der Zelle wirken und ob mein Konzept aufgehen wird. Die Aufregung steigt. Gleichzeitig freue ich mich auf das Zusammenspiel mit den Arbeiten der Künstlerin Eva Gjaltema. Und ich bin wahnsinnig neugierig auf die anderen Präsentationen der ausstellenden und darbietenden Künstlerinnen und Künstler.
Noch ein Tipp: Ich selbst bin am Freitagabend und am Sonntag im Gefängnis. Am Samstag habe ich Freigang.
** Du bist herzlich eingeladen. Ich freue mich auf Deinen Besuch. **
Ausstellung zum “Tag des offenen Denkmals” am Samstag, 9.9.2017, 11 – 20 Uhr und Sonntag, 10.9.2017, 11 – 18 Uhr
Vernissage: 8. September 2017, 19 Uhr
ORT: ehemaliges Frauengefängnis Lichterfelde, Soehtstr.7, 12203 Berlin
mit Führungen und Programm
Teilnehmende Künstler.innen: Tesfa Ande. M I Eva Gjaltema I Peter Hahn I Angélique Preau I Christine Pöttker I Ulrike Reetz I Marty Sander I Dieter Strothmann I Doreen Trittel I Bodo Viebahn I Gesine Wenzel
Veranstalter: KUNST.RAUM.STEGLITZ. e.V., www.kunstraumsteglitz.de
Die Informationen und den Ausstellungsflyer findest Du auch unter Aktuelles oder in diesem Beitrag von mir: Ich werde ins Gefängnis gehen.

Mit der großen, kuscheligen Volumenfließrolle durch’s sommerliche Berlin, (c) hehocra
von hehocra | Aug. 15, 2017 | Collagen |
Macht, Angst und light – drei Worte, die in meine neue Collagen-Serie gewandert sind. Irgendwie? Nein, manchmal stechen mir einzelne Worte ins Auge und ich frage mich, was sie bedeuten. Zunächst fallen mir die offensichtlichen Assoziationen und Zuordnungen ein. Dann schaue ich weiter, recherchiere und erinnere mich. Spannend wird es auch in der Kombination miteinander: Macht und Angst und light.

Macht, Collage, Papier, 14 x 20 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

Angst, Collage, Papier, 14 x 20 cm, 2017, (c) Doreen Trittel

Light, Collage, Papier, 14 x 20 cm, 2017, (c) Doreen Trittel
von hehocra | Aug. 10, 2017 | Ausstellungen |
Ein Ausstellungstipp für Wien aus London, geschrieben in Berlin. Verwirrend? Dann von vorn: Anfang diesen Jahres war ich in London. Dort besuchte ich die großartige Ausstellung „Feminist Avant-Garde“. Und diese Ausstellung ist jetzt, noch bis zum 3. September 2017, in Wien zu sehen: WOMAN. FEMINISTISCHE AVANTGARDE DER 1970ER-JAHRE aus der SAMMLUNG VERBUND. Und diesen Beitrag schreibe ich von zu Hause, aus Berlin.
Also, wer in Wien lebt, dort gerade Zeit verbringt oder eine Reise plant, dem empfehle ich diese Ausstellung. In über 150 gezeigten Werken hinterfragen über 30 Künstlerinnen das damals noch vorherrschende traditionelle Bild der Frau. Sie stellen sich selbst und ihren Körper schonungslos in den Mittelpunkt. Die Ausstellung ist zum einen ein zeitgeschichtliches Zeugnis der damaligen internationalen Frauenbewegung von Künstlerinnen aus den 70iger Jahren und zum anderen ist sie für das heutigen Engagement in Sachen Gleichberechtigung sehr inspirierend.
Die vielen verschiedenen Werke der ausstellenden Künstlerinnen beeindrucken mich immer wieder und ermutigen mich persönlich, meinen Weg in der Kunst selbstbewusst und offen weiterzugehen, keine Angst vor unbequemen Themen zu haben, sie anzusehen und ihnen in meinen Werken Ausdruck zu geben.

Annegret Soltau, Erinnerung (Schwanger-Sein II), 1979/ 1980, Video

Karin Mack, Zerstörung einer Illusion, 1977, Fotografien

Katalin Ladik, Poemim (Series A), 1978, Fotografien

Katalin Ladik, Video mit Spiegelung im Fenster, London

Francesca Woodmann, o.T., Rome 1977-78, Ausschnitt eines lebensgroßen Fotoabzuges (Tapete im Treppenhaus der Ausstellung, London)

Kirsten Justesen, Sculpture #2, 1969, Fotografie und Karton
Kirsten Justesen ist mir bereits in Berlin begegnet und hat mich mit ihren Werken, darunter auch diese Fotografie mit Karton, sehr beeindruckt: Genau 3: Meine Highlights von der Berlin Art Week (2016).
Die Ausstellung macht sehr beeindruckend deutlich, welchen Einschränkungen Frauen in dieser Zeit noch ausgesetzt waren. Aus diesem Blick heraus kann ich nachvollziehen, weshalb die Künstlerin Marina Abramovic sich bewusst gegen Kinder und damit gegen das Muttersein entschieden hat. (Frühere Beiträge hierzu: Muss ich meine Mutterrolle opfern, um als Künstlerin erfolgreich zu sein? & Rabenmütter und andere Fundstücke) Leider haben es Künstlerinnen und insbesondere Künstlerinnen mit Kindern heutzutage immer noch schwer, sich auf dem Kunstmarkt im Vergleich zu männlichen Kollegen zu behaupten. Darüber hinaus sage ich: Unsere Welt braucht Feminismus.
Unter dem Titel „Feministische Avantgarde: Kunst der 1970er-Jahre – Sammlung Verbund, Wien“ ist auch ein Buch, ein Bildband erschienen: Link zum Buch auf der Verlagsseite.
Hier ist der Link zur aktuellen Ausstellung im „mumok – museum moderner kunst stiftung ludwig wien“: WOMAN FEMINISTISCHE AVANTGARDE DER 1970ER-JAHRE aus der SAMMLUNG VERBUND. Sie ist noch bis zum 2. September 2017 zu sehen.