von hehocra | Nov. 4, 2016 | Vielfalt |
In meinem Monatsrückblick vom Oktober hatte ich Dir ja schon geschrieben, dass Lucia vom Blog Schreibtischwelten und ich uns jetzt auch real kennengelernt haben. Für mich ist es immer ein aufregender Moment. Man kennt sich und kennt sich doch nicht. Eine besondere Mischung ist das. Aber so hatten wir viele Anknüpfungspunkte und Themen, die uns schon vertraut waren, und die wir nun im persönlichen Gespräch gleich vertiefen und ausweiten konnten. Ich habe unseren gemütlichen Nachmittag in einem Café in Berlin Mitte an der Spree, an einem grau nassen Herbsttag sehr genossen.

Lucia hatte darüber hinaus eine außergewöhnlich schöne Überraschung für mich mitgebracht: Eine Collage auf Holz. Dieser ganz besondere Mix, aus Holz, Farbe, Bildelementen und Worten, ist eine vielfältige Kombination, die ich an Lucias Arbeiten sehr schätze. Sie fügt alles gekonnt und stimmig zusammen, dass daraus neue Bildgeschichten entstehen.

Sternstunde mit Schleifen, Collage by Lucia, Schreibtischwelten
Mit Lucias Zustimmung zeige ich Dir ihr Werk hier sehr gerne. Zudem lockte es mich herauszufinden, wer die junge Dame auf dem Bild ist. Den Namen konnte mir Lucia zum Glück sagen: Julie Gräfin Egloffstein. Dann ließ mich der Zusatz aufhorchen, dass es sich hierbei um ein Selbstporträt handelt. Wenn Dir der Name und das Gesicht genauso unbekannt sind wie mir, dann lies weiter. Ich habe mal hier und da im Netz nachgelesen:
Julie Gräfin Egloffstein (* 12. September 1792 in Erlangen; † 16. Januar 1869 in Marienrode) war Hofdame, Malerin und Zeichnerin… Julie Gräfin Egloffstein stammt aus dem fränkischen Adelsgeschlecht der von Egloffstein… Henriette Gräfin von Egloffstein {ihre Mutter; Anmerkung von mir} lernte schon 1795 Johann Wolfgang von Goethe kennen und zog mit ihren fünf Kindern 1799 nach Weimar, wo bereits ein Teil der Egloffsteinschen Großfamilie lebte und in herzoglichen Diensten stand… Ihre ältere Schwester Caroline (1789–1868) wurde Hofdame bei Erbherzogin Anna Amalia, sie Hofdame bei der Großherzogin Luise. In dieser Zeit verkehrten beide Töchter oft im Hause Goethes, der besonders Julie liebte und ihr Gedichte widmete…1826 malte sie Goethe nach mehreren Studiensitzungen in zwei großen Ölbildern. Bis 1829 malte sie Mitglieder der Herzogsfamilie in Weimar, den bayerischen König Ludwig I. und Königin Therese. 1829 reiste sie zu Studienzwecken nach Italien, wurde schnell Teil der deutschen Künstlerkolonie in Rom und zum Ehrenmitglied der römischen Accademia di S. Luca ernannt… In der Burg Egloffstein ist ihr zu Ehren ein Zimmer mit Staffelei und Zeichnungen eingerichtet… (Quelle: Wikipedia, 31.10.2016)
Das Selbstbildnis zeigt in seiner vollständigen Größe (Es handelt sich wohl um ein repräsentatives Ölporträt.) im Hintergrund die fränkische Landschaft mit der Burg Egloffstein. Dann habe ich noch folgendes herausgefunden: Aus dem Buch Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe geht hervor, dass Goethe die folgenden Zeilen der Gräfin widmete:
Derselben
Reisesegen
Sei die Zierde des Geschlechts! –
Blicke weder links noch rechts;
Schaue von den Gegenständen
In dein Innerstes zurück;
Sicher traue deinen Händen,
Eignes fördre, Freundes Glück.
Goethe
Das benannte Buch wurde herausgegeben und kommentiert von Erich Truntz, und ist als als einmalige Jubiläumsausgabe anlässlich des 175. Todestages im Verlag C.H.Beck 2006 erschienen.
Da habe ich doch wieder etwas gelernt. Ein herzliches Dankeschön an Lucia. Einen Besuch ihrer Website Schreibtischwelten kann ich nur empfehlen. Eine inspirierende, kreative Vielfalt. Auch ein Dankeschön auch an Dich, dass ich mit Dir mein neu erworbenes Wissen teilen konnte. In diesem Sinne: Bleib schön neugierig und hab eine schöne Sternstunde mit Schleifen! Viele Grüße, Doreen
von hehocra | Okt. 29, 2016 | Vielfalt |
Heute wäre die Künstlerin Niki de Saint Phalle 86 Jahre alt geworden. Sie wurde am 29. Oktober 1930 unter dem Namen Catherine Marie-Agnès Fal de Saint Phalle in Neuilly-sur-Seine geboren. Ihren Geburtstag möchte ich zum Anlass nehmen, mich an einen berührenden Moment zu erinnern und Dir ein Buch vorzustellen.
Zu erst waren da die Nanas, die bunt bemalten Frauenfiguren, die ich kannte.
…Nanas sind Plastiken…, die mit der Bildersprache der Pop Art sinnliche, farbenfroh gestaltete voluminöse weibliche Körper mit überdimensionierten Geschlechtsmerkmalen darstellen… „Nana“ ist ein vieldeutiger Begriff aus dem Französischen für eine moderne, selbstbewusste, erotische und verruchte Frauengestalt. Mit dem Ausspruch „Alle Macht den Nanas!“ griff Niki de Saint Phalle Mitte der 1960er Jahre den Ideen der Frauenbewegung vor… Die Nanas stehen zunächst für Lebenskraft, Weiblichkeit, freie Gestaltung ohne Hemmungen und Konventionen, sie vereinigen alle Frauen in sich, sind eine umfassende Reflexion der weiblichen Existenz… {Wikipedia: Nana (Plastik)}
Später, als ich in einer Wut geprägten Phase war, machte mich eine Freundin auf die Schießbilder und auf das Leben der Künstlerin Niki de Saint Phalle aufmerksam.
…dies waren Gipsreliefs mit eingearbeiteten Farbbeuteln, auf die sie während der Vernissage schoss. Diese Bilder entstanden zeitlich gesehen vor den Nanas. Mit den Schießaktionen machte sich Niki de Saint Phalle als Künstlerin einen Namen. (Wikipedia: Niki de Saint Phalle)
Kurz darauf stand ich in London, in der TATE Modern unverhofft vor einem dieser Schießbilder, das mich sehr berührte: die Kraft, die Gewalt der Waffe, die Wucht der Kugeln, die Schönheit der Farblinien und -formen, die sich daraus ergeben haben.

Shooting Picture, 1961, Niki de Saint Phalle; London Tate Modern 2013
Kürzlich las ich diesen Biographie-Roman der großen Künstlerin Niki de Saint Phalle. Das Buch brachte mir ihren Weg, ihre Motivationen, überlieferten Gedanken und ihr künstlerisches Werk in Worten nahe. Eine beeindruckende Frau, eine großartige Künstlerin. Sie hat viel bewegt, angestoßen und uns Menschen geschenkt. Allem voran der Tarot-Garten in Italien, den ich leider bisher noch nicht gesehen habe. Warst Du schon einmal dort?

Niki de Saint Phalle. Ein starkes, verwundetes Herz. Romanbiografie, Stefanie Schröder, Herder Verlag, 2014
Die Zeit, um es sich mit einem Buch unter der Decke gemütlich zu machen, hat ja gerade erst begonnen. Also, mach es Dir gemütlich, vielleicht mit diesem Einblick in das Leben und Werk der großartigen Künstlerin Niki de Saint Phalle.
von hehocra | Okt. 25, 2016 | Vielfalt |
Du hast doch sicher auch in Deinem Schrank ein Kleidungsstück, das Du nicht mehr anziehst. Aber Du kannst Dich nicht von ihm trennen, weil damit besondere Erinnerungen verbunden sind. Zehn Künstlerinnen haben ein solches Kleid aus ihrem Schrank hervorgeholt und ein gemeinsames Projekt gestartet. Reihum wurden die Kleider monatlich verschickt. Jede Teilnehmerin widmete sich dem jeweiligen Kleid, fügte etwas hinzu, entfernte etwas, nähte, gestaltete.


Ein Kleid ist mit Kindheitserinnerungen verbunden. Ein anderes hatte den Schmerz einer Trennung aufgenommen, die Wunden geheilt. Ein selbstgenähtes Kleid symbolisiert die über das Leben hinaus untrennbare Verbindung zweier Schwestern. Ein Unterhemd zeigte sich nach seiner Wandlung schon in Rom als Kleid und war bereit für eine weitere Metamorphose. „Tante Liesl“ verrät ihre Herkunft durch den Namen. Das Kleid war einst ein Geschenk von Tante Liesl aus Wien. Ein elegantes, cremeweißes Kleid lässt seine Erinnerungen als Hochzeitskleid nur vermuten. Niemand kennt sie. Dann ist da noch das Kleid, dass für eine Party genäht wurde, die schon mehrere Jahrzehnte zurückliegt, und nun seinen zweiten Auftritt feiert. Das Kleid gegenüber stand dagegen schon unzählige Male bei Fotoshootings und Theateraufführungen im Rampenlicht.


An einem grauen Herbsttag im Oktober, in einem Berliner Hinterhof, in einem hell erleuchteten Atelier erstrahlten die Kleider nach mehrmonatigen Wandlungprozessen erstmals im neuen Glanz: „Ein Kleid geht auf Reisen“. Sie präsentieren sich mit unglaublich vielen schönen, zauberhaften, humorvollen und ungewöhnlichen Details.


Die ebenfalls gezeigten bunten Pakete, begleitende Karten, Gedanken und Notizen aus dem Projekt geben einen kleinen Einblick hinter die Kulissen.


Ich wünsche den Kleidern noch viele erfolgreiche Auftritte. Ich kann sie unbedingt empfehlen. Die Kleider regen in vielerlei Hinsicht zum Fühlen, Spüren, Erinnern und Verändern an. Da sind die Nähkünste und handwerklichen Techniken. Die Erinnerungen bringen uns dazu, uns mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Die Arbeit mehrerer Künstlerinnen an einem Objekt brachten sicher auch Gefühle hervor, die nicht immer angenehm waren. Schlussendlich stehen die Kleider in ihrer Vielfalt für eine bereichernde und inspirierende Kreativität, die ich sehr schätze und ihren Anblick sehr genieße. (Unter uns: Auch Mütze hatte ihre Freude und einen heimlichen Favoriten unter den Kleidern.)


10 Kleider, 10 Künstlerinnen: Sabine Blickenstorfer, Cäcilia Gernand, Conny Kolditz, Anna Rudi, Bianca Schamper, Patricia und Annick Schmidt, Ivo Schwarz, Susanne Suhr, Pia Wessels und Saskia Wunsch.

Weitere Informationen, Fotografien und Links zu den einzelnen Künstlerinnen findest Du unter www.einkleidgehtaufreisen.de


Wenn Du Interesse und die Möglichkeit hast, die Kleider auszustellen, oder einen Ort kennst, wo sie sich gut machen könnten, dann melde Dich einfach. Ich vermittle gern den Kontakt.


ps: Ich habe die Tage auch mal in meinen Kleiderschrank geschaut und tatsächlich ein Kleid gefunden, dass ich demnächst für einen bestimmten Anlass verändern möchte. Ich hoffe, das klappt – vor allem zeitlich gesehen. Ich werde berichten.
von hehocra | Okt. 6, 2016 | Vielfalt |
„Die Freiheit wird einem nicht gegeben, man muss sie sich nehmen.“ Meret Oppenheim (Wikipedia)
Heute jährt sich der Geburtstag dieser großartigen Künstlerin zum 103. Mal. Anlass für mich, mich an die erste Begegnung mit ihren Werken zu erinnern.
Meret Elisabeth Oppenheim (* 6. Oktober 1913 in Charlottenburg, heute Berlin; † 15. November 1985 in Basel) war eine deutsch-schweizerische Künstlerin und Lyrikerin. Sie war eine der wichtigsten Vertreterinnen des magischen Surrealismus. (Wikipedia)
Mir begegneten die Künstlerin und ihre Werke erstmals in der großen Retrospektive im Martin Gropius Bau in Berlin, im Jahr 2013. Ihr Gesicht kannte ich von den Fotografien Man Rays „Érotique voilée“. Aber mehr bis dato nicht. Nicht einmal ihre „Pelztasse“ mit der sie durch den Ankauf durch das MoMa 1936 bekannt wurde. Welch eine Wissenslücke.
Ich weiß nicht mehr, was mich dazu bewegte, diese Ausstellung zu besuchen. Aber ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, was mich überkam, als ich durch die Räume ging, mehr und mehr entdeckte, mehr und mehr fasziniert war. Ihre Offenheit für autobiografische Themen, ihr Humor, ihre Vielfalt in Bildern, Worten und Objekten sowie ihr Mut vor dem Hintergrund ihrer Zeit haben mich unglaublich beeindruckt.

Buch mit Ideen, Notizen, Briefen und anderen Zeugnissen von Meret Oppenheim: Warum ich meine Schuhe liebe. Insel-Bücherei Nr. 1374. Foto by hehocra.
Für beide Fotos hier habe ich meinen BH-Organizer als Kulisse verwendet. Irgendwie dachte ich, das passt ganz gut, insbesondere zum Inhalt des Büchleins „Warum ich meine Schuhe liebe.“ Hierin werden zahlreiche modische und humorvolle Ideen und Projekte dargestellt.
von hehocra | Sep. 26, 2016 | Vielfalt |
In der vorletzten Woche fand die Berlin Art Week statt. Zum fünften Mal stellt diese Aktion die zeitgenössische Kunst in den Mittelpunkt…
…und bündelt Ausstellungen, Messen, Kunstpreise, sowie Rahmenprogramme mit Talks, Film- und Führungsangeboten. Zudem gewährt die Berlin Art Week immer wieder neue, überraschende Einblicke in private Sammlungen, Projekträume und die Produktionsorte der Stadt… (Berlin Art Week)
Wie in den letzten Jahren leider auch schon konnte ich zeitlich nur einen kleinen Einblick gewinnen. Aber immerhin, denn mein Besuch eines Kunststandortes hat mir interessante Perspektiven und inspirierende Darstellungen aufgezeigt. Diese möchte ich Dir gern zeigen, von der abc – art berlin contemporary in der Station am Gleisdreieck.
Meine erste Entdeckung: die Fotografien von Kirsten Justesen. Im Nachhinein habe ich mich auf ihrer Website umgesehen und entdeckte faszinierende künstlerische Auseinandersetzungen. Und dann lese ich, dass sie auch in der Ausstellung Feminist Avant-Garde of the 1970S in London, in The Photographers‘ Gallery vom 7. Oktober 2016 bis zum 15. Januar 2017 vertreten sein wird. (Diese Ausstellung hatte ich mir schon vorgemerkt gehabt, für den Fall, dass ich in dieser Zeit vielleicht irgendwie nach London komme.)


Noa Eshkol war nicht nur eine Künstlerin sondern auch eine israelische Tänzerin und Tanzpädagogin. Ihre Wandteppiche gestaltete sie aus Stoffresten, die sie ohne Zuschnitt auf alte Armee- und Tagesdecken nähte. Davor zu stehen, war sehr beeindruckend. Und irgendwie erinnerten mich die Muster und Materialien an meine Kindheit.


Aya Haidar präsentierte Postkarten, die sie, wie sich erst auf den zweiten Blick zeigte, bestickte: „Wish you were here“. Es sind alte Postkarten von Urlaubsorten aus Europa, deren Badegäste sie mit orangefarbenen/ roten Fäden, die Schwimmwesten darstellen, bekleidet. Europa und Menschen mit Schwimmwesten… Eine beeindruckende und sehr berührende Auseinandersetzung.


Dies waren meine Highlights von meinem kleinen Einblick in die Berlin Art Week. Warst Du auch dort? Was hast Du interessantes, beeindruckendes, berührendes entdecken können?
In meinem nächsten Beitrag werde ich auch nochmals auf diesen Besuch zurückkommen. Da geht es dann um Präsentationsformen bzw. -möglichkeiten. Vor einigen Wochen war dies Thema bei Susanne Haun – anlässlich Ihres letzten Salonabends im August und der gleichzeitig stattfindenden Ausstellungseröffnung „Wegschütten“: „Möglichkeiten der Präsentation von Kunst“ …aber wie gesagt, dazu dann im nächsten Beitrag mehr.
Zum Schluss noch ein Klassiker. Entschuldigt, aber dieses Motiv flehte mich förmlich an, es zu fotografieren und danach zu fragen: Ist das Kunst, oder kann das weg?

😉
von hehocra | Sep. 5, 2016 | Vielfalt |
Eine neue Welt entdecken
auf der Erde
fern der Heimat
eine neue Welt entdecken
unbekannt
schön
neugierig auf das Fremde
anders
Landschaften
Pflanzen
Tiere
Menschen
ein lächelndes Gesicht
zu Hause
(c) hehocra
Dieses Gedicht ist schon einige Jahre alt, aber es passt gerade für mich zum Ausklang der Sommerreisezeit. Der Alltag steht vor der Tür und irgendwie mag ich ihn noch nicht wirklich hineinlassen… Die Gedanken schwelgen noch in frischen Erinnerungen…
Ich hoffe, Du bist gut in den September gekommen und es liegen schöne Tage vor Dir. In diesem Sinne, sonnige Grüße, Doreen
ps: Nicht vergessen, morgen geht der Bilder-Pingpong wieder los. Dies Sommerpause ist beendet. Ich bin gespannt, welches Bild uns als Inspiration dienen wird. (Infos zum Bilder-Pingpong; Bilder-Pingpong hier bei mir)