Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass

Ein Buch** von Ines Geipel (Werbung ohne Auftrag)

Im Roten Salon der Volksbühne in Berlin stellte Ines Geipel im März 2019 ihr neues Buch „Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass“ im Rahmen einer Gesprächsrunde vor. Mit dabei waren Roland Jahn, Journalist und Leiter der Stasiunterlagenbehörde BStU, und Jens Bisky, Journalist und Autor, der auch durch den Abend führte.

Ines Geipel erinnert in diesem Buch an ihren jüngeren Bruder, der im vergangenen Jahr überraschend starb. Gleichzeitig behandelt sie historische und gesellschaftliche Themen des Nationalsozialismus und der DDR, die eng mit ihrer Familiengeschichte verwoben sind. Ines Geipel ist 1960 in Dresden geboren. Ihre Eltern waren Kriegskinder. Ihr Großvater war aktives Mitglied der NSDAP und Funktionär. Ihr Vater leitete in der DDR als Direktor den Pionierpalast in Dresden und war gleichzeitig Stasi-Agent. Er hatte mehrere Identitäten und observierte Menschen in West-Deutschland. 

Jens Bisky stelle an dem Abend im Roten Salon interessante Fragen, die in mir nachklangen. Zum Beispiel ob die Vergangenheit in unserer Kindheit präsent war…

 

Ines Geipel, Jens Bisky, Roland Rahn (sitzend v.l.n.r.) bei der Buchvorstellung im Roten Salon, März 2019

Ines Geipel, Jens Bisky, Roland Rahn (sitzend v.l.n.r.) bei der Buchvorstellung im Roten Salon, Berlin im März 2019

 

In meiner Auseinandersetzung

In der Auseinandersetzung mit meiner Familiengeschichte komme auch ich nicht an der ostdeutschen und gesamtdeutschen Geschichte vorbei. Ich spüre, wie sehr meine Familie und meine Prägungen mit den politischen Systemen verwoben sind. Ja: Das Politische ist privat. Das Private ist politisch. Wenn ich mich mit meiner ostdeutschen Kindheit und meinen Erfahrungen als Tochter eines hauptamtlichen Mitarbeiters der Stasi beschäftige, komme ich auch am Nationalsozialismus und den 2. Weltkrieg nicht vorbei. 

Kurz vor der Buchvorstellung war ich an einem Wochenende in Weimar und besuchte die Gedenkstätte Buchenwald. Im Mittelpunkt standen meine Recherchen zum Speziallager Nr. 2, das in der Zeit von 1945 bis 1950 in der Sowjetischen Besatzungszone neben anderen als Kriegsgefangenenlager genutzt wurde – ein großes Tabu in der DDR. (Hierüber werde ich Dir noch in einem eigenen Blogbeitrag berichten.)

 

Von Mythen und Entlastungserzählungen

Ines Geipel schreibt in ihrem Buch vom Buchenwald-Mythos… Ich hatte mich bis dahin damit noch nicht beschäftigt. An diesem Beispiel wird mir einmal mehr bewusst, wie sehr wir Ostdeutsche, die in der DDR zur Schule gingen, mit einem falschen Geschichtswissen aufgewachsen sind und wie sehr uns dieses heute noch beeinflusst. (Diese Frage, ob es auch schon weitergegeben wurde bzw. wird, bleibt offen.) Ines Geipel beschäftigt sich mit dem Film „Nackt unter Wölfen“, ein Buch, das auch ich in der Schule gelesen habe und deren Geschichte mich sehr berührte. Erst heute hinterfrage ich auch das…

Es gibt viele Entlastungsgeschichten, wie Ines Geipel sie nennt, die noch in unseren Köpfen sitzen, die uns erzählt wurden und die wir selbst sogar erzählen, um nicht dahinter zu schauen. Doch es gibt noch viele Geschichten, die bis heute nicht erzählt sind, die wir erzählen und hören müssen, um zu sehen, was offengelegt wird.

 

Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass - Ein Buch von Ines Geipel, 2019

Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass ** von Ines Geipel – im Roten Salon bei der Buchvorstellung im März 2019, Foto by Doreen Trittel

 

Über das Buch hinaus

Das Buch, die Gesprächsrunde zur Buchvorstellung und die Interviews, die Ines Geipel in diesem Zusammenhang gibt, bringen mir neue Erkenntnisse und gehen tief. Ja, vieles hat auch mit mir zu tun. Es gab Passagen, bei denen ich Tränen in den Augen hatte. Ich finde Parallelen. Gleichzeitig erschließen sich mir eine neue Sichtweise in der Generation Mauerkinder. 

Ines Geipel spricht die Themen an, die unbequem sind. Doch wir müssen uns unsere Vergangenheit und unsere Verstrickungen darin auf verschiedenen Ebenen schonungslos anschauen. Nur so können wir verstehen, wie wir als einzelne Person, als Familie und als Gesellschaft geworden sind, und Veränderungen herbeiführen, die wir in allem dringend nötig haben. 

Im Zuge der Buchveröffentlichung gibt Ines Geipel verschiedene Interviews, die ich als Ergänzung zum Buch gern empfehlen möchte. Hier eine kleine Auswahl:

 

 

Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass**
Ein Buch von Ines Geipel, erschienen im Klett-Cotta Verlag, 2019

Heute, am 23. April ist der Welttag des Buches, der 1995 von der UNESCO als Feiertag der Bücher und des Lesens sowie der Rechte der Autoren ins Leben gerufen wurde.

 

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Diesen Blogbeitrag habe ich ohne Auftrag geschrieben. Das Buch empfehle ich, weil es mich persönlich bereichert.

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