Sich erinnern, um gegen den Strom zu schwimmen

Sich erinnern, um gegen den Strom zu schwimmen

Heute wäre Christa Wolf 90 Jahre alt geworden. Seit Wochen werden auf Twitter tief gehende Zitate aus ihren zahlreichen Büchern unter den Hashtags #ChristaWolf90 #ChristaWolf geteilt.

Christa Wolf (* 18. März 1929 in Landsberg an der Warthe als Christa Ihlenfeld; † 1. Dezember 2011 in Berlin) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie zählte zu den bedeutendsten Schriftstellerpersönlichkeiten der DDR. Ihr Werk wurde in viele Sprachen übersetzt… 2002 wurde Christa Wolf für ihr Lebenswerk mit dem erstmals verliehenen Deutschen Bücherpreis geehrt, weil sie sich, so die Jury, »mutig in die großen Debatten der DDR und des wiedervereinigten Deutschland eingemischt« habe… (Quelle: Wikipedia, März ´19)

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Auch mein Leben hat sie mit ihren ihren Texten begleitet. Gerade in den 90ern las ich viele ihrer Bücher. Ganz besonders hat mich ihr Buch „Ein Tag im Jahr 1960 – 2000“, das sie mit dem Buch „Ein Tag im Jahr im neuen Jahrhundert 2001 – 2011“ fortgesetzt hat, beeindruckt. Christa Wolf beschreibt ihren 27. September – vierzig Jahre lang, von 1960 bis 2000. Sie gewährt offene Einblicke in Ihr Leben vor allem als Frau, Mutter und Schriftstellerin. Als ich 2009 das erste Buch gelesen hatte, fielen mir damals nur folgende Worte ein:

Wort~Tropfen: ein Tag * Schlaglichter * spannende Zeitreisen * Alltagsrituale * Gewohnheiten * Politik * Gesellschaft * Nachdenken * Überdenken * Hoffnung * Wünsche * Sehnsüchte * Probleme * Zweifel * ehrlich * offen * Träume * Schlaf * Familie * Freunde * Kollegen * Arbeit * Schreiben * immer wieder schreiben * Gedanken * Respekt * ein Leben * Fragmente

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Die Fotos hier zeigen Bücher, die (noch) in meinem Regal stehen. Gleichzeit möchte ich auch das Buch „Sei dennoch unverzagt“ von Jana Simon, der Enkelin von Christa Wolf empfehlen. Sie hat mit ihren Großeltern Gespräche geführt, die in diesem Buch veröffentlich wurden. Hier habe ich das Buch kürzlich vorgestellt.

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„Sich-erinnern ist gegen den Strom schwimmen,
wie schreiben – gegen
den scheinbar natürlichen Strom des Vergessens,
anstrengende Bewegung.“

(aus „Die Stimme der Medusa. Schreibweisen von Frauen in der Gegenwartsliteratur“ von Sigrid Weisel, 1987)

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Mehr zu diesem Buch der Enkelin Jana Simon
in meinem Blogbeitrag hier: Fragen an die Großeltern: Sei dennoch unverzagt

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Einblick in „Eine Biographie in Bildern“

 

…in Erinnerung an eine große Schriftstellerin unserer Zeit.

Schreiben, schreiben und nochmals schreiben

Schreiben, schreiben und nochmals schreiben

 

Schreib-Beginn

innehalten
zur Ruhe kommen
sich besinnen
dem Innersten zuwenden
die Welt vergessen
wie bei einem guten Roman
ganz bei sich sein
Schreibfreude
Mut & Neugier
sich selbst vertrauen
mit Selbstvertrauen

 

Schreib-Fluss

scheinbar wirr
dennoch schreiben, schreiben
die Worte lesen, ihnen nachfühlen
welche Zeilen ziehen den Blick auf sich?
ihnen nachforschen, schreiben
schreiben, was auch immer daraus entsteht
ein Gedicht, eine kurze Geschichte
oft liegen Tage, Wochen, sogar Jahre dazwischen
den Text aus der Schublade holen, spielen
suchen nach Fragen, sie stellen, Antworten finden
den eigenen Weg gehen

 

Collagen auf Seiten eines BGB-Kommentars, je 16x57 cm, 2016 (c) Doreen Trittel

Collagen auf Seiten eines BGB-Kommentars, je 16×24 cm, 2016 (c) Doreen Trittel

 

Schreib-Angst

von nagenden Gedanken geplant
sie verstoßen, nicht hören
nicht auf den Grund gehen
erst recht nicht schreiben, keine Ziele
dann stehen sie da, schwarz auf weiß
sind die Gefühle fixiert, verortet, ans Tageslicht gebracht
was holt der Stift hervor? Angst
Wunschtraum: weiß das Blatt, unschuldig, schneeweiß
doch die Worte fließen
der Stift gleitet
er schreibt und schreibt

 

Schreib-Ziel

schreiben allein
oder mit anderen
den roten Faden finden
der Poesie des Lebens folgen
bis auf den Grund des Meeres
Erinnerungen, Erfahrungen
ihnen die Hand reichen
begleitet vom Licht
aufsteigen federleicht
gewachsen
befreit

2007, (c) Doreen Trittel

 

Schreiben für…, Collage auf einer Seite eines BGB-Kommentars, 16x24cm, 2016, (c) Doreen Trittel

 

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Dieser Beitrag erscheint im Rahmen der Blogaktion 28 Tage Content von Anna Koschinski.

Sommer 1985 – Immer bereit!

Sommer 1985 – Immer bereit!

Im Sommer 1985 war ich in der Pionierrepublik am Werbellinsee. Das war eine große Auszeichnung, daher traute ich mich niemandem zu erzählen, dass ich mich einfach gemeldet hatte, als eine Lehrerin in den Klassenraum der Russisch-AG (Arbeitsgemeinschaft) rief: Wer möchte…? Auch wenn mir das niemand glaubt… Egal.

 

…1949 beschloss der Ministerrat der DDR den Bau der Pionierrepublik… Die Pionierrepublik Wilhelm Pieck orientierte sich in ihrer Gestaltung weitgehend am sowjetischen Allunions-Pionierlager Artek auf der Krim. Nachdem sie in den Anfangsjahren als Erholungsstätte für Kriegswaisen fungierte, diente sie in den Folgejahren bis 1989 der politischen Erziehung von Mitgliedern der Pionier- und FDJ-Organisation der DDR.

Nach Erweiterungen und Umbauten hatte die Anlage 1989 eine Fläche von insgesamt 1,1 km². Zu den Einrichtungen auf dem Lagergelände gehörten eine Kinderkrippe, eine Polytechnische Oberschule, Sporthallen, Cafés und eine mongolische Jurte.

Die Gesamtzahl der Besucher der Pionierrepublik wird auf etwa 400.000 geschätzt. Ab 1961 wurden auch internationale Sommerlager gestaltet, an denen auch Kinder ausländischer sozialistischer und kommunistischer Jugendorganisationen, auch aus westlichen Ländern, teilnahmen… (Wikipedia)

 

Flyer auf Pappe, hängend

Sommer 1985, 1/2, 33 x 47 cm, 2012, (c) Doreen Trittel

 

Vor einigen Jahren habe ich diese Erfahrung zum Thema einer Installation gemacht. Sie beinhaltet den offiziellen Flyer und mein persönliches Tagebuch von damals.

Ja, meine Tage dort – es waren 6 Wochen – waren von Pionieraktivitäten geprägt: ständig das Halstuch tragen, zu besonderen Anlässen die komplette Pionierkleidung, Frühsport, Fahnenappelle, Wandzeitungen, Arbeiten in der Produktion, Kranzniederlegungen… Auf der anderen Seite erinnere ich mich an: Freunde, Nachtwanderung (eine erlaubte und eine nicht erlaubte), Eisessen, baden, Dampferfahrt, Feste, Theater und meinen ersten Kuss…

 

Tagebuch auf Pappe, hängend

Sommer 1985, 2/2, 33 x 47 cm, 2012, (c) Doreen Trittel

 

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Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Blogaktion 28 Tage Content von Anna Koschinski. Gleichzeitig ist er ein Teil meiner Aktionen rund um das Jubiläum 30 Jahre Mauerfall.

Schulfete war langweilig

Schulfete war langweilig

Als vor 30 Jahren die Mauer fiel, war ich gerade in der 10. Klasse. 1990 wechselte ich aufs Gymnasium, das ich zwei Jahre später abschloss. Wir waren damals der letzte Jahrgang, bei dem die Schule nach 12 Jahren endete. Nach uns wurde das 13. Schuljahr im Osten Deutschlands eingeführt.

Kürzlich habe ich diese Erinnerungsschnipsel aus alten Tagebüchern von mir gefunden:

07.02.1991 Heute war Schulfete. War langweilig.

30.05.1992: Die Schule liegt nun hinter mir. Gestern hatte ich die letzte Prüfung. Danach war ich total happy, dass es vorbei ist. Außerdem habe ich die Lehrer verblüfft und in Mathe (mündlich) eine 2 gemacht – ´ne 2!!

Dazu muss ich sagen, dass ich zuvor in der schriftlichen Prüfung Mathe durchgefallen war. Ja, das war nicht meine Stärke. Aber auch die Umstände machten diese Prüfungen nicht einfach. So stellte sich im Nachhinein erst heraus, dass ich garnicht die mündliche Prüfung in Biologie hätte machen müssen… Für Französisch gab es nur einen Leistungskurs bei dem ich schon von Anfang an nicht mithalten konnte… Die Lehrerinnen und Lehrer waren sehr verunsichert. Die Note 6 wurde eingeführt… Doch ich hab’s ja geschafft.

In einer anderen Notiz habe ich mit freudigen Ausrufezeichen festgehalten, dass der Samstagsunterricht am 10. Dezember 1989 – zumindest in der Schule, die ich zu dieser Zeit besuchte – abgeschafft wurde. Das ist eigentlich ein denkwürdiges Datum, doch in meinen Gedanken war es leider nicht mehr präsent. Ich bin froh, dass mich mein Jubel über ein Wochenende, bestehend aus vollen 48 Stunden, dazu veranlasste, diesen für viele Schüler historischen Tag festzuhalten. Wenn ich dies heutigen Schüler.innen erzähle, schütteln sie erstaunt den Kopf: Samstags zur Schule?!?

 

Diese Installation zeigt, in welcher Lebensphase ich mich damals, als die politischen und gesellschaftlichen Veränderungen kamen, befand. Sie besteht aus meinem alten Hausaufgabenheft, Fotografien, Zeichnungen und Kopien aus einem Steckbriefbuch. 

Gesamtansicht, Erinnerungsstücke, 9. November 1989

9. November 1989, Installation, Detail, 85×65 cm, 2012, (c) Doreen Trittel

 

Collage mit Zeichnungen und Fotografien

9. November 1989, Installation, Detail, 2012, (c) Doreen Trittel

 

Schulheft

9. November 1989, Installation, Detail, 2012, (c) Doreen Trittel

 

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Dieser Artikel erscheint im Rahmen der Blogaktion 28 Tage Content von Anna Koschinski. Gleichzeitig ist er ein Teil meiner Aktionen rund um das Jubiläum 30 Jahre Mauerfall.

Neugierig? – 13 Dinge über mich, von denen Du noch nichts weißt.

Neugierig? – 13 Dinge über mich, von denen Du noch nichts weißt.

Das Neue Jahr liegt wie ein weißes, reines Blatt Papier vor mir, zumindest wenn ich ans Bloggen denke. Ich bin mitten in einem neuen Projekt für Euch, das ich Dir in den nächsten Tagen vorstellen möchte… Da fiel es mir schwerer, das weiße Blatt mit Leben zu füllen. Aber gestern Nacht kam ein Inspirationsfunken zu mir geflogen: Mehrere in meiner Timeline haben mehr als zehn Dinge, spannende Fakten über sich verraten, so dass mir jetzt auch einige ‚Geheimnisse‘ in den Sinn kamen, von denen ich Dir bestimmt noch nicht erzählt habe. Also springe ich jetzt noch schnell auf die Blogparade von Birgit Schultz von Marketing-Zauber auf. Viel Spaß bei meinen Einblicken und augenzwinkernde Grüße von mir.

 

Selbstporträt, 2015, (c) Doreen Trittel

Selbstporträt, 2015, (c) Doreen Trittel

 

1. Funktion: In der Schule, in meiner Klasse war ich Wandzeitungsredakteur. Das war in der Pionierorganisation neben dem Gruppenratsvorsitzenden, Agitator, Kassenführer… eine der zu übernehmenden Funktionen, für die man von allen Pionieren der Klasse gewählt wurde. Ich hatte Spaß daran, weil ich da Bilder suchen, ausschneiden, sammeln und schön anordnen durfte. Etwas besonderes war es, wenn ich passende Objekte mit einbauen konnte. Das Gestalten stand für mich im Mittelpunkt. An die Inhalte darf ich garnicht denken.

2. Vernünftig: Als Kind und auch später war ich immer (oder meistens) die Vernünftige. Ich war ja auch die Älteste von allen Kindern in der Familie… Heute bin ich, soweit ich recherchieren konnte, die erste Künstlerin und schaffe Arbeiten, die mit meiner Familiengeschichte zu tun haben, und die ich dann auch noch veröffentliche…

3. Weihnachtsfrau: Als ich klein war, stand ich gern auf der Bühne. Ich habe sogar mal mit dem Morgenmantel meiner Mutter den Weihnachtsmann gespielt. Heute würde ich ja sagen: Weihnachtsfrau.

 

Selbstporträt, analog, Ende 90er, (c) Doreen Trittel

Selbstporträt, analog, Ende 90er, (c) Doreen Trittel

 

4. Suse: Beim Neptunfest im Ferienlager wurde ich mal auf den Namen „Suse von Schneckenhausen“ getauft. Das habe ich schon damals nicht verstanden und mich mit dem Namen nicht verbunden gefühlt.

5. Schießen: Wenn Du meine Arbeit „Schießen für den Frieden“ kennst, dann weißt Du, dass ich als Kind Manöverübungen mitgemacht, im Sport Handgranatenweitwurf hatte und schießen gelernt habe. Damals war das normal. In meiner Installation setze ich mich damit kritisch auseinander. Aber es gab eine Zeit, in der ich es gemocht habe zu schießen. Es war ein Gefühl der Herausforderung, besser zu sein als die anderen. Ich hatte den Ehrgeiz, bei der Zielscheibe ins Schwarze zu treffen.

6. Post austragen: Als in der DDR der erste Walkman für Kassetten herauskam, habe ich bei der Post gearbeitet. Ich habe mitten in der Nacht Zeitungen ausgetragen und in der zweiten Runde dann die Briefe. Im Sommer habe ich irgendwo in der Prignitz in einer Kantine für Eisenbahner Kartoffeln geschält und rostige Fahrradständer abgebürstet. Ich war so glücklich, dann einer anschließenden Reise in die Ferien im Zug meine Musik hören zu können. Da waren die eisigen Finger vom Briefe einsortieren im Winter und die dunklen und verwinkelten Hinterhöfe in Berlin Friedrichshain, wo auch noch Briefkästen versteckt waren, vergessen, auch die rostigen Eisenspähne, die mir um die Ohren flogen. An die Zeit beim Kartoffeln schälen mit den Kolleginnen dort habe ich als lustig und fröhlich in Erinnerung.

 

Selbstporträt, analog, Mitte 90er, (c) Doreen Trittel

Selbstporträt, analog, Mitte 90er, (c) Doreen Trittel

 

7. Berufswunsch 1: Früher wollte ich Lehrerin werden, für Russisch. Oh ja. Aber man bescheinigte mir, dass ich kein Talent für Sprachen hätte. Und dann kam der Mauerfall und dieser Wunsch zerplatzte wie eine Seifenblase. Später habe ich erkannt, dass dies dann wohl doch nicht mein ureigenster Wunsch war.

8. Berufswunsch 2: Dann träumte ich davon, Schriftstellerin zu werden. Ich habe viel geschrieben, Notizen für Bücher gemacht, Kurse besucht, Bücher gelesen. Aber irgendwie ging mir das nicht leicht von der Hand. So bin ich bei der Poesie, die mit wenigen Worten auskommt, hängen geblieben. Und dann gab es auch auch schon die Möglichkeit des Bloggens.

9. Sicherheit: In der Orientierungslosigkeit nach dem Mauerfall, stand Sicherheit ganz oben. So bin ich gleich nach dem Abi in den öffentlichen Dienst gekommen. Dort war ich an verschiedenen Stellen und an verschiedenen Orten. Aber die Kunst war immer da. Es brauchte meine Zeit bis ich mich selbstbewusst auch als Künstlerin sah und damit die Bühne betrat.

 

Selbstporträt, analog, 1999, (c) Doreen Trittel

Selbstporträt, analog, 1999, (c) Doreen Trittel

 

10. Auto: Knapp hätte ich meinen Auto-Führerschein noch vor meinem 18. Geburtstag gemacht. Doch dann bin ich in der praktischen Prüfung durchgefallen. Ich war so traurig und sauer darüber… Da habe ich dann meine analoge Kamera genommen und erste Selbstporträts, analog sw, gemacht. Das hat mir darüber hinweggeholfen und zwei Wochen später habe ich die Prüfung dann auch geschafft.

11. PS: Ich bin mir nicht sicher, ob ich das schon mal erwähnt habe. Ich habe mit Ende Zwanzig den Motorrad-Führerschein gemacht. Das war damals ein großer Traum von mir. Die Prüfungen hierfür hatte ich gleich beim ersten Mal bestanden. Doch auf dem Weg zur praktischen Prüfung hatte ich mich mit dem Motorrad erst einmal hingelegt, weil ich in beim Abbiegen zu langsam war. Da musste ich mir vom Fahrlehrer eine Standpauke anhören. Mein eigenes Motorrad war dann eine Honda Hornet mit einigen PS und ich war nie wieder zuuu langsam. Ich bin einige Jahre gefahren und habe mit Freunden schöne Touren gemacht, interessante Ecken Deutschlands entdeckt. Heute ist das weit, weit weg für mich.

12. Saarbrücken: Ich weiß bis heute nicht genau, was mich dazu gebracht hat, seiner Zeit beruflich nach Saarbrücken zu ziehen. Damals dachte ich noch, ich würde nie wieder nach Berlin zurück kommen können. Es kam dann anders. Nach fünf Jahren und vielen Veränderungen kam ich dann nach Berlin Charlottenburg, wo ich heute noch lebe. Die Zeit im Saarland war für mich und meinen Weg sehr wichtig, so dass ich da schon das Gefühl hatte, Saarbrücken ist meine zweite Heimat. Ich muss unbedingt mal wieder hin.

 

Selbstporträt, 2008, (c) Doreen Trittel

Selbstporträt, 2008, (c) Doreen Trittel

 

13. Angst: Ich habe in den letzten Jahren gelernt, Angst als Wegweiser zu betrachten. Doch gleichzeitig habe ich auch immer noch Angst vor der Angst. Und sich selbst immer wieder zu hinterfragen, ist kein Kinderspiel. Aber ich kann nicht mehr ohne, denn durch die unterschiedlichen Transformationen kann ich loslassen und Veränderungen schaffen. Ich fühle mich damit reich beschenkt und sehr bei mir. Dafür bin ich dankbar.

 

Selbstporträt, 2010, (c) Doreen Trittel

Selbstporträt, 2010, (c) Doreen Trittel

 

Das waren 13 Dinge aus meinem ganz persönlichen Nähkästchen.

Da dies mein erster Blogbeitrag in 2019 ist, sende ich Dir noch herzliche Grüße zum Neuen Jahr und wünsche Dir gesunde, inspirierende und frohe zwölf Monate. Alles Liebe und Gute für Dich und Deine Lieben!

Ein Sommer am See: wärmende Erinnerungen

Ein Sommer am See: wärmende Erinnerungen

Im Winter leben wir von den Erinnerungen an den Sommer, heißt es doch. Oder? In Vorbereitung auf ein Projekt im kommenden Jahr habe ich in meiner Kiste mit Kindheitserinnerungen gekramt. Dabei fiel mir ein Aufsatz in die Hände, den ich einst vor etwa dreißig Jahren in der Schule schrieb. Als ich ihn las, tauchten die Bilder in mir auf, das Gefühl… dort am See…

 

Am See 1, Lomografie, (c) Doreen Trittel

Am See 1, Lomografie, analog, (c) Doreen Trittel

 

Das vorgegebene Thema lautete: „Aufsatz zum Wi(e)dergeben von Eindrücken“. (Erst jetzt – nach über zwanzig Jahren – fällt mir auf, dass die Lehrerin das fehlende ‚e‘ nicht bemerkt hat.) Heute würde ich vieles anders ausdrücken, andere Worte wählen, neue Sätze formulieren… Ich hatte auch kurz überlegt, den Text zu überarbeiten. Es sind schon einige widersprüchliche Aussagen enthalten, Worte, Formulierungen, die ich nicht mehr so verwenden würde… Doch dann bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich ihn sonst verfälschen würde. Denn es ist der Text eines jungen Mädchens, der mich zum Schmunzeln bringt und mich lächelnd an längst vergangene Zeiten erinnern lässt. In diesem Sinne möchte ich diesen Aufsatz gern mit Dir teilen.

Schaffen wir uns gerade jetzt, in der Vorweihnachtszeit gemütliche Momente zum Innehalten, zum Schmunzeln und Erinnern. Vielleicht magst Du ja einen solchen Moment teilen: Imme sammelt auf ihrem Blog Sprotten-Stories noch bis zum 31. Dezember 2017  im Rahmen einer Blogparade solche und ähnliche Nostalgiemomente.

 

Im Schilf, Lomografie, (c) Doreen Trittel

Im Schilf, Lomografie, analog, (c) Doreen Trittel

 

Berlin, am 28. März 1988

Aufsatz zum Wi(e)dergeben von Eindrücken

Abschied vom See

Ich erinnere mich an einen Ferientag im August 1987 an einem See in Polen. Langsam gehe ich den Waldweg entlang. Hinter mir liegt das Lager. Stimmen sind zu hören, singende und lachende. Dort vorne muß ich in das Gebüsch nach links abbiegen.
Ein kleiner schmaler Weg, von Bäumen und Sträuchern umgeben, führt hinunter zum Steg. Das Wasser ist schon zu hören. Es plätschert leise.
Vor mir breitet sich der ruhige See aus. Bis jetzt hatten Bäume und Büsche den Blick auf ihn verdeckt.
Ich gehe auf den kleinen, zerfallenen und einsamen Steg zu. Man muß vorsichtig sein, denn er ist schon wack(e)lig, morsch, und er neigt sich langsam dem Grund des Sees zu.
Es ist schön(,) hier zu sitzen, mitten im Schilf und vor mir ein Stück vom See. Am anderen Ufer sieht man ein Haus zwischen Bäumen hervorragen.
Der Himmel färbt sich rot, orange und gelb. Zwischen diesen Farbtönen sinkt eine hellgelbe Kugel, die Sonne. Sie versinkt mehr und mehr hinter dem Berg, der mit verschiedenen Baumarten bewachsen ist.
Dort und da taucht im See mal ein Fisch auf, der kleine Wellen hinterläßt. Die Frösche geben ihr Abendkonzert, dem ich gerne zuhöre. Auf der anderen Seite des Sees sitzen einige Fischer und warten auf ihren Fang.
Morgen, um diese Zeit, sind wir schon auf dem Heimweg.
Ich sitze hier und versuche, mir dieses Bild einzuprägen, denn ich werde es bestimmt nie wiedersehen.
Jetzt muß ich aber gehen, denn gleich gibt es Abendbrot. Langsam erhebe ich mich. Meinen gepflückten Blumenstrauß überlasse ich den Wellen des Gewässers.
Traurig gehe ich auf den kleinen schmalen Weg. Doch ich drehe mich noch (ein)mal um, schiebe die Blätter beiseite und sehe noch einmal dieses schöne Bild der Natur. Ich könnte jeden Abend hier sitzen, und jedesmal g(ä)be es etwas Neues zu entdecken.
Vor mir sehe ich wieder das Lager. Die Stimmung der anderen reißt mich mit und läßt mir keine Zeit, sehnsüchtig an diese Augenblicke am See zurückzudenken.

 

Am See 2, Lomografie, (c) Doreen Trittel

Am See 2, Lomografie, analog, (c) Doreen Trittel

 

Mit meinen Erlebnissen in diesem Ferienlager beschäftige ich mich auch in meiner Arbeit mit dem Titel Sommer 1987. Hier habe ich Eintragungen aus meinem Tagebuch von damals mit Fotografien (Lomografie) verknüpft. Es sind die Erlebnisse und Gedanken an einem Sommer in einem Pfadfinderlager irgendwo in einem Wald an einem See in Polen. Auf der einen Seite unterscheiden sich diese Erfahrungen von denen in Westdeutschland aufgewachsenen Kindern, aber andererseits lassen sich auch viele Gemeinsamkeiten erkennen.

Ich wünsche Dir noch eine schöne Adventszeit mit genussvollen und gemütlichen Momenten. Lasst uns auch in der kalten Jahreszeit wundervolle Erinnerungen für morgen schaffen.

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