von hehocra | Juli 25, 2016 | Vielfalt |
Mir fällt es schwer, die aktuellen Ereignisse in der Welt und in unserem Land zu thematisieren. Bin ich einfach nur sprachlos. Denke ich bestürzt an die Betroffenen, spüre, wie ich dadurch selbst betroffen bin. Sind wir alle doch Menschen, Menschen mit einem Herzen und Gefühlen, Bewohner dieses Planeten…
Ja, auch in mir macht sich Angst breit, eine Angst, die mich dazu animiert, mich meinen Gefühlen zu widmen, mir diese Angst anzuschauen, nicht wegzuschauen… Dann wende ich mich den Bildern und Erfahrungen, den Erinnerungen und Menschen zu, die mir zeigen, wie wunderbar unsere Welt ist, und wie liebevoll wir miteinander füreinander sein können.

Blick aus der Istanbul Modern, Museum für Kunst der Gegenwart, 2014
von hehocra | Juli 21, 2016 | Vielfalt |
Noch bis zum 21.8.2016 ist im Martin-Gropius-Bau die Ausstellung „No it is!“ des südafrikanischen Künstlers William Kentridge zu sehen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bisher noch nie etwas von ihm gehört oder von seinen Werken gesehen habe. Dabei wurden verschiedene Arbeiten des 61jährigen bereits im MOMA, in der Tate und auf der Documenta gezeigt. Durch den Tipp eines befreundeten Künstlers bin ich kürzlich neugierig ins Museum gegangen.
Der Ursprung aller seiner Werke ist das Zeichnen. Kentridge zeichnet viel auf Buchseiten oder gefundenen Papieren. Er gestaltet Skulpturen, mehrdimensionale Collagen. Er macht Filme, die vorwärts und rückwärts laufen. Er füllt ganze Räume mit seinen Installationen. Eine Vielfalt, die ich sehr anregend finde.
In einer Wunderkammer, die die Atmosphäre seines Studios, wiedergibt, liegt ein Buch, in dem man blättern kann. Über mehrere Seiten entwickelt sich ein gezeichnetes Telefon (die klassische Variante mit Hörer) über einen weiblichen Akt hin zu einer Espressokanne. An einem anderen Tisch blättert die Kamera in diesem Buch und die Bilder lernen laufen – ein Video à la Daumenkino.
Die Filme von Kentridge stellen gewohnte Sichtweisen auf den Kopf. Dabei agiert er mitunter selbst vor der Kamera. Bilder werden rückwärts gemalt, ein Bild entsteht aus der Zerstörung, Zeichnungen werden umgeblättert oder weggewischt.
Die Freude und der Spaß am vielseitigen Experimentieren, an der Irritation und am Überschreiten von Grenzen fand ich unglaublich bereichernd. Der Besuch dieser Ausstellung hat mich selbst wieder ins kreative Tun gebracht. In diesem Sinne sende ich Dir inspirierte Grüße und mache mich gleich wieder ans Werk.
Warst Du zufällig auch schon in dieser Ausstellung? Wie waren Deine Eindrücke?
Ausstellung: No it is!, William Kentridge, bis zum 21.8.2016 im Martin-Gropius-Bau, Berlin
von hehocra | Juli 11, 2016 | Vielfalt |
In diesem Jahr fand die Textile Art Berlin das letzte Mal in der Carl-von-Ossietzky-Schule in Berlin-Kreuzberg statt. Im kommenden Jahr startet die Messe an einem neuen Ort. Ich hoffe, dass dieser Wechsel neuen Schwung bringen wird. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass die Messe diesen gebrauchen kann. Aber vor dem Ausblick auf das kommende Jahr, möchte ich heute von der diesjährigen Textile Art Berlin berichten. Denn ein paar interessante Entdeckungen habe ich wieder machen können.

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Gleich zu Beginn waren wieder die vielfältigen, kleinen, feinen Beiträge des geschlossenen Wettbewerbs zu sehen. Ich habe diese vier Bilder mal herausgegriffen, um sie Dir zu zeigen – aber auch, weil ich diese von den Materialien oder den Inhalten am faszinierendsten fand. Oben links eine Arbeit von Eva Lippert. Sie hat hier unter anderem Fotografien verarbeitet. Durch die Fotostreifen und Fäden wirkt die Arbeit wie gewebt. Die Stadtansicht mit Radfahrer von Sonja Wedemeyer war im Vergleich zu den farbigen und bis ins Detail vielfältig ausgearbeiteten Werken eine gelungene, schlichte Abwechslung. Eva Mühlebach hat ein altes sw-Foto von einer Frau und einem Kind, die am Wegesrand sitzen, gestaltet. Dieses Bild lässt mich in eigenen Erinnerungen schwelgen und werfen Fragen auf: Wo schauen die beiden so neugierig hin? Sind dies Oma und Enkelin? In welchem Sommer entstand diese Aufnahme?… Einen fliederfarbenen BH hat Pia Fischer in ihrer Mixed-Media-Collage ins Zentrum gesetzt. Dabei musste ich schmunzeln und an meinen BH-Organizer denken, den ich mal entwickelt hatte.

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Auf meinem weiteren Weg durch die Flure und Räume der Schule gab es faszinierende Verbindungen zu entdecken. Lavendel und andere Küchenkräuter wurden von Renate Weber zu liebevollen Bildern verwebt. Gertrud Brauner-Baumgartner, wo(h)llgefühl, hat Treibholz und Filzelemente zu zauberhaften Skulpturen geformt. Beton und Filz? Wie wunderbar diese Elemente zusammenpassen zeigt Klaudia Al-Halawani mit ihren Werken: Schote und Kerben.

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Zwischendurch habe ich diese tollen Studien gefunden. Schülerinnen und Schüler der Carl-von-Ossietzky-Schule haben sw-Fotografien ihrer Schule mit verschiedenen Materialien bearbeitet.

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Die internationale Gruppe Quilt Art präsentierte ihre Werke unter dem Titel „QA30 – Small Talk“. Folgende Arbeiten zogen mich ganz besonders in ihren Bann. Oben links ein Ausschnitt der Arbeit „Connections“ von Eszter Bornemisza aus Ungarn. Auf dem großen Bild sind Texte und Aufnahmen von Bäumen mit verschiedenen Lagen von Sandra Meech aus England mit dem Titel „Reality and Rhetoric No 2“ verarbeitet. (Hier passen die Farben sogar zum türkisen Farbstreifen der Schule.) Die Serie mit Textilcollagen mit Worten und Zahlen auf grauem Hintergrund bzw. grau gerahmt stammen von Jette Clover aus Belgien: „Letter Forest“.

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Sehr stark berührt haben mich die folgenden Arbeiten. Auf dem ersten Bild, ich hoffe, Du kannst sie erkennen, sind Gasmasken von Neringa Kiseliene aus bunten Stoffen genäht und hängen an den Garderobenhaken eines Klassenzimmers. Gasmasken an sich wirken auf mich zunächst sehr bedrohlich. Doch durch die Verarbeitung mit farbenfrohen Textilien bekommt diese Wirkung etwas Irritierendes. Auf der Website der Textile Art Berlin gibt es hier eine Fotografie der Diplomarbeit „Accessoire-Gasmasken“. Diese Arbeit war Teil der Präsentation von der VDA Kunstfakultät Kaunas aus Litauen unter dem Titel „ÖKO – MINT“.

Das zweite Bild zeigt ein ziemlich düsteres textiles Mandala von Doreen Stenzel, deren Arbeiten sich ansonsten durch Helligkeit und Leichtigkeit auszeichnen. Der Titel „Ahnenfrieden/ peace of ancestry“ hat mich in die helle Mitte ziehen lassen, weil mich dieses Thema selbst gerade umtreibt.

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Die Arbeiten von Barbara Füreder, von denen ich selbst leider kein Foto gemacht habe, gehen mir auch noch nach. Sie betrachtet „MÄRCHEN als REISEbegLEITER“. Märchen spielen ja nicht nur während unserer Kindheit eine Rolle, sondern wirken – oft unbewusst – ein Leben lang. Sie können uns durch Veränderungsprozesse und durch unseren Alltag begleiten. Da ich dieser Erkenntnis immer mehr begegne und ich meiner Tochter Märchen vorlese, fand ich die künstlerische Auseinandersetzung damit sehr spannend.
Die farbenfrohen Hinweise auf dem Weg zur Messe waren wie in den Jahren zuvor auch herrlich bunt gestaltet und hatten etwas vertrautes. Aber nun bin ich gespannt auf den neuen Ort im kommenden Jahr, dem Phorms Campus Berlin Mitte, in der Ackerstraße 76, 13355 Berlin.

Warst Du auch bei der Textile Art Berlin? Was waren Deine Highlights? Falls Du hast, schick mir doch einen Link von Deinen Eindrücken.
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von hehocra | Juli 6, 2016 | Vielfalt |
Der Umzug ist geschafft. Die neue Website mit einem Willkommensgruß im Blog ist online… Und doch sitze ich hier und fühle die Leere des berühmten weißen Blatts Papier. Wo nehme ich den Faden wieder auf? Wo mache ich weiter? Wo beginne ich?…
Aber bevor ich mich in der Suche nach Antworten verliere, denke ich mir, dass es jetzt so sein soll. Das es richtig und gut so ist, wie es jetzt ist. Es gilt diesen Zustand dazwischen einfach auszuhalten. Es bewegt sich. Es arbeitet. Es ist nur nicht sichtbar, nicht greifbar. Aber ich weiß es, denn ich kenne es. Nur muss ich zugeben, dass es nach mehreren Wochen, in denen ich kontinuierlich an einer Sache dran war, nicht ganz so einfach ist, diese scheinbar unkreative Phase mit offenen Armen anzunehmen und nichts zu tun. Nichts tun? Irgendwie stimmt das ja auch nicht. Der Alltag ist voll mit Dingen, die zu tun sind. Widme ich mich den Punkten, die ich erledigen kann, ohne, dass sie großartige kreative Wege und Muße erfordern. Auch kann ich mir etwas gutes tun, das Leben genießen und mich daran erfreuen, dass ich diese Etappe auf meinem Weg geschafft habe. Ja, das tue ich und das tut mir gut.
Wie gehst Du mit solchen Phasen, in denen scheinbar nichts voran geht, um? Wie verbringst Du diese Wartezeit? Was sind Deine Erfahrungen?

Diesen Blütenkranz habe ich gestern gemacht. Es war ein Tag, der mich an meine Kindheit erinnerte. Viele sommerliche Bilder mit Wiesen, Feldern und Wäldern tauchten auf. Dabei kam mir auch in den Sinn, diesen Kranz zu binden.
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von hehocra | Juni 28, 2016 | Vielfalt |
Herzlich Willkommen in meinem neuen Zuhause: Eine neue Website, mit alten und neuen Inhalten im neuen Design. Ich freue mich sehr und bin gespannt, wie es Dir hier gefällt.
Mehrere Wochen habe ich daran gearbeitet. Viel neues Wissen habe ich mir aneignen können. Einige Knoten mussten aufgelöst werden. Immer wieder Änderungen, drüber schlafen und neue Ideen ausprobieren. Es war eine intensive, inspirierende und vor allem bereichernde Zeit. Mein Fazit: Einen Schritt nach dem anderen. * Viele kleine Schritte führen auch zum Ziel. * Good buy Perfektionismus. * Es gibt immer etwas zu tun, mache ich erst einmal eine Pause. (Das waren die Momente, in denen sich die Knoten gelöst haben.) * Und ich habe erfahren, wie groß die Schritte mitunter werden können, wenn man sich Hilfe an Bord holt. Diese bekam ich aus der Remise Steglitz, der Werkstatt für Unternehmen. Herzlichen Dank, an Euch drei: Kerstin Müller, Webprogrammierung , www.diewebgestalter.de / Katja Jaeger, Grafik- und Webdesign, www.design-jaeger-berlin.de / Susanne Jestel, Marketing und Kommunikation, www.jestelpr.de.
Gerade beim Stichwort perfekt muss ich gestehen, dass der Umzug noch nicht komplett abgeschlossen ist. Einige Kisten müssen noch ausgepackt und Kabel verknüpft werden. Ein paar Verluste beim Umzug der Kommentare muss ich noch verschmerzen. An einigen Ecken werde ich die Kanten noch abschleifen. Aber: Eines nach dem anderen.
Jetzt freue ich mich erst einmal über diesen großen Schritt und dass Du hier bist. Ich hoffe, es gefällt Dir hier. Wenn Dir etwas auf meiner neuen Website auffällt, freue ich mich über jeden Hinweis und Tipp.
Prost und sonnige Grüße, Doreen
von hehocra | Juni 9, 2016 | Vielfalt |
Handarbeitsunterricht – ruft das bei Dir auch Erinnerungen wach? Oder gehörst Du zu denjenigen, die das aus der Schule nicht mehr kennen? Ist der Handarbeitsunterricht eines der früheren Unterrichtsfächer, das neben den Tanzstunden irgendwann abgeschafft wurde?…
Ich jedenfalls hatte als Kind in einer der unteren Klassenstufen noch Handarbeitsunterricht. Dort habe ich verschiedene Stickarten kennengelernt und sie auf einem Aida-Stoff (zählbares Gewebe) geübt. Aus diesem Stoff nähten wir dann von Hand, selbstverständlich, eine kleine Tasche. (Heute würde ich sagen, dies war eine Buchtasche. Aber damals sah ich diese Verwendung noch nicht.) Ich habe sie lange aufgehoben gehabt. Doch bei einer meiner letzten Umzüge vor vielen Jahren muss ich sie aussortiert haben. Das finde ich heute sehr schade. Aber es ist so und ich kann es nicht ändern.
Hiervon erzählte ich Susanne Bröer. Ich lernte die Textilkünstlerin kürzlich bei Susanne Hauns 10. Salon kennen. (Von diesem berichtete ich hier: Textile Kunst zu Gast bei der Zeichenkunst) Susanne Bröer wusste sofort, wovon ich sprach, denn auch sie bestickte im Handarbeitsunterricht Aida-Stoff und nähte daraus ebenfalls eine Tasche. UND sie hat ihre Tasche noch. Suanne Bröer hat ihre Handarbeit freundlicher Weise fotografiert und für meinen Blog das Foto zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank.

Tasche aus dem Handarbeitsunterricht (c) Susanne Bröer
Na, wer kann sich an solch ein Stück noch erinnern? Wer hat sein Werk aus Kindertagen noch?
Der Handarbeitsunterricht war eines der Fächer, das ich sehr mochte, obwohl die Lehrerin nicht gerade mitreißend war. Sie untersagte uns, die Fäden anzulecken, um sie ins Nadelöhr zu fädeln. (Noch heute mache ich das und muss grinsen.) Ich bekam von meinen Eltern ein altes Nähkörbchen, das ich stolz in die Schule trug. ich weiß gar nicht mehr, ob ich vorher schon genäht hatte. Aber irgendwie war meine Begeisterung für Handarbeiten schon da. Zu Hause hatte ich eine große Kiste verschiedenster Stoffreste und -schnipsel, die ich immer wieder gern durchstöberte.
Aktuell fließen diese Erinnerungen in eine neue Serie ein. Ich besticke Papier bzw. Karton. Da ich diese Arbeiten für einen Wettbewerb vorbereite, kann ich sie hier leider noch nicht zeigen. Aber ich finde, die Rückseiten, die ich während des Entstehungsprozesses immer mal wieder fotografisch festgehalten habe, haben auch ihren Reiz.


Work in progress, Rückseiten (c) hehocra
Vor einigen Monaten begann Mütze erste Nähversuche zu unternehmen. Ich finde, dies ist ihr sehr gut gelungen (klar, ich bin die Mutter). Aber dieses kleine Werk zeigt so schön die Grenzenlosigkeit kreativen Arbeitens.

Freie Näharbeit von Mütze (c) hehocra
In diesem Sinne, kreativ fröhliche und herzliche Grüße, Doreen