Ein berührender Briefwechsel (Roman)

Kürzlich habe ich innerhalb weniger Tage ein Buch verschlungen, das ich heute gern vorstellen möchte. Es ist ein Briefroman: Reich der Verluste, von Erika Pluhar (erschienen als Insel Taschenbuch).

So oft, kam es in den letzten Jahren nicht vor, dass ich in ein Buch quasi eintauchen konnte. Dies lag aber meist weniger an den Büchern als an der Tatsache, dass ich Mutter geworden bin und sich auch meine Prioritäten für meine Zeit allein verschoben haben. Ein Stück weit ist es aber auch meine Bequemlichkeit. Ja, das muss ich zugeben. Ich greife eher zum Handy mit seinen weiten Lesewelten und zu Zeitungen bzw. Zeitschriften. Manchmal sage ich scherzhaft Fastfood-Lesen dazu… Aber ich will nicht weiter abschweifen – zurück zum Buch.

Buch: Reich der Verluste

Im Klappentext heißt es:

Es beginnt mit einer Postkarte: Sie habe in ihrer Wohnung versehentlich ein Fenster offen gelassen, schreibt Magda an ihre Hausmeistersfrau Maria in der Stadt. Magda schreibt es von einer Mittelmeerinsel, auf die sie sich nach diversen Schicksalsschlägen zurückgezogen hat. Das Fenster wird geschlossen – ein Briefwechsel beginnt, in dem sich die beiden so unterschiedlichen Frauen einander immer mehr annähern und schließlich Freundinnen werden. Sie erzählen ihre Lebensgeschichten. Kränkungen, Lebensleiden oder Liebesverluste werden noch einmal durchlebt, lang unterdrückte Tränen endlich geweint. Die schlichte, warmherzige Maria entdeckt die Macht der Wörter und das Vergnügen, sich schreibend mitzuteilen. Mit neuem Selbstbewusstsein nimmt sie ihr Schicksal in die Hand, während Magda neuen Mut schöpft und zurück ins Leben kehrt. Ein gefühlvolles, lebendiges, mitreißendes Buch voller Hoffnung und Sehnsucht.

Für mich ist es eines dieser Bücher, welches ich innerhalb weniger Tage aufgesogen hatte und wehmütig war, als meine Hand die letzte Seite umblätterte. Magda schreibt in ihren Briefen aus ihrem Leben, sie stellt sich ihren Erinnerungen, und Maria entdeckt die Welt der Worte. Zwei herzensgute Frauen, die zunächst nicht unterschiedlicher hätten erscheinen können und sich in vertrauensvollen, offenen Briefen kennenlernen und sehr schnell nahe sind.

Dies ist mein erstes Buch, das ich von der österreichischen Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin Erika Pluhar gelesen habe. Was ich bisher über sie erfahren habe, scheint sie eine mutige und beeindruckende Frau. Ich danke dem Zufall, der mir das obige Buch als Mängelexemplar beim Stöbern in einer Buchhandlung zugespielt hatte, und bin neugierig auf ihre Bücher geworden.

Couture häkeln – eine Geschichte

Dass ich mich für Textiles und Handarbeiten begeistern kann, dürfte sich ja schon rumgesprochen haben, ganz besonders, wenn so berührend sympathische Geschichten wie diese hier daher kommen.

Für „Square” wird die Berliner Schauspielerin und Sängerin Meret Becker zur Filmregisseurin! Sie stellt uns die Modedesignerin Ann-Kathrin Carstensen und ihr Label „Rita in Palma” in ihrem Dokumentarfilm vor. Das Besondere an diesem Projekt: Türkische Frauen häkeln Haute Couture und erlangen dadurch ein Stück Unabhängigkeit.

(Square ist eine Sendung von arte und beschäftigt sich mit Künstlern und Intellektuellen.)

Hier geht es zur Website von RITA IN PALMA aus Berlin Neukölln. Dort kannst Du die zauberhaften Kreationen bewundern. Dazu empfehle ich aber auch den Link zum Häkelclub, dem sozialen Engagement des Modelabels.

Am Rande: Wenn es nach mir ginge, könnte Meret Becker noch mehr solch schöne Filme machen. Eine tolle Frau, deren Vielfältigkeit und Kreativität mich sehr beeindruckt.

Noch etwas: Den Film entdeckte ich auf dem Blog My Fair Yarn. Er fasziniert mich, weil darin die Begeisterung, die Freude und die Leidenschaft der Autorin für Garne zum Ausdruck kommt. Sie schreibt über ihre Entdeckungen und Erfahrungen mit Wolle, die sich durch die Charakterzüge natürlich, nachhaltig und fair auszeichnet.

Aber zurück zum Häkeln. Der Film von Meret Becker über Rita In Palma hat mich an ein Paar gehäkelte Handschuhe erinnert, die ich von meiner Oma habe. Ich selbst trage sie nicht, aber ich finde sie so schön, dass ich sie bisher nicht aussortierten konnte. (Mir sind sie leider zu klein und entsprechen auch überhaupt nicht meinem Stil.) Für diesen Blogbeitrag heute habe ich sie hervorgeholt und fotografiert.

Handschuhe: Spitze, Häkelei

Ein Mal hatte ich tatsächlich überlegt, sie auszusortieren, weil ich selbst keine Erinnerungen mit ihnen verbinde, aber nun, inspiriert durch die Geschichte von Rita In Palma, behalte ich sie doch. Entwickelt sich langsam eine Idee, was ich mit ihnen künstlerisch umsetzen könnte… Insbesondere frage ich mich dabei, welche Erinnerungen diese Handschuhe haben könnten. Woher hatte meine Oma diese Handschuhe? Hat sie sie selbst getragen? Wer hat sie getragen? Zu welchem Anlass? Aus welcher Zeit stammen sie?… Fragen, die Du Dir sicher bei anderen Gegenständen oder Orten auch schon einmal gestellt hast…

Jetzt offiziell: Der Frühling ist da. | Tagebücher

Er hat uns ja in diesem Jahr schon zeitig besucht, der Frühling. Seit Anfang Februar konnten wir hier schon erste Frühblüher und sich öffnende Knospen entdecken. Heute ist nun auch aus astronomischer Sicht der Frühlingsanfang. Ich liebe diese Jahreszeit.

Frühlingsblumen

Ich wünsche Dir einen schönen Frühling mit zauberhaften Genussmomenten und wunderbaren Entdeckungen.

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Frühlingsanfang. Dieser Tag lässt mich in den vergangenen Jahren auch immer wieder an einen Beitrag im Magazin der Süddeutschen Zeitung von 2008 denken. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Tagebucharchiv haben die Autoren private Tagebucheinträge vom 20. März aus aus mehreren Jahrzehnten zusammengetragen und veröffentlicht: „Mein liebes Tagebuch“ Und immer wieder Frühling: 100 Jahre Zeitgeschichte in privaten Notizen.

Viel Spaß beim Lesen. Ich klicke mich auch gleich nochmal hinüber. Dem Internet sei Dank. (Irgendwo habe ich auch das reale Heft aufgehoben. Aber wie das immer so ist, wenn man etwas sucht… Du kennst das, oder?)

Sofaerinnerungen

Vor Weihnachten war es schon. Auf einem kleinen, sehr feinen Weihnachtsmarkt in der Adventszeit verliebte ich mich in eine Tasche. Doch ich traute mich nicht, dieser Verliebtheit spontan nachzugeben. So kam es, dass sich meine Gedanken in den Tagen darauf immer wieder um diese Tasche drehten, die ich zurück gelassen hatte. Aber ich hatte zum Glück den Namen der Herstellerin und ihre Kontaktdaten. Also schrieb ich ihr und musste dann aber leider erfahren, dass sich die Tasche bereits in dem Besitz einer mutigeren Kundin befindet. Doch ich hatte wiederum Glück, denn solch eine ähnliche Tasche könne ohne Probleme von der Produzentin – für mich – genäht werden. Und dann war es soweit, ich trat meiner neuen Tasche gegenüber, war sofort begeistert und laufe nun mit ihr beschwingt durch den Alltag.

Sofaerinnerungen

Nun aber mal ein bisschen genauer: Auf besagtem Weihnachtsmarkt entdeckte ich das wunderbare Taschenangebot von Rut Meyburg. Unter dem Label Meyburg stellt sie selbst die Taschen her. Das besondere daran: Sie verwendet hierfür das Leder von alten Sofas und für den Tragegurt abgelegte Gürtel. Dieser Hintergrund faszinierte mich gleich. Nun habe ich eine Tasche voller Erinnerungen. Dies sind Erinnerungen, die ich nicht kenne und was vollkommen in Ordnung ist, denn so habe ich die Möglichkeit, meine eigenen Erinnerungen mit dieser, meiner, neuen, alten Tasche zu sammeln. Ich freue mich darauf.

Sofaerinnerungen

Wer möchte, kann sich hier selbst ein Bild machen und vielleicht sogar fündig werden. Hier die Website von Meyburg mit Links zu den Shops und weiteren Informationen. (Ein kleiner Tipp: Auf der Fanseite gibt es ein Video, wo man sehen kann, wie einem Sofa das Fell über die Ohren gezogen wird. Sieht man ja auch nicht alle Tage.)

Sofaerinnerungen

Im Übrigen: Dieser Blogbeitrag ist nicht gesponsert. Er enthält meine persönliche Erfahrung und Meinung.

Fundstücke II: 25 Jahre danach

Wie schon angekündigt, sind mir weitere interessante Rückblicke auf die Ereignisse von 1989 über den Weg gelaufen, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Wende Gelände ist eine fotografische Serie mit Aufnahmen von verschwunden Orten einer Kindheit. Erinnerungen der Fotografin Sarah Schönfeld.

* Vor fünf Jahren, zum 20. Jahrestag des Mauerfalls, hat das Deutsche Tagebucharchiv ein Heft mit Tagebuchausschnitten zur Erinnerung an eine Welt, die es nicht mehr gibt herausgebracht. Dieses ist mir gerade wieder in die Hände gekommen und in diesen Tagen wieder aktuell, deshalb erwähne ich es an dieser Stelle einfach mal. (Es lohnt sich sowieso, auf den Seiten des Tagebucharchivs zu stöbern; eine interessante und wichtige Einrichtung. Es gibt zum Beispiel auch ein Heft mit Tagebucheinträgen zum 9. November, die nichts mit dem Mauerfall 1989 zu tun haben, sondern weiter zurück liegen.)

* Eine sehr persönliche, humorvolle und nachdenkliche Sicht zeigt eine Dokumentation mit Erinnerungen des Schauspielers Jan Josef Liefers.

* „Wir reflektieren die Vergangenheit, um daraus zu lernen und gemeinsam Gegenwart und Zukunft mitzugestalten.“ – Ein interessantes Interview mit zwei engagierten Wendekindern der Dritten Generation Ost.

* Auf Twitter gibt es auch unter folgenden Hashtags Informationen und Hinweise: #ddr und #wende89.

* Wie sehr sich Berlin verändert hat, zeigt diese großartige Gegenüberstellung von Fotografien gestern und heute. (Man kann sogar in den Fotos schieben, so dass sich der frühere bzw. der heutige Blick komplett öffnet.)

* Die Dokumentation „Zonenmädchen“ hat mich sehr berührt. Ich habe ihn auf Arte in der Mediathek gesehen. Sabine Michel und ihre Freundinnen waren beim Mauerfall 18 Jahre alt. Sie blicken – sehr persönlich – gemeinsam zurück und fragen sich, wie viel Zone noch in ihnen steckt. (Leider steht er dort nicht mehr zur Verfügung, aber man kann den Film erwerben. Hier bei YouTube gibt es einen Trailer.)

Dies ist nur eine kleine subjektive Auswahl meinerseits. Die Berichte und Veranstaltungen überschlagen sich ja gerade, jetzt, wo der Jahrestag am 9. November kurz bevorsteht.

Fundstücke I: 25 Jahre danach

Es gibt ja gerade zahlreiche Rückblicke auf die Ereignisse von 1989. Auf folgende möchte ich Euch gern aufmerksam machen:

Anke Domscheit Berg veröffentlicht in mehreren Teilen ihre Tagebücher und andere Dokumente aus den Tagen um dem Mauerfall 1989.

* Arte zeigt in einem Programmschwerpunkt interessante, vielschichtige Dokumentationen und Filme.

* Die Zeit stellt zahlreiche Statistiken in ihrem Artikel Das geteilte Land dar. Aber daneben finde ich das gezeigte Video sehr interessant. Es stellt Fotografien von damals mit heutigen Bildern einzelner Plätze gegenüber.

* Eine Ausstellung in Magdeburg gewährt mit Fotografien private Einblicke in die Kunstszene der DDR. (Ich selbst kann diese Ausstellung leider nicht besuchen, aber habe sie von einem für mich besonderen Menschen empfohlen bekommen.)

* Erzählcafé in Berlin Pankow: Frauen mit DDR-Wurzeln erzählen ihre Geschichte. (Hiervon habe ich bereits einen Abend besucht und hier berichtet.)

* Auf Twitter gibt es unter den Hashtags #de25 und #Mauerfall weitere Informationen und Hinweise.

 

Mir wird in den nächsten Tagen und Wochen sicher noch mehr über den Weg laufen…

Habt Ihr noch spannende und zum Nachdenken anregende Empfehlungen?